Schnee-Flieger

Flugzeuge bohren beim Aufsteigen anständige Löcher in Wolken. Das weiß die Wissenschaft bereits seit rund 50 Jahren. Nun wurden Forschungsergebnisse rund um Wetter-Phänomene im Zusammenhang mit dem Wolken-Bohren verlautbart: Flugzeuge können Schnee erzeugen!

Erebusrev

Eine Forschergruppe unter der Leitung von Andrew Heymsfield am National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder (Colorado) hat Satellitenaufnahmen von durchbohrten Wolken untersucht und mit Wettervorhersage-Modellen berechnet, wie die Wolken sich nach dem Durchflug entwickelten. Laut Bericht sei dieser Effekt auf einen Radius von ungefähr 100 Kilometern um Flughäfen begrenzt und nur in nördlichen Breiten relevant. Durch einen Vergleich der Satelliten-Aufnahmen mit Daten der Flugbewegung konnten sogar die Schnee erzeugenden Flugzeugtypen ausgeforscht werden. Neben großen Passagier-Flugzeugen können auch kleine einstrahlige Jets und sogar Turboprops Wolkenlöcher aufreißen und somit Schnee erzeugen.

Moderne Wettermacher contra Schneehexen
Die unabsichtliche Schnee-Erzeugung basiert auf einem anderen Effekt wie beim sogenannten Cloud-Seeding. Hier soll Niederschlag durch Einstreuen von Partikeln in Wolken ausgelöst werden.  Beim Wolkenbohren spielt der von den Tragflächen erzeugte Unterdruck die maßgebliche Rolle. Durch ihn dehnt sich die Luft aus und wird abgekühlt.

Cloud Seeding by DooFi via Wikimedia

Schnee-Flieger

Ein Flugzeug, das eine Wolke mit unterkühltem Wasser, durchfliegt könnte durch diesen Effekt eine Abkühlung des Wassers um weitere 20 Grad hervorrufen. Ein ähnlicher Mechanismus kühlt auch die Luft an Propellern ab. Das auf minus 40 Grad Celsius und tiefer abgekühlte Wasser wird laut Heymsfield kristallisiert und fällt als Schnee. Der Beginn dieser Flockenbildung ist, wie bei natürlichem Schneefall, ein kleiner Partikel, der als Kristallisationskeim im eiskalten Medium dient.

Der Stoff aus dem die Skifahrer-Träume sind
Am Anfang sind die Eiskristalle nur einen Zehntel Millimeter groß. Doch die Schneekristalle saugen alles Wasser auf, das sich in ihrer Umgebung befindet. Wenn sie schließlich schwer genug geworden sind, beginnt der Fall. Kein Schneekristall gleicht dem anderen doch die Struktur ist allen gemeinsam. Die winkelige Struktur des Wasser-Moleküls bedingt die für Schneekristalle typische Sechseckform, die für die Qualität von Naturschnee so bedeutsam ist.

Ob sich die Schneimeister der Zukunft eines Luftgeschwaders bedienen und statt körnigem Maschinenschnee aus Kanonen, feine Flocken aus dem Himmel rieseln lassen? Wer weiß? Für Neuschnee-Kontroversen wäre jedenfalls gesorgt!

„Flights can inadvertently generate rain and snow near airports“ – NCAR News