Gehen. Die Basis fürs Fahren.

Viele sprechen von der zentralen Position beim Skifahren, die eigentlich ein alter Hut ist. Gut ausbalanciert zu fahren, ist das Normalste um sicher und effizient am Schnee zu gleiten. Skifahren funktioniert durch Verlassen und Wiedererlangen des Gleichgewichts, genau wie das Gehen.

Unzeckmässige Muster entstehen oft durch ineffiziente Gangbilder

Man könnte also sagen, dass ein ausgewogener, harmonischer Gang, die wichtigste Grundlage fürs Skifahren ist. Bei Erwachsenen ist der Bewegungsablauf des Gehens so stark automatisiert, dass ihnen ihre, im Lauf der Zeit erworbenen, oft unzweckmäßigen Muster gar nicht bewusst sind. Wer aber mit schwierigen Gang-Mustern unterwegs ist, hat wenig Chancen, die für ihn zweckmäßigste Bewegungsbasis auf Skis zu finden.

„Feldforschung“ in der Fußgängerzone. Die meisten Passanten ziehen mit vorgeneigtem Kopf und Oberkörper vorüber. Sprichwörtlich. Die Beine werden vom Oberkörper nachgezogen. Manche watscheln dabei wie eine Kreuzung aus Ente und Kamel. Diese Art zu Gehen belastet die Gelenke. Ein natürlicher Gang sieht anders aus. Er wirkt harmonisch, locker, sicher und selbstbewusst. Der ganze Körper ist frei in seinen Bewegungen.

Ein schlechtes Gangbild wirkt sich auf den gesamten Organismus aus. Es gibt mannigfaltige Variationen in den persönlichen Geh-Stilen. Viele, die als ganz normal gelten, wären aber bei näherer Betrachtung korrekturbedürftig. Logischerweise nicht durch orthopädische Einlagen und künstliche Geh-Hilfen, sondern durch bewusstes wieder entdecken des natürlichen Gangs. Besonders wichtig in dieser Betrachtung sind die Füße.

Das natürliche Gangbild ist geradlinig.Der Fuß zeigt leicht nach außen und das Abrollen erfolgt mittig. Etwa 40% über die Großzehe.Die Schuhspitzen nutzen sich mittig ab und die Absätze außen.

Zeigen die Füße in Gehrichtung, wo auch die Nasenpitze hinzeigt? Oder bilden sie, wie bei einem Großteil der „zivilisierten“ Erwachsenen einen größeren Winkel zur Gehrichtung? Gangforscher nennen dafür viele Gründe. Von Windeln beim Gehen lernen bis zu verkürzter Oberschenkel-Muskulatur durch viel Sitzen. Den Stand und Gang mit nach Außen drehen der Füße, betrachtet man im allgemeinen als so normal, dass ein Skischuh-Hersteller sogar einen Schuh in „natürlicher V-Stellung“ auf den Markt brachte.

Wie wichtig die Fußstellung ist, lässt sich mit einem kleinen Gang-Experiment wahrnehmen. Einfach ein paar Meter in V-Stellung und danach mit den Füßen in Gehrichtung zurücklegen. Man kann sehr gut bemerken, dass der Kopf durch das Ausdrehen der Füße, im Verhältnis zum Rest des Körpers, nach vorne wandert. Wenn man bedenkt, dass der Kopf rund sieben Kilo wiegt, wird deutlich, dass es besser ist, ihn zu balancieren, statt seinen Zug nach vorne und durch die Schwerkraft auch nach unten, auszugleichen. Vom Nacken bis zu den kleinen Zehen, kann man so unnötigen Kraftaufwand und Verspannungen vermeiden.

Eine gerade Fußstellung, bedingt durch die Bindungsposition, ist beim Skifahren selbstverständlich. Abgesehen von Skischuhen, die der normalen Fehlstellung auf den Leib geschneidert sind. Und das ist gut so, denn beim Skifahren treten größere Kräfte als beim Gehen auf. Man könnte sagen, der Kopf wird noch schwerer und dadurch die Belastung auf den Körper noch größer.

Walking ist trendy. Barfuß und stocklos natürlicher.

Nun sind aber bei sehr vielen Menschen ineffiziente Bewegungen und Haltungen so verinnerlicht, dass sie viel Kraft aufwenden um diese auch auf den Ski zu bringen. Der sinnlose Kampf gegen die Gesetze der Physik beginnt oft mit Sohlenbrennen und endet nicht selten mit Knieschmerzen und Rückenverspannung. Der Ausweg wird meist im Krafttraining gesucht. Und damit beginnt ein Teufelskreis für die Gelenke und Bänder, die in unnatürlichen Stellungen noch mehr der Muskelkraft ausgesetzt sind.

Eine Umgewöhnung an effiziente Gangmuster wirkt nachhaltiger. Sie verlangt allerdings eine Zeit der stetigen Aufmerksamkeit auf den Gang und die Bereitschaft möglichst viel und wenn möglich Barfuß zu gehen.