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Körperspannung

Der Ausdruck Körperspannung im Zusammenhang mit Skifahren, erlebt einen regelrechten Boom. Sportärzte, Skilehrpläne, Trainer und Rennläufer sprechen seit geraumer Zeit davon, dass die Körperspannung fürs Skifahren ein zentraler Faktor sei. Doch viele wissen eigentlich gar nicht so genau was hinter diesem Begriff steckt. Der Versuch, dem Körper mehr Spannung zu geben endet oft in Verspannung und Ratlosigkeit.

Was ist Körperspannung?
Körperspannung, richtiger weise müsste man eigentlich von Muskelspannung sprechen, ist in erster Linie dann wichtig, wenn man sich in einer instabilen Situation befindet und auch, wenn man den Körper gegen Schläge und Aufprall schützen muss. Wasserspringen, Balancieren, Klettern, Geräte-Turnen und Akrobatik sind Sportarten bei denen gezielte Erzeugung von Muskelanspannung rund um Gelenke und die Körpermitte unabdingbar ist. Beim Skifahren haben wir allerdings einen großen Vorteil – wir können auch die Umgebungskräfte nutzen um uns auszubalancieren.

Für jede harmonische Bewegung ist es zweckmäßig dass man Muskeln nur anspannt wo und wann es nötig ist. Im Verlauf einer Bewegung verändern sich sowohl die benutzten Muskelgruppen als auch die Aktivität innerhalb der zusammengehörigen Anatgonisten und Agonisten. Bei Zielbewegungen ist die erste Aktivitätsphase des Agonisten mit der Beschleunigung assoziiert, die Aktivität des Antagonisten mit der Bremsung, und die zweite Aktivitätsphase des Agonisten dient der Gelenkversteifung, durch die mechanisch verursachte Schwingungen gedämpft werden.

Die Fähigkeit, An- und Entspannung fließend ineinander übergehen zu lassen ist entscheidend für gut koordinierte Bewegungen. Koaktiviert man Antagonist und Agonist in einem nicht zweckmäßigen Ausmaß und zum falschen Zeitpunkt, führt das zu steifen und unkoordinierten Bewegungen.

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Irrtümer
Viele Skilehrer und Trainer gehen davon aus, dass Rumpfspannung die optimale Kraftübertragung vom Körper auf die Ski fördert. Das stimmt nur zum Teil. Voraussetzung für optimale Kraftübertragung ist , dass sie nirgendwo (im Körper) unterbrochen wird. Die beim Skifahren sehr großen auftretenden Kräfte, nutzt und bewältigt man am besten durch Hebel (von den starken Teilen) des Skeletts, die man durch gezielte An- und Entspannung von Muskeln unterstützt. Es kann sich fatal auswirken, wenn die gesamte Rumpfmuskulatur ständig angespannt wird. Das wirkt sich auf die Atmung und vor allem auf die feine Zwischenrippenmuskulatur aus. Ohne Beweglichkeit der Rippen und des Brustkorbs, verkrampfen sich unweigerlich auch Nacken- und Schulterbereich bis in die Arme. Eine fliessende Bewegung wird schwer bis unmöglich.

Manche Skifahrer meinen mit einer erhöhten Körperspannung besser auf äußere Begebenheiten reagieren zu können. Schlechte Sicht etwa oder zerfahrener Schnee, verleiten sie dazu die Muskeln mehr anzuspannen. Ganz abgesehen davon, dass sich viele Menschen bei widrigen Bedingungen sowieso unsicher fühlen und verkrampfen, bewirkt hier ein bewusst erhöhter Muskel-Tonus genau das Gegenteil. Auf unvorhergesehene Situationen und Hindernisse kann man nur mit Bewegung reagieren. Bewegung heißt, dass Muskeln angespannt werden müssen. Angespannte Muskeln können aber nicht mehr angespannt werden und somit kann man auch keine entsprechende Ausgleichsbewegung machen.

Die Art und Weise der Erzeugung von Körperspannung beim Skifahren ist situationsabhängig. Die Handlungsanweisung „Körperspannung erhöhen!“ kann vom Lernenden  kaum umgesetzt werden. Missverständnisse und Ratlosigkeit sind ebenso wie Verkrampfung und Versteifung vorprogrammiert.

* urassn = verschwenden, übertreiben