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SkiFahrgestell – Skelett

Unser Körper ist unser Fortbewegungsmittel. Auch wenn wir mit Skis an den Füßen unterwegs sind. Jedes Fortbewegungsmittel sollte möglichst so benutzt werden, wie es vom Entwickler konstruiert wurde. Logisch! Kaum jemand würde auf die Idee kommen, im Rückwärtsgang über die Autobahn zu rasen … Werfen wir an dieser Stelle einen Blick auf das SkiFahrgestell.

In S-Form
Je nach Umweltbedingungen, die sich im Verlauf der Evolution verändert haben, sind auch Anpassungen am Skelett erfolgt, die dem bestmöglichen Überleben der Spezies dienen. Schneehasen brauchen Beine mit ausgeprägter Sprungfunktion um sich im tiefen Schnee zu bewegen. Affen brauchen Greiffüße um gewandt im Geäst der Bäume zu agieren. Menschen haben eine S-Form der Wirbelsäule, damit der Schwerpunkt im Becken liegt und so aufrecht Gehen und Stehen möglich ist.

Form follows Function
Fast niemand hat aber eine perfekt ausgerichtete Wirbelsäule. Der Ursprung des Problems ist selten strukturell sondern meistens funktionell. Struktur [Skelett] wird verformt von Funktion [Muskelzug]! Probleme treten nicht dadurch auf wie wir gebaut sind sondern wie wir uns gebrauchen. Über gute Haltung wird viel gesprochen. Bauch rein, Brust raus! Das mag zwar mit der Erfüllung einer ästhetischen Vorgabe zu tun haben. Funktional gesehen bedeutet gute Haltung aber, dass unser Skelett die Stützfunktion übernimmt, damit die Muskeln frei zur Bewegung sind. Im Skijargon spricht man von „Skeletal Stacking“.

Die alpine Fehlhaltung
Die Beachtung der Stützfunktion des Skeletts gerät im Zusammenhang mit dem Skifahren oft ins Hintertreffen. Das ist fatal. Denn beim Skifahren können Kräfte auftreten, die für den Körper wesentlich mehr Belastung als „normales“ Gehen bringen und die Gelenke dramatisch schädigen können. Doch die allgemeine Lehrmeinung erhebt immer noch „die alpine Grundhaltung“ zum Credo. Die Ausgangsposition des Skifahrers wird in vielen Lehrplänen mit gebeugtem Sprung-, Knie- Hüftgelenk und Vorlage des Oberkörpers vorgeschrieben. Besonders für Anfänger, die sich in diesem Haltungsbild festkrallen, ist die alpine Grundhaltung eine unnötige Hürde. Muskeln müssen unnötigerweise Stütz- und Haltefunktionen übernehmen, die dem Skelett zufallen sollten. Das ermüdet und schränkt die Bewegungsfreiheit drastisch ein.

Die guten ins Töpfchen …
Betrachtet man den Körper als dynamisches, funktionales Gefüge, ist es ohnehin kontraproduktiv nach irgendeinem Schema Haltung einzunehmen. Es geht darum sich auch auf Skis anatomisch richtig zu bewegen. Wer sich natürlich bewegt, findet automatisch sein Gleichgewicht. Doch was ist natürlich? Wir haben Gewohnheiten und bewegen uns in eingeschliffenen Mustern, die wir natürlich finden. Dadurch entsteht die Tendenz, individuell vorhandene Stärken weiterzuentwickeln und manche Körperregionen beziehungsweise Bewegungsmöglichkeiten zu vernachlässigen in dem wir sie kompensieren.

Kommen wirklich nur die Harten durch?
Diese Frage ist vor allem für sehr versierte und gut trainierte Skifahrer, wie auch Rennfahrer interessant. Spätestens wenn an einem Punkt nichts mehr weiter geht oder gar Rückschritte passieren. Moshe Feldenkrais hat einmal gesagt, wer sich vor allem auf seine Willenskraft verlässt, wird hauptsächlich seine Fähigkeit entwickeln, sich anzustrengen, und sich daran gewöhnen, sehr viel Kraft für Handlungen zu brauchen, die er ebenso mit viel weniger, aber richtig gesteuerter und dosierter Kraft ausführen könnte. Dem könnte noch hinzugefügt werden, dass jeder Muskel, der Stütz- und Haltekraft an das Skelett abgeben kann, frei für feine und harmonische Steuerungsbewegungen wird. Der Vergleich zum Autofahren mit und ohne angezogener Handbremse könnte einigermaßen passen.

Bode Miller zeigt wie das Skelett beim Skifahren eingesetzt werden kann

Fassen wir zusammen. Das Skelett und nicht die Muskulatur ist der Indikator für die äußersten Grenzen der Beweglichkeit. Unzweckmäßige Muskelanspannungen schränken den Menschen in den Möglichkeiten der Bewegung, die das Skelett zuließe, ein. Wir können noch so viel mühsame Zeit in Kraftkammern auf uns nehmen, wenn die Muskelspannung nicht genau auf das Konzept, das das Skelett vorgibt abgestimmt ist.

Die funktionale Skilehre der Kurvenschule zielt nicht darauf ab eine Handlung durch eine andere zu ersetzen. Es geht primär um die Veränderung der Ausführung einer Bewegung.

Facts
Das Skelett eines erwachsenen Menschen besteht aus 206 bis 214 Knochen, sein Anteil am Körpergewicht liegt bei etwa 12 Prozent. Das Skelett ist eine Stützstruktur im Inneren des Körpers und wird in einen axialen und einen Extremitätenteil unterschieden. Es braucht mehrere Jahre bis es vollständig entwickelt ist. Während der Oberarmknochen bereits im Mutterleib verknöchert, ist das gesamte Skelett erst um das 20. Lebensjahr herum vollständig entwickelt. Das menschliche Skelett gliedert sich in die Knochen des Stammes und der Extremitäten. Das Stammskelett umfasst die Knochen des Kopfes und des Rumpfes, während das Skelett der Extremitäten aus den Knochen des Schulter- und Beckengürtels und denen der freien Teile der oberen und unteren Extremität besteht.