Im FIS Werbeziel

Die FIS legt zwei Ziel-Linien bei Wintersport-Events fest. Eine für die Stoppuhr. Eine für die Werbung. Die Banden am „Exit Gate“ konnte die FIS früher am teuersten verkaufen. Die FIS zwingt deshalb die Athleten mit einer zweiten roten Linie dazu ihre Fahrt erst dort zu beenden. Die Bandenwerbung hat sich zwar verändert. Die Rote-Linie-Regel blieb aber, wie viele andere FIS Norm-Relikte, trotzdem bestehen.

IWO FIS – Förderung und Werbung

§ 206.5. Der Wettkämpfer darf keinen oder beide Skis oder das Snowboard abschnallen, bevor er die vom Organisator anzubringende rote Linie im Zielraum überfahren hat.

Hermann Maier war 1997 das erste prominente Opfer dieser, in den Neunzigern eingeführten, Regel. Nun hätte sie beinahe Julia Mancuso ihren Super-G Sieg von Garmisch gekostet. Fatal ist die Tatsache, dass es in beiden Fällen tatsächlich um den ersten Platz ging. Jemand den es ohne Ski über die sportliche Ziellinie schmeißt, ist von der Regel nicht betroffen. Und meistens auch ohne Chance auf die vordersten Plätze.

Materielle Hochleistungsmaschinerie

Die Rote-Linie-Regel zeigt klar: Sportliche Fairness und auch die persönliche Entlohnung der Athleten haben einen geringeren Stellenwert als die finanziellen Interessen der FIS. An sich kein Problem, würde man sich klar als Unternehmen mit kommerziellen (Ski-)Interessen präsentieren. Problematisch ist allerdings, dass der Öffentlichkeit Skisport ausschließlich als immaterielle Wertsache mit sportlichen Idealen gezeigt wird.

Einigkeit und Öffentlichkeit machen Athleten stark
Wenn sich Julia Mancuso heute ihres Sieges in Garmisch trotz des Rote-Linie-Regelbruchs freuen kann, liegt das möglicherweise daran, dass jetzt die Athleten mehr Einigkeit zeigen als zu Hermann Maiers Zeiten. Sie haben trotz FIS Maulkorberlass begonnen gemeinsam zu protestieren. Und auch die FIS dürfte erkannt haben, dass Sponsoren mehr Freude an fröhlichen Siegern als an griesgrämigen Regelwächtern finden.

Die Seilschaften
FIS Präsident Gian Franco Kasper ist auch einer der einflussreichsten IOC Wintersport-Funktionäre. IOC und FIS sind zwar nach wie vor Altmänner-Clubs, doch spätestens seit Juan Antonio Samaranch das Olympische Welt-Zepter in die Hand bekam, auch wirtschaftliche Machtfaktoren. Samaranchs Privatisierung der olympischen Idee folgend wurde im Herbst die FIS Marketing AG gegründet. Ihre ausgewiesenen Ziele: Die Aufwertung der FIS Marketingrechte, die Entwicklung von Sponsoringprojekten sowie die Bereitstellung verbesserter Serviceleistungen für FIS-Partner.

Die FIS Marketing AG setzt sich aus der FIS und den Agenturen Tridem und Infront zusammen. Bei letzterer ist der CEO ein Neffe von Joseph Blatter, dem Schweizer Präsidenten des Weltfussball-Verbands FIFA. Die Familie Blatter hatte schon zuvor einen großen Einfluss im weltweiten Sportgeschäft: Joseph, auch im Skizirkus wohl bekannt als Sepp, ist ebenfalls gewichtiges Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees.

Eine fundierte Ski-Funktionärs-Netzwerkanalyse wäre interessant … Sie könnte zeigen wie es möglich ist, dass sich aus dem Sport zunehmend eine materielle Hochleistungsmaschine entwickelt, in der die Athleten keinen Platz als Partner finden.