Schon gewusst?

Offene Geheimnisse und verborgenes wissen gibt es natürlich auch in der Skiwelt. Ein kleiner Auszug aus dem Kunstpiste Archiv.
Oder hast du das schon gewusst, lieber Leser?

Skadi und Ullr
Landläufig bekannt ist Ullr, eine Gottheit der skandinavischen Mythologie, als Schutzpatron der Skifahrer. Kaum einer weiß jedoch um seinen weiblichen Gegenpart, die Skigöttin Skadi. Beide Öndurdis, was Gott/Göttin auf Ski bedeutet, haben beneidenswerter weise ihre himmlische Heimat im ewigen Schnee. Der schöne Ullr vertreibt sich die Zeit vorwiegend mit Hasenjagd und Zweikampf – empfohlen wird deshalb ihn bei solchen und für Erfolge bei Skirennen anzurufen (kennt jemand die Telefonnummer?) Doch Skadi verfolgt, besonders für Freunde geschnittener Turns interessantere Nebenjobs. Sie ist zuständig für die Bearbeitung und den Einsatz von scharfen Klingen und obendrein ist sie eng mit dem feinsten Ski-Kernholz, der Esche, verbunden.

Antike Jäger Ski
Alter Hut

Während bis jetzt der Skifund aus Kalvträsk, im nördlichen Schweden, mit einer Datierung um 3200 Jahre vor unserer Zeitrechnung als der älteste Ski galt, kamen bei Ausgrabungen durch die Russische Akademie der Wissenschaften in Vis, im Nordwesten Russlands, Skifragmente zu Tage, die bis auf 8300 Jahre vor unserer Zeitrechnung datiert werden konnten. Diese Tatsache bedeutet, dass die nachweisbare Geschichte des Skis doppelt so alt ist als man bisher annahm und die Skibauer früher auf den Plan traten als die Konstrukteure der ägyptischen Pyramiden.

Alles schon dagewesen
Auch die Erfindung des Carving-Skis liegt weiter zurück als bisher angenommen. Taillierte Skimodelle gab es bereits im 18. Jahrhundert. Dass der taillierte Ski aus Norwegen stammt ist allgemein bekannt, dass er bereits im 18. Jahrhundert benutzt wurde, also ca. 100 Jahre früher als bis dato angenommen, wurde bislang kaum publiziert. In vielen Büchern wird Sondre Norheim in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als der Erfinder angegeben. Norwegische Forscher räumen inzwischen ein, dass Norheim den Typ „Telemark-Ski“ gefahren ist und verbreitet hat, aber nicht der Erfinder war.

Konstruktionsprobleme
Dass die extremeren Taillierungen wieder zurückgenommen wurden und beinahe in Vergessenheit gerieten ist auf die Einführung des Kunststoffbelags zurückzuführen. „Cellulix“ der erste Zellulose-Plastikbelag wurde von Dynamic bei den Olympischen Spielen in 1948 in St. Moritz sehr erfolgreich eingesetzt. Seine Haltbarkeit war auf taillierten Skis nur sehr begrenzt, deshalb griff man auf nahezu parallel kantige Ski zurück. Die Vorteile des Belags überwogen zum damaligen Zeitpunkt jene der Taillierung und so wurde diese taillierte Konstruktionsweise in den folgenden 20 Jahren sprichwörtlich auf Eis gelegt.

Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt…

Die „Verwindungstechnik“ zentraler Besttandteil des Wedelns und nach wie vor eingefleischten Stilempfindens, hat Stefan Kruckenhauser von Slalomläufern in den Skilehrplan übernommen. Die Rennläufer fuhren diesen Stil um den schmerzhaften und zumeist stark bremsenden Kontakt mit massiven Holztorstangen zu vermeiden und mit den parallelkantigen Skis trotzdem eine möglichst nahe den Toren führende Linie zu fahren. Um mit so einer Verwindung des Oberkörpers auch einigermaßen schnell und sicher zu fahren, musste der Schwung durch die nach unten schiebenden Skienden – Fersenschub – ausgelöst werden und gleichzeitig der Oberkörper talwärts seitlich nach aussen geneigt werden – Hüftknick.

Carving anno 1972
Später etablierte sich durch Pommeslatten die „Umsteigetechnik“ um den Rutschanteil möglichst gering zu halten, was aber keinesfalls als Neuerfindung der sechziger Jahre zu werten ist. Bereits in den 30ern empfahl Fritz Hoschek das „flüchtige Aufheben eines Beins“. Obwohl ein Zeitungsartikel von 1972 belegt, dass moderne Zeitgenossen, wie bspw. Olympiasieger Pepi Stiegler bereits ernsthafte Gedanken zum Thema Carving entwickelten. „Voraussetzung für Carving sind speziell geschnittene Schier, die im Mittelstück viel schmäler als in der Schaufel und am Ende sind.“ berichtet die Neue illustrierte Wochenschau am 2. Jänner 1972. Aus dem Text geht weiter hervor, dass, der Vorteil für weniger geübte Skifahrer, nämlich Kurven sauber auf der Kante fahren zu können, von einigen Leute bereits ganz klar realisiert wurde.