Muskelprotz contra Kraft

Die Muskulatur III

Kraft bezeichnet allgemein die Fähigkeit des Nerv-Muskel-Systems, durch Muskelkontraktion Widerstände zu überwinden, ihnen entgegenzuwirken oder sie zu halten. Ein Muskel hat stets eine Doppelfunktion. Er kann Kraft produzieren und bewegen.

Die verfügbare Kraft eines Muskels ist bezüglich seiner Bewegungslänge nicht gleichmäßig verteilt. Bei mittlerer Länge hat der Muskel die meiste Kraft. Bei voller Aufdehnung oder voller Verkürzung geht die Kraft auf ein Minimum zurück. Ein Muskel kann Arbeit verrichten. Deshalb ist sinnvolles Muskeltraining Arbeitstraining und nicht Krafttraining. Zur Arbeit gehört Kraft und Weg gleichermaßen.

Muskeltraining = Arbeitstraining

Die theoretische Grundlage jedes Trainings ist der Umstand, dass der Körper danach trachtet, sich möglichst ökonomisch an Beanspruchungen anzupassen. Wird er durch erhöhte Kraftbelastungen beansprucht, so passt er sich an, indem er über Veränderungen im Kreislauf- und Zentralnervensystem sowie im Bewegungsapparat (Knochen, Sehnen und Muskeln) seine Fähigkeit zur Kraftentfaltung steigert.

Protz Muskulatur ist zwecklos!

Sowohl Bewegungsumfang wie Kraft sind beim Muskel variabel. Durch Muskeltraining kann die Bewegungsamplitude ebenso wie die Muskelkraft verändert werden. Wenn beim Training nur darauf abgezielt wird die Kraft eines Muskels zu vergrößern, bzw. nur auf die Steigerung des Muskelquerschnitts Wert gelegt wird und dabei die Weglänge desselben Muskels verringert wird, dann ist seine Arbeitsfähigkeit, womöglich schlechter als zuvor.

 

Muskelberge bedeuten nicht zwangsläufig mehr Kraft. Badehosenbodybuilder können oft nur erstaunlich wenig Gewicht bewegen. Die Steigerung der Arbeitsfähigkeit eines Muskels erfordert Reize die gleichzeitig Massetraining und Längentraining beinhalten.

Um die Kraft eines Muskels zu steigern, muss die Anzahl der Kraftelemente, der Aktin-Myosin-Moleküle, vergrößert werden. Die Muskelmasse wird vergrößert. Beim Muskelmassetraining besteht die Möglichkeit, die neuen Moleküle parallel oder seriell einzubauen. Im ersten Fall wird der Muskel dicker, im zweiten Fall wird der Muskel länger.

ÜBERSICHT ZU DIESEM ARTIKEL
Seite 1   Natur, Körperkult & Bewegung
Seite 2   Kraft durch Struktur
Seite 3   Arbeitstraining contra Krafttraining
Seite 4   Der Muskel tut, was der Kopf sich vorstellt.
Seite 5   Neue Reizformen entdecken
Seite 6   Bewusstsein & Trainingseffekt

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