Totalisierung im Schnee III

Befehlsverweigerung an vorderster Ski-Front

Was in Institutionen manchmal als Meuterei gesehen und intern als Straftat empfunden wird, ist oft nichts anderes als die Verweigerung unsinniger Befehle durch mündige, selbständig reflektierende Menschen. Erstmals in der Geschichte des Skirennsports trat die Mehrheit der World-Cup Athleten geschlossen gegen eine Regel der FIS ein und forderte gleichzeitig mehr Mitspracherecht. Die FIS als allgewaltige Institution sah diese durchaus sehr demokratische Aktion aber nicht als Angebot seitens der Akteure zur Mitgestaltung und Bereitschaft Verantwortung zu tragen.

Blasphemie & Maulkorb
Sie fühlt sich durch die Demokratisierung-Gedanken in ihrer Allgewalt bedroht. Sie reagierte auf die Anliegen der Läufer mit noch mehr Ignoranz und zusätzlich mit einem Maulkorberlass. Unangebrachte Äußerungen, die FIS betreffend, werden im ersten Regelentwurf wörtlich als Blasphemie bezeichnet und können nun sanktioniert werden. Das versetzt Läufer, die sich den Totalisierungstendenzen des Ski-Rennsports nicht zur Gänze ausgeliefert haben in Unmut. Sie äußern ihn ungeachtet der möglichen Sanktionen ganz offen. Der Ruf nach einer Gewerkschaft ist nicht zu überhören. Er liegt im Zeitgeist.

Es muss etwas geschehen
Quer durch alle Sportarten formieren sich Athleten in Vereinigungen und Gewerkschaften. Im November 2011 trafen sich in der Schweiz unter der Patronanz von UNI – global union, die Vertreter von 100 Athleten- bzw. Spielervereinigungen aus aller Welt und verfassten eine Deklaration zum Schutz der Rechte von Athleten. Auch der Alpine-Skirennsport war vertreten. Nie zuvor sind die Bestrebungen eine Ski-Rennläufer-Vereinigung zu etablieren so weit fortgeschritten wie bisher.

skiersPRO
Es gibt eine offizielle Vereins-Struktur. Es gibt Mitglieder. Es gibt eine Mission: skiersPRO vertritt und fördert die sozialen, wirtschaftlichen, politischen, beruflichen und kulturellen Interessen der Ski-Athleten. Die Stärke einer ansehnlichen Athleten-Vereinigung liegt darin, sich einig zu zeigen, Regeln mitzugestalten und Rechte einzufordern. Die Athleten haben neben der Sympathie und der Solidarität der Öffentlichkeit auch eine starke Waffe für den Ernstfall: Sie können streiken.

Furcht vor der Freiheit
Allerdings existiert (noch) eine Hürde. Um wirklich etwas zu bewegen, braucht es möglichst viele Gleichgesinnte. Das Problem liegt in den die Anpassungsmechanismen der Athleten an vermeintlich unveränderbare Strukturen im Skisport. Viele Athleten haben sich so gut an das System Ski-Spitzensport angepasst, dass sie entweder keine Notwendigkeit sehen etwas zu verändern oder nicht daran glauben, dass etwas veränderbar ist. Und manche gehen schlicht und einfach vor den möglichen Sanktionen in die Knie.

By uniting we stand, by dividing we fall.
Für viele Menschen mutet die Unfreiheit wie ein Käfig an, in dem sie gefangen gehalten werden. Erich Fromm meinte, dass sie für viele aber auch wie ein Dach über dem Kopf sei, das sie vor Unbill und Gefahren schützt. Sie begeben sich in Abhängigkeiten von Menschen, die ihre Macht benutzen, um ihre persönlichen Ziele durchzusetzen. Es wäre also höchste Zeit, dass sich die Ski-Athleten besinnen und sich das Dach zum Schutz vor Funktionärs-Willkür selbst gestalten und bauen.

Seite 1/3 – Zwanglose Zwänge. Skistars und ihre Abhängigkeit
Seite 2/3 – Druck, Zwang und Anpassung im Skisport
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