Einfädler im Fokus von FIS Funktionären

Eingefädelt

Eingefädelt oder nicht? Das ist die Frage, die momentan die Ski-Gemüter erhitzt. Die Aufregung um Marcel Hirscher spitzt sich zu, seit bei der Krone eine anonyme SMS Stoff für eine brisante Geschichte gab. Videos sollen belegen, dass Hirscher bei seinen Siegen in Zagreb und Adelboden eingefädelt hat. Ob es sich dabei um ein Gerücht oder nackte Tatsachen handelt ist allerdings einerlei. 15 Minuten nach dem offiziellen Renn-Ende ist kein Protest mehr möglich und das Ergebnis unanfechtbar.

Wie im Nähkurs
Eingefädelt, nicht eingefädelt im ersten Lauf. Eindeutig eingefädelt im zweiten. Endgültig disqualifiziert wurde  Hirscher im Kitzbühler-Slalom. Trotz oder gerade wegen der Transparente seiner Fans? „Bitte nicht einfädeln!“ – könnte auch zum negativen Mantra geworden sein. Durchwegs negativ äußert sich die österreichische  Presse zum öffentlich ausgesprochenen Unmut Ivica Kostelic’s. Der Kroate fühlt sich um seinen heiß ersehnten Zagreb-Heimsieg betrogen, sieht aber auch die Grundregeln des fairen Wettkampfs verletzt.

Allmächtige FIS – Der Un-Freispruch
Eine Grundregel des fairen Wettkampfs hat bestimmt FIS Renndirektor Günther Hujara gebrochen. Dem Dogma der Unfehlbarkeit entsprechend, sprach er Hirscher und Neureuther von den Torfehlern in Zagreb und in Adelboden a posteriori frei. Das hätte er sich und der Ski-Welt besser erspart. Unnötig, weil reine Selbstdarstellung. Unangebracht, weil das Ergebnis ohnehin unabänderlich feststeht. Unfair, weil es die Athleten verwirrt und für Kontroversen sorgt, die die sportliche Performance stören. „To hook a gate“ heißt ein Einfädler auf Englisch. Hujara sollte also lieber mit seinen Alpin-Komitee Kollegen den Haken im eigenen Regelwerk suchen.

Der Torfehler
Mit der Torfehler-Regel entpuppt sich eine weitere FIS Regel als veraltet und schwierig im fairen Rennen. Bevor Kipp-Stangen eingeführt wurden war die Wettkampfordnung in Bezug auf Torfehler eindeutig und sinnvoll: Ein Tor ist korrekt durchfahren, wenn beide Skispitzen und beide Füße des Wettkämpfers die Torlinie überfahren haben. Die Torlinie beim Slalom ist die gedachte kürzeste Linie zwischen Drehstange und Außenstange. Wenn ein Wettkämpfer eine Stange aus ihrer vertikalen Stellung entfernt, bevor seine Füße und Skispitzen die Torlinie passiert haben, ist die Stellung der Füße und der Skispitzen des Wettkämpfers zum Originalzustand der Torlinie maßgebend.

Angestaubt
Diese Regel stammt noch aus der Zeit als Tore unbeugsame Pfosten waren und die Skis vorne spitz.  Sie hat auch heute noch durchaus Sinn. Wenn ein Läufer an einem Tor vorbeifährt oder -stürzt und zurück steigt. In laufender Fahrt ist es ohne Kippstangen mehr oder weniger unmöglich, dass sich die Schaufeln außerhalb und die Füße innerhalb der Torlinie befinden. Bei Kippstangen schon. Deshalb ist es in einem zeitgemäßen Slalom-Rennen, während einer flotten Fahrt des Läufers, den Torrichtern kaum möglich die Einhaltung dieser Regel mit freiem Auge zu  überwachen. Doch nicht nur die beschränkte Optik des Menschen-Auges ist ein Haken, auch der am Ski macht es schwierig.

Spitze mit Haken
Wie definiert sich auf einem modernen Rennski die Skispitze? Die Schaufel ist in der Regel nicht mehr spitz sondern rund. Bei einigen Renn-Modellen gibt es auch sogenannte Geierschnäbel, hakenförmige Schaufel-Aufsätze die an der Innenseite vorstehen und Einfädlern vorbeugen sollen. Zeitgemäß und technisch richtig könnte man im FIS Amtsjargon (der könnte den Funktionären ja vielleicht sogar gefallen) definieren: „Die Torlinie muss mit dem am vorderen Skiteil von der Bindung  weitest entfernten Punkt passiert werden.“

Der HD Inspektor
Mr. FIS Alpin –  Günther Hujara – sieht ein Überwachungs-Problem mit der menschlichen Linse und kommentiert es auch wie gewohnt gerne: „Wir brauchen bis hin zu Fotografen, die direkt auf der Höhe sind, plus Videoauswertung plus Zoom, dass wir das noch feststellen können. Eine Sicherheit gibt es nur dann, wenn man wirklich bis zum letzten Moment mit HD-Auflösung arbeiten kann.“ Ist so ein Aufwand wirklich nötig verehrter Herr Hujara? Fühlt man sich dann noch wichtiger, wenn man als Schnellrichter des Einfädlers aus dem Ü-Wagen über Recht und Unrecht bestimmt?

Wie wärs damit?
Wäre es nicht einfacher die alte Regel der neuen Zeit anzupassen? Damit sie auch in jenen Bereichen des Rennsports klar ist, wo nicht mit Full HD Aufzeichnungen des gesamten Laufs schiedsgerichtet werden kann? Regeln sollten nicht nur eindeutig sein, sondern auch möglichst einfach zu überwachen.

Nur ein Vorschlag …
„Ein Tor ist korrekt durchfahren, wenn in laufender Fahrt beide Füße des Wettkämpfers die Torlinie überfahren haben. Steigt oder fährt ein Wettkämpfer nach einem Torfehler im Kurs zurück um die Torlinie korrekt zu passieren, müssen beide Skis, mit dem am vorderen Skiteil von der Bindung weitest entfernten Punkt und beide Füße des Wettkämpfers die Torlinie überfahren haben.“ usw.

Ein (Zu)Satz im Reglement könnte also einen ganzen Haufen High-Tech Krempel ersparen. Den wahrscheinlich schon geplanten Job des FIS HD (Höherer Dienst) Inspektors obsolet machen. Und last not least die Performance fairer, dynamischer und spannender gestalten. Das wär doch was! Oder?

P.S. Auch Ted Ligety hat auf Facebook einen ersten Lösungsansatz gepostet: „with all the straddling controversy swirling they should allow one straddle a race as long as one’s ski touches the gate. straddling is not faster and can be unjustly unforced so allow one. no racer would straddle on purpose.“

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