Lauschgift auf Skihütten

Achtung Klanglawinen!

Hüttenkracher oder so ähnlich titeln Après Ski Compilations. Sie sollen, laut Cover Werbung, sogar Gletscher zum schmelzen bringen. Sicher ist, dass die Hüttenmusik meist in Partnerschaft mit geschmalzenen Preisen für picksüss verpackten, hochprozentigen Fusel kracht. Und sicher ist auch, dass viele Skifahrer beim Einkehrschwung einen völlig anderen Gusto hätten. Aber irgendwie finden sie eben bei all dem Krach wenig Gehör.

Après-Ski in alpinen Skigebieten gehört für viele als fester Bestandteil zum Skiurlaub. Besonders in Österreich, das als Ursprungsland der Après Pisten gilt, erreicht das Angebot industrielle Dimensionen. Egal ob in Saalbach, St. Anton, Ischgl oder Sölden, den Hochburgen des alpinen Ballermanns, schon nach kurzem Aufenthalt in einem Aprés Ski Etablissement, ist der feine Nachklang des letzten Schwungs am Hang in der Billig-Beat Lawine verschüttet.

Ein DJ aus Sölden hat mir einmal anvertraut, dass es beim Après Ski Sound überhaupt nicht um Musik ginge, sondern lediglich darum, dem Durst der Massen auf Feigerl, Flügerl, Willi & Co so richtig einzuheizen. Es scheint so, als wäre die Alpen Ballermann Musik zum Pflichtprogramm in alpinen Gastronomie-Betrieben avanciert. Auch bei der Mittagsrast auf der sonnigen Terrasse kommt man den Auswüchsen einfallsloser Unterhaltungskultur oft nicht mehr aus. Und vermehrt benutzen die Ski-Alm Betreiber, die Beschallungs-Konserven sogar zur vermeintlich urigen Erheiterung wanderlustiger Sommerfrischler.

Kleine Textprobe – mitsingen auf eigene Gefahr!
„Wir schreien Affentuttendiddelgeil,
Ein Mega scharfes Ding,
A jeder ist halt super ist der King
Wir schreien Affentuttendiddelgeil,
Ein Mega scharfer Beat,
Wir tanzen, singen, feiern alle mit, alle mit.“

Wer den Prolo-Sound eher bärig als urig findet, findet aber auch Alternativen. Beispielsweise in den Dolomiten. Dort wurde vergangenen Winter bereits zum 14. Mal das „Dolomiti Ski Jazz“ veranstaltet. In etwas kleineren Dimensionen kamen im vergangenen Frühling Klassik Freunde im Jagdschloss Kühtai bei erlesenen Darbietungen im Rahmen der ersten Veranstaltung des Projekts Klangschnee auf ihre Kosten.

Wer auch im Sommer den Ruf der Berge hört, sollte sich unbedingt das Programm des Oberstdorfer Musiksommers ansehen. Unter dem Titel Länderspiele wird vom 28. Juli bis 18. August ein handverlesenes, multikulturelles Programm angeboten. Parallel zu Musik aus der Region erkundet die Entdeckerfreude länderspezifische Raritäten und klangliche Kostbarkeiten. Vielleicht, und an dieser Stelle klopfen wir leise bei den rührigen Musiksommer Organisatoren an, findet der eine oder andere Musiker ja auch einmal den „Muth“ zur Winterreise. Das würde uns freuen und wir stellen gerne auch Skibrillen zur Verfügung, damit der Schnee, der ins Gesicht fliegt, richtig lustvoll genossen werden kann! 😉

Verrate auch du uns deinen Platz zum gut hören!

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