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Skiheil & Shalom

Während man sich in den Alpenvereinen mit der Aufarbeitung der antisemitischen Vergangenheit durchaus ernsthaft beschäftigt, steht der Österreichische Skiverband (ÖSV) diesem Thema noch vergleichsweise sprachlos gegenüber. Die sportlich so ruhmreiche Ski-Geschichte Österreichs zeigt sich diesbezüglich von einer nicht beonders ehrenhaften Seite.

Schon bei der Gründung des ÖSV im Jahr 1905 wurde Zdarskys „Internationaler Alpen – Skiverein“ vom Initiator Paulcke nicht eingeladen dem Verband beizutreten. Weder die fortschrittliche Skitechnik der „Lilienfelder Schule“ noch die Ablehnung antisemitischen Gedankenguts passten ins Bild der nationalen Skibewegung.

Am 17. November 1920 war Graz der Tagungsort der Vertreterversammlung der Ski Vereine des ÖSV. Die Hauptfrage dieser Sitzung war der Arierparagraph, also die Startberechtigung nur für arische Rennläufer. Beonders die Turner lehnten es ab, mit Nichtariern zu starten. Da sich der ÖSV noch nicht dazu entschließen konnte, den Arierparagraphen in seine Satzungen aufzunehmen, entstand im September 1921 ein „Deutschvölkischer Skiverband“, der die Landesverbände Steiermark, Kärnten und Salzburg, sowie einzelne Vereine Oberösterreichs, Tirols und Wiens umfasste.

Bei der Vertreterversammlung am 6. und 7. Oktober 1923 in Bad Ischl wurde der Arierparagraph schließlich doch vom ÖSV angenommen. Einige Vereine traten deshalb aus dem ÖSV aus und gründeten 1924 den Allgemeinen Österreichischen Skiverband – AÖSV, dem sich bald auch Vereine aus dem Salzkammergut und Tirol anschlossen. Somit konnte sich der ÖSV 1924 als „rassenrein“ bezeichnen und der Deutschvölkische Skiverband löste sich im ÖSV auf.

1926 stellte der AÖSV beim Internationalen Skiverband FIS den Antrag auf das Alleinvertreterrecht, da der ÖSV nicht allgemein zugänglich wäre. Tatsächlich wurde der ÖSV unter Androhung des Ausschlusses aufgefordert, binnen 3 Monaten den Arierparagraph aus den Satzungen zu streichen. Da der ÖSV keine Anstalten machte, den umstrittenen Paragraphen zu streichen, traten der Tiroler und der Salkammergut Skiverband und einige Wiener Vereine aus dem ÖSV aus und gründeten den „ÖSV 1905“. Dabei ging es wohl weniger um moralische Aspekte sondern darum den Rennläufern das Startrecht im Ausland zu bewahren, denn bereits vier Monate später kam es schon zur Wiedervereinigung der beiden Verbände und zum Beschluss, aus der FIS auszutreten.

Um den Läufern bei den ersten Winterspielen in St. Moritz 1928 dennoch einen Start zu ermöglichen musste man sich schweren Herzens mit dem Allgemeinen Skiverband einigen. Der Dachverband „Österreichische Ski Delegation“ wurde gegründet und entsandte seine Läufer zu den Olympischen Spielen.

Es gab aber nicht nur Auseinandersetzungen zwischen ÖSV und AÖSV wegen des Arierparagraphen. Auch die Arbeitersportbewegung, der ASKÖ, war ein Dorn im Auge der ÖSV Funktionäre. Einzelne Sportler und sogar ganze Clubs wurden aus dem ÖSV ausgeschlossen, weil sie an Veranstaltungen des ASKÖ teilgenommen hatten. Die zunehmende Radikalisierung im Gefolge des Brandes des Justizpalasts im Jahr 1927 war besonders auch im Sport zu spüren.

Nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich wurde in einer „Generalversammlung“ am 7. Juni 1938 die Auflösung aller Ski Verbände und deren Unterstellung unter ernannte nationalsozialistische Amtswalter bekannt gegeben.

Im Dezember 1945 wurde in Kitzbühel eine Neugründung des ÖSV beschlossen. Diese Neugründung sollte ein Zeichen sein, dass dieser ÖSV eine völlig unpolitische, nur dem Sport verschriebene Organisation war, die nichts mit den politischen Ambitionen des Vorkriegs-ÖSV zu tun hatte. In diesem Zusammenhang mutet es ein wenig befremdlich an, wenn sich der Ski Verband des mehr als 100-jährigen Bestehens rühmt und kein Zeichen für die Opfer des Naziregimes, auch den weniger prominenten als Rudolf Gomperz oder Hannes Schneider, setzt… Endlich Zeit für das Ende vom unrühmlichen Slalom – Schalom!