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Sie Alpin – Frauen im Skisport I

„Jede Frau muss in sich den mächtigen Trieb nach Freiheit finden und streben…“
Der ganze moderne Fortschritt des Menschengeschlechts staut sich momentan an dem Hindernis der unfreien Frau. Soll aber deren Befreiung sofort eine Wohltat werden, dann muss jede Frau in sich den mächtigen Trieb nach Freiheit finden und streben, ihn durch alle ihre erreichbaren Mittel zu betätigen. Ein kleiner Beitrag zu der Befreiung der Frauen ist die Pflege des Sports von Seiten des weiblichen Geschlechts. So eine Neuerung gegen den Willen der oft verzopften Umgebung durchzuführen, ist nicht leicht, und dass sie dennoch durchgeführt wird, ist ein herrlicher Beweis für der Frauen Tatkraft, die trotz der jahrtausendelangen Knechtschaft nicht vernichtet werden konnte.

Bereits 1896 wies Skipionier Mathias Zdarsky deutlich auf die wichtige Rolle der Frau für die Gesellschaft,  in seinem Buch über das Alpine Skifahren, hin. Frauen, die damals zwar noch vehement um die Skihose zu kämpfen hatten, fanden Skifahren aber auch in langen Röcken interessant. Und schon bei den ersten Alpinen Skiweltmeisterschaften 1931 und den ersten Alpin Ski-Rennen bei Olympischen Spielen 1936 gab es Frauen Bewerbe. Nicht nur im Kampf ums Beinkleid, sondern auch um das Startrecht hatten sich die Alpin-Frauen recht früh durchgesetzt.

Lady Ski

Lange bevor Skis als Sportgerät entdeckt wurden, hatten Skandinaviens Frauen eigene „Mädchen-Skis“.  Kürzer, leichter und mit Schnitzereien verziert. Lady Skis, die es seit einigen Jahren in jedem Skiladen gibt, sind also nichts neues. Oft wird gleiche oder gar mindere Qualität von Unisex-Modellen zwar mit Blümchen-Optik aufgepeppt. Doch der Trend zeigt, dass auch die Ski-Industrie in Frauen eine „Zielgruppe“ sieht. Auf den ersten Blick scheint in der Skiwelt also alles in Ordnung mit der Gleichstellung der Geschlechter. Zumindest im Freizeit-Bereich.

Frauen im Schnee

Wagen wir einen Blick auf die weiblichen Professionals im Schnee. Hier sieht es ganz anders aus. Im Skilehrwesen stimmt die Frauen-Quote nur im Kinderbereich. Dass sie Nasen putzen können und viel Geduld aufbringen, das traut man Frauen gern zu. Expertinnen, die am höchsten Level, etwa in Ausbildungsteams von Skilehrerverbänden arbeiten, sind aber nach wie vor sehr rar. Noch drastischer zeigt das Bild fehlende Frauen im Alpinen Betreuerbereich. Neben Masseurinnen und Physio-Therapeutinnen finden sich höchstens für den Nachwuchs Trainerinnen in den Experten-Crews der nationalen Verbände. In den offiziellen Skisport-Ämtern der Verbände sind Frauen so spärlich vertreten, dass der Verdacht auf Quoten-Frauentum gar nicht erst aufkommt.

Patriarchalische Hierarchie

Das legt den Gedanken an patriarchalische Hierarchien im Skisport nahe und wirft die Frage auf, wie es den Akteurinnen des Rennsports in solchen Männer-Hierarchien geht. Sprechen wir hier besser nicht zu ausführlich von der öffentlichen Aufmerksamkeit für Ski-Athletinnen, die von den Medien viel öfter als Männer auf private und am liebsten intime Details reduziert gerichtet wird. Mit Sport hat das rein gar nichts zu tun, wenn jüngst die Presse Tina Mazes Ausrüstungs-Kontrolle mit Höschenkrieg titelt und dabei mit keinem Wort den faulen Kern der Sache erwähnt. Wie unmöglich und inkonsequent sich die FIS dabei gegenüber allen Athleten verhält!

Komischer Antrag

Unmöglich war auch die Reaktion des FIS Damen Renndirektors Atle Skårdal beim World Cup in Bad Kleinkirchheim. Lara Gut, die als Repräsentantin der Athletinnen, auf Probleme der Fahrerinnen mit der Linienführung im Abfahrtslauf aufmerksam machte, wurde abgekanzelt. Skårdal erwähnte bei der Teamleiter Sitzung, dass er einen „komischen Antrag“ erhalten hätte. „Die Fahrerinnen scheinen etwas falsch verstanden zu haben: Sie können uns auf Gefahren hinweisen. Auf einen zu hohen Sprung, wenn die Piste zu weich ist und so weiter. Aber wenn ihnen die Kurssetzung nicht gefällt… Das kann man nicht ernstnehmen!“

Nicht ernst nehmen ist kein Spaß

Meine Herren … wenn Männer sich so aufplustern, werden selbstbewusste Frauen das ihrerseits alles andere als ernst nehmen. Wo der Spaß allerdings wirklich aufhört, das ist die Sicherheit. Bei der Änderung der Material-Regeln für GS Skis für die Saison 2012/13 hat sich die FIS neben anderen gewaltigen Recherche- und Forschungspatzern in Bezug auf die Sicherheit der Athletinnen gravierende Fehler geleistet. Frauen müssen zukünftig mit Radien und Längen fahren, die in der Studie als am gefährlichsten ausgewiesen wurden. Und das obwohl keine einzige Frau in die  Tests involviert war.

Milchmädchen Rechnung im Labor

Hochgerechnet haben wollen die FIS Forscher die Ergebnisse der männlichen Probanden auf die anatomischen Voraussetzungen von Frauen. Bei allem Respekt vor der Wissenschaft. Diversität und besonders weibliche Vielfalt scheint in den FIS Laboratorien wirklich ein Fremdwort zu sein und die Gleichstellung der Geschlechter mit Gleichmachung verwechselt zu werden. Entweder haben die Herren eine geniale Hochrechnungs-Formel entdeckt, ein überragendes 3D Simulationsprogramm entwickelt, alle und besonders die Frauen für Dumm verkauft. Oder einfach nur gespart? An der Sicherheit der Frauen, die im Schnitt ein höheres Rennpensum als die Männer absolvieren, deren nachteilige Position in der Gehaltsschere aber eklatant ist.

Frauen im Skisport und die moralische Verantwortung der FIS – Zu Seite 2/2

4 Antworten
  1. Martin Bell
    Martin Bell says:

    Ich mag den Atle, und habe ihn immer als sympathisch gefunden. Aber in BKK war die Kurssetzung bei den ersten drei Kurven eher das komische…es hat wenig wie Abfahrt ausgeschaut.

  2. nicola
    nicola says:

    Hallo Martin – ob die Kurssetzung OK oder nicht so toll war sollte hier nicht der primäre Diskussionspunkt sein. Es geht eigentlich darum wie sich ein offizieller Vertreter der FIS zu den Anregungen/Einwänden der Athleten Sprecherin verhalten hat.

    Wenn ein Einwand nicht gerechtfertigt scheint, muss er trotzdem auf sachlicher Ebene argumentieren. Die FIS hat sich (zwar auf Druck der Athleten) entschlossen Atleten Sprecher bei jedem Bewerb einzusetzen und auch anzuhören. Dann von komischen Anträgen zu sprechen, die nicht ernst genommen werden können, zeigt ganz klar die Position der Offiziellen.

  3. kilian
    kilian says:

    das problem ist der umgangston und die sichtweise der dinge. ich denke jeder unternehmer wäre froh, wenn positive vorschläge zur verbesserung des produkts kommen würden auch wenn sie rein nach dem reglement kein recht dazu haben.
    einfach ein danke dafür wäre nett und es wird intern abgeklärt und vielleicht beim nächsten mal besser gemacht oder verbessert. aber die frauen als komisch abzustempeln ist eine sauerei im wahrsten sinne des wortes. wir befinden uns leider gottes in einem monopol und die herren wollen ihre macht konservieren so lange sie können. atle mag vieles richtig machen aber auch vieles falsch, gerade in der kommunikation und im umgang mit den athleten. lara hat sich super toll verhalten und hätte eine gerechtere behandlung verdient.
    meine meinung und wohl die meinung vieler athleten. wir werden weiter hart daran arbeiten um besere rahmenbedingungen fuer die athleten zu schaffen. mit den jahren wird auch bei der fis change kommen so wie in allen anderen, in die jahre gekommenen systemen.

  4. Luca Complojer
    Luca Complojer says:

    Gutes Statement Kilian, es gibt nämlich nichts Beständigeres als den Wandel (Kant) !!! :)

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