Die digitale Spur

Die Etablierung der Social-Media Plattform Google+ entfacht die Diskussion um die Privatsphäre im Internet mit neuem Brennstoff. Als Thema Nummer 1 kreisen zur Zeit die Gedanken und Gespräche um die Wahrung der Anonymität der Nutzer.  Auf G+ können nur reale Menschen mit realen Namen, sogenannten Klarnamen, kommunizieren. Anders als andere Anbieter, wie beispielsweise Faceebook, ist Google strikt auf die Einhaltung der Real-Names bedacht. Als Pisten-Arbeiterin im Internet lässt auch mich die Sache nicht kalt.

Ski Logbuch
Der Web-Dienst  Skiline.cc bietet Skifahrern an, persönliche Daten eines Skitages auszuwerten. Skigebiete, die sich am Skiline Programm beteiligen, ermöglichen es, anhand der elektronischen Lift-Tickets ein Ski-Logbuch zu erstellen. Man braucht dazu lediglich seine Ticket-Nummer einzugeben und erhält per Klick seine persönliche Skispur. Höhenmeter, Pistenkilometer und benutzte Aufstiegshilfen werden exakt in einer Timeline dargestellt. Und weil Statistiken umso spannender sind, je mehr sie vergleichen, gibt es natürlich auch die Möglichkeit seine Daten zu veröffentlichen und sich an anderen zu messen.

Elektronische Bergwacht
Soweit so gut. Wer sich gerne an der Quantität orientiert, kann dem digitalen Ski-Logbuch bestimmt einiges abgewinnen. Auch selbst entscheiden ob er der Öffentlichkeit mitteilen will, wann er wo wieviel gefahren ist. Ein anderer mag lieber schweigsam die Qualität seiner Schwünge genießen. Fakt ist, dass sowohl die Daten des Höhenmeter-Fressers als auch des Genießers aufgezeichnet und zum Teil sogar aus wirtschaftlichen Zwecken für Dritte verfügbar gemacht werden. An diesem Beispiel sieht man, dass die digitale Identität des Individuums weit über die Grenzen des Internets hinausreichen kann. Womit wir beim eigentlichen Thema, Privatsphäre, angelangt wären. Ein Thema das zwischen Big-Brother Phobien und völlig unkritischer Weitergabe persönlicher Informationen alle Nuancen spielt

Privatsphäre ist kein Fixwert
Ja das Leben, nicht nur im Web, sondern an sich, ist nicht schwarz-weiß. Wir könnten deshalb den Fall ja auch versuchsweise einmal optimistisch, zumindest realistisch angehen. Fakt ist, Privatsphäre definiert sich eindeutig anders als vor ein paar Jahren. Wenn sich jemand heute neu bei Facebook anmeldet, dann kennt Facebook ihn wahrscheinlich schon. Aus den Daten der Nutzer, die ihr Adressbuch für den Dienst öffneten. Möglich, sogar wahrscheinlich ist es so, dass es vielen Menschen spätestens in ein paar Jahren suspekt erscheint, wenn sie über eine Person gar nichts im Internet finden.

Spuren, nicht nur im Schnee
Wenn wir uns bewusst sind, dass jeder Internetzugriff Spuren hinterlässt und diese auch gespeichert werden, könnten wir gezielt Anonymisierungsdienste und verschiedene Identitäten nutzen. Wir könnten auch Skilifte meiden und nur mehr mit Fellen aufsteigen um zu verhindern, dass unsere Skidaten mitgeloggt werden. Und vielleicht suggeriert es uns, dass wir wieder unsere Ruhe haben, wenn ein Anbieter auf unsere Bedenken reagiert. Doch die Ruhe ist nur ein Trugbild. Je mehr Menschen sich am Austausch von Informationen und besonders an der Kommunikation im Internet beteiligen, desto engmaschiger wird das Netz.

Transparenz und Offenheit könnten helfen
Wir könnten andererseits aber auch bewusst unsere digitale Identität gestalten, indem wir uns offen präsentieren und den persönlichen Knoten im Netz gut verankern. Daten, die ohnehin jeder im Web finden kann, auf einer Visitenkarte, wie beispielsweise dem Google+ Profil, an prominenter Stelle in der Suchmaschine bündeln. So kann sich jeder der nach einem sucht, ein rasches Bild machen. Und dieses Bild, das wir selbst gestalten, hat auch viel mehr mit dem Image zu tun, das uns selbst zusagt. Egal ob wir Höhenmeter oder Schwungqualität unterstreichen.

Auf Mißtrauen lassen sich keine Beziehungen aufbauen.
Mir gefällt deshalb der momentane Status auf Goggle+. Nicht zuletzt weil ich überzeugt bin, dass sich hinter Pseudonymen nicht nur vorsichtige Menschen verbergen, sondern leicht auch jede Menge Unsinn und sogar Kriminelles.

2 Antworten
  1. eaglepowder
    eaglepowder says:

    Jeder soll seine Online-Identität so gestalten, wie er es mag. Anonym in Bezug auf Unsinn etc ist doch sowieso niemand, weil die eigentlich identität ja die IP Adresse ist.

    Auch Klarnamen sind letztendlich Schall und Rauch, weil sich jedermann und -frau eine Elke Mustermann Gmail Adresse besorgen kann, sich als Elke Mustermann bei G+ anmeldet und sich mit einem wunderbaren Klarnamen Account schmückt.

    Insoferne alles sehr relativ…

    Vielmehr interessiert mich die Frage, wann die ersten realen Spuren in den Tuxer Ferner gefurcht werden. Einige Nicks warten darauf, von Nic-ola in die hohe Kunst des Spurens eingeführt zu werden!

    Euer

    Adler Puder

  2. erwin
    erwin says:

    lieber adler puder,

    du hast natürlich wieder einmal recht – alles ist relativ.
    wahrscheinlich geht es darum, dass menschen und unternehmen (soon) ihren tatsächlichen namen _wenn sie es wollen_ auch wirklich „klar“ machen und sich entsprechend präsentieren können. manche menschliche identitäten sind im realen existent aber auch dort nicht „echt“.

    bzw: jetzt ist ordentlich schnee auf den bergen, also los!

    erwin

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