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Die Aspen Diät

Der Berg geht Skifahrern an den Speck. Das Bauchgefühl ist nun endlich wissenschaftlich belegt. Bergmedizinische Studien zeigen, dass die Fettverbrennung im menschlichen Organismus mit den Höhenmetern zunimmt!

Diese bahnbrechende Erkenntnis, wurde in einer Untersuchung von Höhenbergsteigern am Muztagh Ata – 7546 m und am Pik Lenin – 7134 m gewonnen und am Höhenmedizin-Weltkongress 2010 präsentiert. Ein Forscher-Team unter der Leitung von Professor Andreas Huber vom Zentrum für Labormedizin des Kantonsspitals Aarau, konnte mit aufwendigen Blutanalysen ein umfassendes Bild der Stoffwechselveränderungen in grosser Höhe zeichnen. Den Probanden, 30 schweizer Bergsteigern, wurde vor, während und nach dem Aufstieg regelmäßig Blut entnommen.

Wenig Sauerstoff, trotzdem Fett Verbrennung
Je höher die Testpersonen aufstiegen, desto mehr Fett wurde von ihren Körpern verbrannt. Der Kohlehydrat Verbrauch blieb, anders als bisher angenommen, gleich. Diese Erkenntnis ist für Wissenschaftler und interessierte Ernährungslaien sehr überraschend. Aus dem Sport ist ja hinlänglich bekannt, dass der Körper bei Sauerstoffmangel auf Energiegewinnung aus Kohlehydraten zurückgreift, da sie zur Verbrennung weniger Sauerstoff als Fett benötigen. Doch Sauerstoff wird mit zunehmender Höhe knapp. Auf 5500 m Höhe beträgt die Sauerstoffdichte der Luft nur mehr 50 % des Wertes auf Meereshöhe.

Fettspeicher als Überlebensmittel
Warum der Organismus in großen Höhenlagen Fett als Energielieferant bevorzugt und so paradoxerweise Sauerstoff verschwendet, konnten die Forschenden bislang nicht belegen. Sie vermuten jedoch, dass der Körper aufgrund des Ausnahmezustandes eine normale Energieaufnahme als nicht mehr möglich erachtet und im Stress auf Überleben und die Verbrennung von Fettreserven schaltet.

Schlankheitskur am Gletscher
Eine Studie unter weit weniger extremen Bedingungen weist Parallelen auf. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München, haben die Auswirkungen von Höhenluft auf den Stoffwechsel auf der Zugspitze in 2.600 m Seehöhe untersucht. 20 übergewichtige Männer verbrachten eine Woche in der Forschungsstation Schneefernerhaus. Die Probanden durften sich dabei nicht mehr bewegen als üblich. Mit Hilfe eines Schrittzählers wurde das genau kontrolliert. Und jeder Teilnehmer durfte essen was und wie viel er wollte. Erstaunliches Ergebnis: Gewichtsreduktion nach einer Woche durchschnittlich 1,5 Kilogramm!

Bauchgefühl – sprichwörtlich
Mich persönlich verblüffen die Resultate nicht besonders, obwohl ich noch nicht am Dach der Welt unterwegs war. Bemerkenswerten Gusto kenne ich einfach vom Skifahren. Jetzt darf ich es endlich zugeben. Schon beim Gletscher-Training in meiner Rennläuferzeit umging ich die Kohlehydrat-Akribie mancher Trainer mit einem Stück Speck und Bergkas aus Vollrahm im Gepäck. Ein Butterbrot schmeckt mir am Berg nach wie vor besonders gut.

Die Aspen Diät

Ich kann mir nun auch erklären, warum mir in den Rockies nach dem Skifahren die Spareribs so besonders ans Herz gewachsen sind. Gut erinnere  ich mich an die Freude meiner Großmutter über meinen „gesunden Appetit“ wie ich als Neunjährige von einem längeren Ski-Aufenthalt mit viel Demo-Training für den Interski-Kongress aus Aspen ins Zillertal heimkam. Es überfiel mich ein regelrechter Heißhunger nach Butter und Speck. Als kleines Mädchen habe ich damals eine Woche lang gespachtelt wie ein Holzknecht und bin dabei immer dünner geworden. Ob Skifahren in großer Höhe nicht nur Fettreserven aufzehren könnte, sondern sogar so etwas wie Nachverbrennung mit sich zieht? Probieren geht über Studieren. Wir sehen uns am Gletscher!