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Skifahren begreifen

In meinen Workshops spiele ich gerne mit grundlegenden Veränderungen. Oft lege ich den Teilnehmern nahe, die Stöcke zur Abwechslung einmal wegzulassen. Der Effekt, dass man mit freien Händen, die Basisbewegungen, des Rumpfs und der Beine besser spüren kann, hilft vielen. Ich beobachte dabei auch ganz genau, was Skifahrer-Hände so alles anstellen wollen und kann oft Tipps geben, die sprichwörtlich auf der Hand liegen.

Skifahren begreifen wörtlich genommen

Die Hand spielt eine entscheidende Rolle für den Menschen. Kraft und Feingefühl sind in keinem anderen Körperteil besser koordiniert als in unseren Händen. Die Hand ist von Beginn an für die Ausführung der Werke unserer Phantasie zuständig. Sie ist der erste Mittler zwischen der Bilderwelt unserer Phantasie und ihrer Verwirklichung. Das embryonale Wachstumsgreifen initiiert nicht nur die nachgeburtlichen Greifbewegungen, sondern ist auch eine Voraussetzung für späteres gedankliches Begreifen.

foto lothar rübelt

Wenn 27 Knochen bewegt durch 40 Muskeln und Sehnen greifen, drehen, strecken, beugen, festhalten, loslassen und fühlen hat dies messbare Auswirkungen in alle Körperregionen. Bewegung spiegelt immer das einheitliche Wirken des Organismus in seiner Ganzheit wider. Jedes Körperteil schließt sich mit allen anderen zu einem Gestaltkreis zusammen. Dabei verändert jede noch so unscheinbare Bewegung den Muskeltonus stets im Ganzen. Beim Skifahren kann das Bewusst machen von unnötigen oder gar kontraproduktiven Handbewegungen kleine Wunder wirken, die den Lernenden oft sehr verblüffen.

Oft sieht man aber, dass sich Leute zwar mit neuen Skischuhen, Socken oder Funktionsunterwäsche stark auseinander setzen, bei der „Handbekleidung“ aber meistens nur auf eher oberflächliche Merkmale, wie Wärme-Isolierung oder Wasserfestigkeit achten. Neben diesen Basis-Funktionen, die für gute Produkte ohnehin selbstverständlich sein sollten, gibt es aber auch noch andere Aspekte die wichtig sind. Die Finger, Hände und Handgelenke dürfen in keiner Weise in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt sein.

zanier gloves

Zanier Gloves: links Modell Cloud, rechts Race Pro ZX. Foto by Ulrich Grill für Zanier

Ich fand deshalb Fäustlinge schon vor Jahrzehnten auch fürs Rennfahren optimal. Damals wurden meine Daunenfäustlinge aber von vielen noch als Spinnerei abgetan. Sensible Rennläufer, wie Bode Miller und Janica Kostelics „tarnten“ ihre Fäustlinge durch gestreifte Applikationen noch vor rund zehn Jahren als Fingerlinge. Heute sieht man, dass es mehr und mehr Athleten gibt, die ihr Fingerspitzengefühl am liebsten einem Fäustling anvertrauen.

Die Ansprüche an Handbekleidung beim Ski fahren sind unterschiedlich und höchst individuell. Jemand, der viel ohne Stöcke unterwegs ist braucht Polsterungen wie Boarder sie bevorzugen. Menschen, die leicht frieren, können mit beheizten Handschuhen die Freude am Skifahren erhöhen. Technik Freunde wollen ihre Smartphones und GPS Devices trotz Minusgraden mit warmen Fingern bedienen. Und manche wollen einfach nur gern wie Rennfahrer ausehen. Alles ist möglich und alles ist gut. So lange Schutz und Funktion es zulassen, dass man Skifahren sprichwörtlich auch begreifen kann.

Andrea Zanier, Product Development und Marketing, Zanier Gloves:

andrea_zanier

Für uns als Hersteller ist das Thema Haptik besonders bei der Auswahl der Materialien interessant: Wenn Leder dann nur besonders weiches, Kunstdaune als Isolationsmaterial ist besonders soft, Mikrofaser die nicht steif ist sondern sich angenehm anfühlt.

Beweglichkeit ist wichtig: Je mehr Spielraum im Handschuh desto wärmer, schließlich isoliert Luft noch immer am optimalsten! Deshalb Handschuhe lieber ein Bisserl zu groß als zu klein kaufen. Und wie man bei Nicola liest bedeutet mehr Spielraum auch mehr Feeling fürs Skifahren.

Fäustlinge sind ein wichtiges Thema. Wir führen sie in allen Segmenten. Beheizbar, mit Heat-Pads, als Rennhandschuhe und natürlich mit Daune. Hauptsächlich kaufen Damen Fäustlinge. Und für Kinder bis 6 empfehle ich generell nur Fäustlinge. Wir haben auch eine neue, angenehme Entwicklung. Fäustlinge mit dem Innenfutter eines Fingerhandschuhs. Diese Modelle sind besonders komfortabel. Einerseits durch die doppelte und deshalb sehr warme Isolierung und durch hohen Tragekomfort. Ein Gefühl als hätte man einen weichen Unterzieh-Handschuh unter einem Fäustling an. Unser Rennmodell Race-Pro.ZX ist mit diesem Feature ausgestattet. Das ist das Modell der ÖSV-Snowboard-Damen – die ohne dieses spezielle Futter gar keinen Handschuh mehr tragen wollen. Die Ladies tragen übrigens großteils Fäustlinge! Ihre Argumente: Wärme und Schutz (so bleibt nicht ein einzelner Finger bei Torstangen hängen).

Auch Gore-Tex hat sich dem Thema Haptik verschrieben und letztes Jahr eine neue Entwicklung mit uns Handschuhproduzenten gestartet. Die X-Trafit Technolgie (kommt aus dem Motorradbereich) steht für optimalen Griff, perfekte Beweglichkeit und dauerhaften Komfort. Membrane und Futter werden miteinander verklebt, der Handschuh wird nur gering isoliert. Das Ergebnis ist ein dünner Handschuh mit extremer Haptik. Zu empfehlen bei Frühjahrsskilauf, zum Hantieren/Arbeiten, zum Klettern oder für Park&Pipe.

 

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