Aufbau der Muskulatur

Die Muskulatur II

Alle unsere Bewegungen gründen auf das Zusammenspiel von Nervensystem und Muskulatur. Egal, ob beim Mausklick oder einem 70 m Sprung über die Mausefalle.

Jeder Muskel beziehungsweise jede Muskelgruppe hat, verbunden durch Sehnen oder Fascien, zwei oder mehrere Ansatzpunkte an den zu bewegenden Knochen. Wenn wir zum Beispiel den Unterarm anwinkeln, zieht sich der große Bizeps zusammen. An seinen Enden ist er auf der einen Seite am Schulter-, auf der anderen Seite am Unterarmknochen angewachsen. Kontrahiert sich der Muskel, so bewegen sich diese Ansatzpunkte aufeinander zu. Das dazwischen liegende Gelenk wird gebeugt. Gleichzeitig muss der entgegengesetzt arbeitende Streckmuskel – in diesem Fall der Trizeps – entspannt werden.

Ein Skelettmuskel besteht aus Muskelfasern, die bis zu 15 cm lang sein können (im Schneidermuskel des Oberschenkels sogar bis zu 30 oder gar 40 cm) und außen von Bindegewebe, der Faszie, umhüllt sind. Ein Skelett-Muskel ist in seiner Gesamtheit von Bindegewebe umgeben, von dem sogenannte Septen in das Innere ziehen, und sowohl die einzelnen Muskelfasern umhüllen als auch als Gruppen von Muskelfasern zu Muskelfaserbündeln zusammenfassen.

Muskel-Baumeister Eiweiß

Im molekularen Bereich ist der Muskel aus Eiweißmolekülen aufgebaut. Sie bilden Filamente, die stets die gleiche Länge aufweisen. Die Gleitfilament-Theorie besagt, dass sich die Moleküle wie bei einem Teleskop ineinander schieben und dabei Kraft produzieren können. Die absolute Anzahl von hintereinander geschalteten „Teleskop“-Molekülen bestimmt die maximale Bewegungslänge. Es gibt keine Möglichkeit diese Moleküle länger oder kürzer zu machen. Soll der Bewegungsumfang eines Muskels vergrößert werden, dann müssen zusätzlich AktinMyosin Moleküle in Serie eingebaut werden.

Die Gleitfilamenttheorie gilt zwar noch nicht als vollständig bewiesen. Praktische Umsetzungen in der Therapie versprechen aber bahnbrechende neue Ansätze für das Muskeltraining.

ÜBERSICHT ZU DIESEM ARTIKEL
Seite 1   Natur, Körperkult & Bewegung
Seite 2   Kraft durch Struktur
Seite 3   Arbeitstraining contra Krafttraining
Seite 4   Der Muskel tut, was der Kopf sich vorstellt.
Seite 5   Neue Reizformen entdecken
Seite 6   Bewusstsein & Trainingseffekt

Seite 2/6