Sommer Skifahren

Der rasante Rückgang der alpinen Gletscher zwingt  immer mehr Liftbetreiber zur Sommerskipause. Waren in den 1990er Jahren in den Alpen noch rund 40 Gletscher ganzjährig auf Skibetrieb eingestellt, ist die Auswahl des heurigen Sommers auf ein paar wenige Gebiete beschränkt.

In den 1960er Jahren träumten viele Touristiker hochgelegener Alpentäler vom ganzjährigen Ski-Tourismus. Sommer Skifahren kam richtig in Mode. Gletscher wurden erschlossen und nicht nur von Rennläufern zu Trainingszwecken gern besucht. Da und dort tummelten sich sogar sonnenhungrige Bikini-Skihasen im ewigen Firn.

Entwicklung des Gletscherskilaufs in Österreich
1966 wurde auf dem Kitzsteinhorn das erste Ganzjahreskigebiet Österreichs eröffnet. 1990 waren bereits Gletschergebiete mit einer Gesamtfläche von 1560 ha erschlossen worden. In Österreich gibt es 9 Gletscherskigebiete, die jährlich von mehreren Millionen Skifahrern besucht werden. An Spitzen-Tagen zählt man in den großen Gebieten, wie Stubaital oder Hintertux bis zu 11.000 Skifahrer täglich.

Massenaufkommen sorgt für überfüllte Sickergruben
Der Massenandrang begann in den 1970er Jahren und mit ihm tauchten auch Probleme in den hochalpinen Ski-Systemen auf. In den Jahren 1982 und 1983 kam es besispielsweise zu starken Wasser Verschmutzungen der Halstätter Trinkwasser-Ressourcen durch die Gastronomie-Betriebe am Dachstein-Gletscher. Mehr oder weniger in allen Gebieten war man auf das gesteigerte Abwasser Aufkommen nicht eingestellt. Fast überall mussten neu entwickelte Lift-Verankerungs-Systeme entwickelt werden, um nicht ganze Anlagen davon fließen zu lassen. Denn Alpen-Gletscher bewegen sich ständig talwärts, immerhin mit 30 bis 150 m pro Jahr.

Mit Beschneiungsanlagen gegen Gletscherschmelzen
Die Probleme mit der Infrastruktur hat man seit geraumer Zeit bestens im Griff. Spätestens aber seit der Jahrtausendwende ist man sich einer echten Hürde bewusst geworden. Dem ständigen Rückzug der Gletscher. Obwohl es bereits Schneeanlagen in den höchsten Regionen gibt und mit allerlei Tricks, der Schnee vor dem Schmelzen bewahrt werden soll, müssen immer mehr Gletscherbahnen den Sommer-Skibetrieb einstellen. Dort wo früher genussvolle Firn-Schwünge gezogen wurden apert in den Sommermonaten die subglaziale Geröllwüste aus.

Die letzten Gletscher-Mohikaner in den Alpen
So haben in der Schweiz bereits alle Gebiete bis auf Zermatt und Saas Fee den Sommerbetrieb mehr oder weniger aufgegeben. In Österreich sieht es wegen der geringeren Höhenlage der Ostalpen noch schlechter aus. Bereits  2010 konnte in den heissesten Monaten nur mehr am Tuxer-Gletscher beschränkt Ski gefahren werden. Wer im heurigen Sommer durchhalten wird steht noch nicht fest.

Geöffnete Gletscherskigebiete – Stand 1. Juni 2011

Österreich hat im Moment die meisten offenen Skigebiete in den Alpen

Die Schneehöhen werden von den meisten mit bis zu zwei Metern angegeben. Am 28. Mai gab es in Österreich noch einmal Neuschnee. Der Tuxer-Gletscher hat derzeit 45 Kilometer Skipiste geöffnet.

Schweiz

Italien

Frankreich

Dramatische Gletscherschmelze
In den 1970er Jahren gab es in den Alpen etwa 5.150 Gletscher, die eine Fläche von 2.903 km² bedeckten (davon 1342 km² in der Schweiz, 602 km² in Italien, 542 km² in Österreich und 417 km² in Frankreich). Eine Studie über die Entwicklung dieser Gletscher in den Alpen seit 1850 kommt zu dem Ergebnis, dass bis 1970 bereits 35 % der ursprünglich vorhandenen Gletscherfläche verschwunden war und dass sich dieser Schwund bis 2000 auf annähernd 50 % vergrößert hat. Das bedeutet, dass bereits die Hälfte der ehemals von Gletschern bedeckten Fläche durch den Rückgang des Eises freigelegt worden ist.

„Glocknerleitl“ 1863 u. 2007 – by Gustav Jägermayer WikiCommons GNU Lizenz

Der Große Aletschgletscher, der mit einer Länge von 22,9 km der längste Gletscher der Alpen ist, hat sich seit 1870 um knapp 2.800 m zurückgezogen. Seine Rückzugsgeschwindigkeit hat sich ebenfalls erhöht. Seit 1980 sind 965 m geschmolzen. Allein 2006 büßte er fast 115 m an Länge ein – 2007 waren es etwa 32m. Quelle Wikipedia

Eine sehr interessante Dokumentation der Entwicklung des Skigebiets am Stilfserjoch bietet die Website retrofutur.org