Die starke Muskulatur

Die Muskulatur I

Endlich Sommer! Und mit ihm taucht sie verstärkt auf. Die immer wiederkehrende Fitness-Frage. Wie kann ich am besten meine Muskeln trainieren? Schelm wer da denkt, es ginge vielen nur darum eine gute Figur am Strand zu machen. Obwohl. Mucki-Buden versprechen den Waschbrettbauch, Wunder-Diäten gibt es wie Sand am Meer und Schönheitschirurgen wetzen beständig ihre Messer … Der menschliche Körper in seiner äußeren Erscheinung kann sich über mangelndes Interesse nicht beklagen.

Aber wo bleibt in Zeiten des gesteigerten Körperkults die Innensicht des Körpers? Es scheint, dass sich tiefgehendes Körperbewusstsein oft nicht entsprechend dem Interesse am äußeren Erscheinungsbild, mitentwickelt hat. Sport bietet sich zwar an, den Körper in seiner Funktionalität besser kennenzulernen, doch viele Ansichten und Trainingsmethoden fördern die Fähigkeit mit dem eigenen Körper angemessen umzugehen nicht unbedingt. Das gilt besonders auch für das Muskeltraining.

Der Arzt Walter Packi entwickelte aus seinen Forschungen an der menschlichen Muskulatur die Biokinematik. Er stützt seine Therapie- und Trainingsansätze auf zivilisatorisch bedingte Einschränkungen der Bewegungsmuskulatur. Bewegungsarmut und die Einseitigkeit der Bewegungen sind demnach Ursache für viele Schmerzen und Krankheiten.

Für mich sind seine Publikationen, neben langjährigen eigenen Beobachtungen menschlicher Bewegung, besonders auch die Selbst-Erfahrung als Feldenkrais-Lernende, eine wichtige Inspiration, Bewegungslernen und Training stets aus ungewöhnlichen Perspektiven und dem gesamtheitlichen Zusammenhang zu betrachten und zu vermitteln.

Einseitige Dauerbelastung schadet!

Die Funktionalität des bipedalen menschlichen Körpers hat sich im Lauf von Jahrmillionen in der freien Natur unter vielfältigen und wechselnden Bedingungen entwickelt. Der Körper formte sich durch natürliche Bewegung symmetrisch und vielseitig. Einförmige Dauerbelastungen wie Schreibtischjobs oder Fließbandarbeit waren bislang in der Evolution nicht vorgesehen.

Bemerkenswert scheint in diesem Zusammenhang, dass sich uniforme Belastungs-Muster gerne im sogenannten Ausgleichssport fortsetzen. Eintöniges Joggen auf ebenem Untergrund oder gar am Laufband; Muskeltraining in Kraftmaschinen; Zirkeltraining und sich ständig wiederholende Übungsfolgen; die Fitness-Welle schien just am Ende des Industriezeitalters in Akkordarbeit aufzublühen.

kräftige Muskeln = kräftiger Organismus

So werden manche Teile des Körpers auch im Training einseitig belastet, andere Teile werden überhaupt nicht belastet. Dauerhaft einwirkenden oder fehlenden Belastungen passt sich der Körper dadurch an, dass er entsprechende Verstärkungen oder Veränderungen vornimmt. Das wirkt natürlich auch im positiven Sinn. Wer beispielsweise im Sommer mehr Barfuß geht, bekommt eine kräftigere Fußmuskulatur. Wo starke Muskeln sind, bilden sich auch stärkere Knochen, Sehnen und Bänder. Und letztendlich stellt sich der ganze Organismus auf die Veränderung der Füße ein.

Von außen kann man nichts ändern!

Es ist naiv anzunehmen, dass man den Körper durch äußerliche Anwendungen nachhaltig verändern kann. Massage, Stretching, Dehntechniken; Anwendungen mit Geräten, wie Elektrotherapie, Ultraschall und Lasertherapie bewirken im Körper keine strukturellen Veränderungen sondern höchstens vorübergehende Anpassungen und bestenfalls Linderung von Schmerzen. Wenn etwas den Körper in seinen inneren Strukturen ändern kann, dann ist dies ausschließlich der Körper selbst. Deshalb ist eine gut funktionierende Muskulatur wichtig.

ÜBERSICHT ZU DIESEM ARTIKEL
Seite 1   Natur, Körperkult & Bewegung
Seite 2   Kraft durch Struktur
Seite 3   Arbeitstraining contra Krafttraining
Seite 4   Der Muskel tut, was der Kopf sich vorstellt.
Seite 5   Neue Reizformen entdecken
Seite 6   Bewusstsein & Trainingseffekt

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Der Muskel tut das, was der Kopf sich vorstellt.