Unwesen im Funktionaerstum

FIS: Ziemlich FIES

Manchmal muss ich mich einfach aufregen! Alle Welt spricht davon, dass Skirennläufer in Sicherheitsfragen mehr Mitsprache-Recht haben sollten. Mit Didier Cuche wurde nun in der laufenden Rennsaison bereits zum zweiten Mal ein Mitglied der FIS Athleten-Kommision mit einer Geldbusse konfrontiert. Schon im Jänner fiel Ivica Kostelić, als Leader im Gesamt World Cup, für seine Äusserungen rund um das Thema Sicherheit auf der Streif, bei der FIS in Ungnade. Nun wurde Didier Cuche, er liegt in den Speed-Disziplinen und in der Gesamtwertung im absoluten Spitzenfeld, mit einer Geldbusse von 5.000,- Franken bestraft.

Didier Cuche bezieht zu diesem Vorfall auf der offiziellen Seite von Swiss Ski Stellung: „Ich hatte mit Günter Hujara nach dem ersten Training und später am Abend Gespräche und teilte ihm mit, dass der oberste Sprung zu weit gehe und ich mir für das Rennen deshalb Sorgen machte. Ich befürchtete, dass der Sprung im Rennen mit höherem Tempo noch weiter in die Kompression hinunter geht. Deshalb habe ich im Namen von mehreren Athleten angeregt, die Kante um wenige Zentimeter abzutragen, damit wir Fahrer nicht zu weit in die Kompression hinunter fliegen, wo eine Landung nicht mehr zu stehen ist.“ Weiter sagt Cuche, dass er es als Mitglied des Athletenkommitees als Verpflichtung sieht, für alle Fahrer und deren Sicherheit zu sprechen.
Audio Interview mit Cuche auf skionline.ch

Herren Rennsport-Direktor Hujara kündigte bereits im Dezember drastische Massnahmen für Läufer an, die Kritik nicht dem FIS Protokoll entsprechend äussern. Nach dem abgebrochenen Schlechtwetter-Trainingslauf in Beaver Creek sorgte die intensive Kritik von Athleten für Wirbel. Hujara beruft sich auf die IWO (internationale Wettkampf-Ordnung), in der Sanktionen bei Vergehen in Artikel 223 geregelt sind. Der Spielraum reicht von Akkreditierungsentzug, Disqualifikation und Ausschluss bis zu hohen Geldstrafen. Die Jury kann für Vergehen noch vor Ort sofort Strafen bis zu 5.000 Franken (3.799 Euro) aussprechen.

Dem Turnlehrer Hujara fehlt es offensichtlich an Einfühlungsvermögen für die Rennläufer-Seele. Er achtet mehr auf die Form als auf den Inhalt der vorgebrachten Kritik; versteht nicht, dass bei drohender Gefahr oder unfairen Bedingungen Emotionen bis zum Siedepunkt erhitzt werden können. In der Pädagogik galt Strafe Jahrhunderte lang als angemessenes Mittel in der Erziehung. Zweifel daran wurden bis vor kurzem selten geäußert. Im autokratischen Ski-System hat Strafe immer noch einen Stellenwert. Wo Gehorsam und Unterordnung verlangt wird, ist Strafe legitim und gerechtfertigt. Und so ist nicht weiter verwunderlich, wenn die Athleten-Vertreter, allen voran Kilian Albrecht, Chairman der Athleten Kommission,  ihre Bemühungen als ziemlich mühsam betrachten.

Eine Umgebung, in der Selbstbestimmung und die Entwicklung der Identität eine zentrale Rolle spielen sollen, kann nicht guten Gewissens mit Strafe arbeiten oder sie gar naiv rechtfertigen. Eltern trauen sich deshalb schon längst gegen strafende Lehrer auf die Barrikaden zu gehen. Im Fall Hujara sollten diese Rolle wir altgedienten Läufer wahrnehmen und den Aktiven und der Athleten Kommission mit einem klaren Statement den Rücken stärken, statt ihnen aus populistischen Gründen gar ins Kreuz zu fallen.