skilauf ist knielauf

Kopf hoch!

Skilehrer bestehen darauf.  „In die Knie gehen“  ist das Um und Auf fürs Skifahren. Welcher halbwegs versierte Skifahrer würde dem widersprechen? Nun habe ich aber gerade wieder einmal die Erfahrung gemacht, dass die, für den versierten Skipädagogen logische Handlungsanweisung ziemliche Tücken in sich birgt.

„In die Knie gehen“ erweckt beim Gegenüber sprachlich oft durchaus verständlichen Zweifel. Wer will schon gerne in die Knie und damit am Hang K.O. gehen? Nur äußerst devote Naturen finden Gefallen daran, sich in die Knie zu zwingen oder gar zwingen zu lassen. Was aber noch viel entscheidender ist: abseits von möglichen negativen Sprach-Assoziationen, ist die Handlungsanweisung in die Knie zu gehen zu wenig präzise und deshalb schlicht unbrauchbar.

Wenn der Skilehrer zum wiederholten Mal schon leicht genervt fordert: „mehr in die Knie gehen!“ meint er eigentlich, dass sein Schüler, himmelhergottnachmal, das Gewicht endlich von der Ferse auf die Fußballen verlagern sollte. Und der ebenso genervte Ski-Eleve bemüht sich nach seinem besten Wissen, die Knie noch mehr zu beugen. Der Hintern streift schon beinahe das Skiende und spätestens jetzt müsste dem Experten klar werden, dass die Kommunikation und nicht der patscherte Schüler das Problem ist.

Aha. Er lenkt ein: „Beug‘ das Sprunggelenk!“ Leider hat man aber in der brettelpädagogischen Ausbildung darauf vergessen, explizit darauf hinzuweisen, dass das Sprunggelenk in zwei Richtungen gebeugt werden kann. So endet auch dieser gut gemeinte Tipp bisweilen im Desaster. Die Zehennägel schon ganz blau, das Gewicht noch mehr auf der Ferse. Skifahren kann für Schüler und Lehrer echt mühsam sein.

Kopf hoch!

Besonders schwierig sind schwammige Handlungsanweisungen für „Kopfmenschen“. Von ihnen wird verlangt, den Kopf abzuschalten und einfach aus dem Bauch heraus zu fahren. Ein Mensch mit überdurchschnittlichem intellektuellen Leistungsvermögen, steht dann vor der Skikurs-Gruppe oft saublöd da. Und wenn er es auch nicht zugibt, dem Skilehrer, der mangels biomechanischer Grundausbildung selbst oft unsicher ist, tut es oft ganz gut, wenn ein „echter Professor“ vor ihm sprichwörtlich in die Knie geht.

An dieser Stelle möchte ich für die Denker-Naturen unter den Skilernwilligen Partei ergreifen. Jemand der Skifahren vermitteln will, sollte nachdenkliche Naturen nicht vor den Kopf stoßen. Wenn Erklärungen über Ursache und Wirkung gewünscht werden, sollte man sie selbstverständlich so präzise wie möglich liefern können. Die Form in der ich Skifahren vermitteln will, setzt bei den Teilnehmern durchaus eine Bereitschaft zum Denken voraus. „Nur wenn ich weiss was ich tue, kann ich tun was ich will!“ Es geht darum, die dem Lernenden erscheinenden Muster möglichst schnell seiner Erfahrung und der aktuellen Situation gemäß zu adaptieren.

Bekommt ein Mensch der intellektuell orientiert ist, keine oder gar widersprüchliche Informationen, beginnt er zu grübeln, Gedanken zu wälzen und persönliche Analogien aufzubauen. Das ist fürs Optimieren von Bewegung kontraproduktiv. Es unterscheidet sich nämlich von selbstständig auffassendem aktuellem Denken, das meist wortlos funktioniert. Genau dieses müssen wir aber als Pädagogen mit allen Mitteln fördern, damit die „Kopf-Skifahrer“ von ihren gewohnten Gedanken, die sie meist auch treiben, nicht zu viel bevormundet werden.

PS – damit man besser in die Knie gehen kann, braucht es selbstverständlich die passenden Skischuhe!