Das erste Mal

Wir sind Eltern von zwei Jungs. Der „Große“ ist jetzt 3,5 Jahre und begeisteteter Skifahrer. Vor allem vor dem TV. Seine Lieblingssportart ist „Skifahren mit Hinlegen“ – also Biathlon. Dieses Jahr stand also fest, dass Jonas in den Zwergerlkurs kommt. Dafür haben wir uns ein kleines Skigebiet ausgesucht. Wichtig war uns, dass es eine Kleinkindbetreuung für unseren Kleinen (1,5 Jahre) gibt. Sie sollte oben am Berg stattfinden, damit wir, falls mal was sein sollte, schnell da sein können. Außerdem hat uns gefallen, dass die Kinder im Zwergerlkurs in den Kindergarten wechseln konnten, wenn sie mal keine Lust auf Skifahren haben.

Gut ausgerüstet
Wir sind am Samstag erst mal los und haben die Ausrüstung für Jonas geliehen. 70 cm kleine Ski, ein paar Skistiefel in Gr. 26 (Model uralt-Heckeinsteiger aber ihm haben sie gefallen und er hatte weder Druckstellen noch kalte Füße) und einen Helm machten aus unserem Burschen einen coolen Skifahrer, der ne Stunde durch den Laden stolzierte. Wir haben ihn bewußt einige Zeit im Laden mit den Schuhen rumflitzen lassen um zu checken, ob die Schuhe drücken. Das Angebot, die Ski im Sportgeschäft gleich an der Talstation zu deponieren schien uns attraktiv und so haben wir eine Box mit Schuhheizung und Platz für zwei Paar Ski / Stiefel dazugemietet. Aber dazu später mehr.

Der erste Tag
Sonntags gings los: Jonas erster Skitag. Schneetreiben, Sturm, alle Lifte vormittags zu. Der Skikurs für die Kleinen fand aber trotzdem statt, allerdings auf einer Wiese neben der Talstation. 4 Mädchen von vielleicht 18-20 Jahren, allesamt Niederländerinnen mit entsprechendem Akzent, kümmerten sich um zunächst 14 Kinder im Alter von 3-5 Jahren. Es gab nette Aufwärmspielchen und erste Rutschversuche auf einem Ski. Die Eltern – also wir – standen lächelnd am Rande und beobachteten das Ganze. Nicht, weil wir das so besonders aufregend fanden sondern weil die Skilifte wegen des Sturms zunächst geschlossen waren. Und wenn die Bergstation nicht erreichbar ist, findet natürlich auch kein Kindergarten statt. D.h. wir hatten unseren Kleinen im Schlitten dabei und konnten selber nichts machen.

Schuss down
Dann sollten die ersten Schussfahrten stattfinden. Statt eines Zauberteppichs gab es auf dieser Wiese nur einen Übungslift und einen Teppich ganz ohne Zauber, auf dem die Kinder den Hügel hinauflaufen mussten. Jede Schussfahrt wurde von den Skilehrerinnen mit viel Enthusiasmus gefeiert und unser Kurzer strahlte den ganzen Tag. Und er wurde nicht müde, zig mal zu Fuß den Hügel wieder hochzumarschieren.

Pizza – diesmal nicht vom Italiener
Am Nachmittag kam das, was kommen musste: Pizza, Pizza… Bei uns ist ne Pizza entweder vom Italiener, dann ist sie rund oder aus dem eigenen Ofen, dann ist sie rechteckig. Nun ja. Da ich wußte, dass das genau so kommen würde haben wir daheim Skispringen im TV geguckt. Immer wenn ein Springer im Auslauf mit dem Pflug gebremst hat haben wir laut „Piiiiizzaaaaaaaa“ gerufen. So war Jonas zumindest in der Theorie klar, was er hätte machen sollen.

„Pizza“ und die Ski sollten sich Küsschen geben. Die haben am Start die Kinder im Pflug aufgestellt und dann losfahren lassen. Weil es aber so flach war und der Neuschnee sein übriges tat, ging das nicht und ALLE Kinder haben die Ski gleich wieder gerade gestellt. Dann ertönte „Pizza“ und ein wie auch immer gearteter Bremsversuch. Was dabei rauskam ist – weil Jonas das genau so verstanden hat – dass er wenn Pizza ertönte erst total breitbeinig fährt und dann versucht, die Skispitzen wieder zusammenzubekommen. Das funktioniert natürlich nur mäßig bis gar nicht.

Gut aufgewärmt … die Eltern
Am nächsten Tag war das Wetter besser und wir konnten nach oben. Fabian in den Skioverall, Schuhe und Mütze an und ab in die Trage. Soweit so gut. Bis alle angezogen und Abmarschbereit waren, war mir zumindest nicht kalt geworden. Dann den kurzen Weg durchs Dorf zum Depot. In der Zeit, die man gebraucht hat, sich mit einem 12 kg- Bündel auf dem Rücken Skischuhe anzuziehen, hat Fabian gereicht, in seinen warmen Wintersachen abzurauchen. Das Kind brüllte alles zusammen und hörte erst auf, als wir wieder an der frischen Luft waren. Einer hatte Fabian auf dem Rücken, bekam aber noch die Kinderski und die Erwachsenenstöcke. Der andere trug den Wickelrucksack mit allem Lebensnotwendigem wie Windeln, Getränke, Ersatzklamotten und die beiden Erwachsenenski. Dann los zur Eierschale.

Endlich losgondeln
Ich muss gestehen, ich war in absoluter Alarmbereitschaft und heil froh, als wir alle vier unbeschadet in der Gondel saßen. Denn Dreijährige haben nicht immer die Eigenschaft, das zu tun was sie sollen – vorallem dann nicht, wenn Mama und Papa beide Hände voll haben. Oben haben wir Jonas dann im Kinderland abgeliefert und Fabian – der kurz vor dem Ziel friedlich eingeschlafen war – in der Obhut einer netten Kindergärtnerin auf einem Sofa abgelegt.

Zeit für die Eltern sich ein wenig freizuschwingen
Jonas war happy, endlich gab es einen coolen Zauberteppich. Nochmal schnell winken und wir konnten auch endlich Skifahren. Da es vormittags und nachmittags je zwei Stunden Betreuung gab, blieb uns nur je ein Zeitfenster von gut 1,5 Stunden. Nicht eben viel aber besser als nichts.

Schnee ist doch das Beste gegen Unmut
Am Dienstag erneut Schneegestöber, wieder vormittags die Lifte zu und keine Kinderbetreung für Fabian. So langsam macht sich erster Unmut breit … der sich dann am Mittwoch dank oberschenkeltiefem Neuschnee und reichlich unverspurtem Gelände neben der Pisten schnell wieder verflüchtigte.

Unvermeidlich. Das Skischulrennen und die Ansprache vom Chef.
Jonas hat für sein Alter eher kurze Beine und er kam mit dem Pflugfahren noch nicht zurecht. Tja und wer nicht bremsen kann, der darf natürlich noch nicht raus aus dem Kinderland. Trotzdem gabs am Donnerstag dann das unvermeidliche Skischulrennen. 15 m Schuss, keine Startnummern, ich glaube, die Kleinen haben überhaupt nicht mitbekommen, dass das ein „Rennen“ war.

Bei der Siegerehrung kam dann auch erstmals das Maskottchen der Skischule, ein großer Bär, zum Einsatz. Der Skischulleiter hielt eine minutenlange Selbstbeweihräucherungsrede, was jedoch Jonas nicht davon abgehalten hatte, uns hinter der Absperrung freudig rüber zu brüllen: „Mamaaaaaaaa, guck mal, ein Bäääääär!“ Sehr zum Missfallen des Skischulleiters, der ihn anraunzte: „Ruhe, jetzt rede ich.“ Öhm ja… da sollte wohl jemand lieber im Büro bleiben und Ablage machen.

Fazit
Nach einer Woche haben wir Fazit gezogen: wir haben noch nie so viel Gerödel gehabt wie in diesem Urlaub. Ständig fehlte irgendwas, war verlegt, vergessen, verloren gegangen. Mal war ein Kind nicht eingecremt, oder Handschuhe nicht auffindbar, dann fehlte ein Schal … Selbst eine Checkliste an der Tür konnte nur das Gröbste verbessern. Denn was nutzt es, wenn man am Morgen für alle vier Personen Handschuhe, Brillen etc. aufs Bett sortiert, ein hilfreicher 1,5 Jähriger in einem unbeaufsichtigtem Moment jedoch seine Art der Ordnung wiederherstellt?

Was haben wir gelernt?
Nächstes Mal nehmen wir Türhaken und Beutel mit. Dann bekommt jeder seinen Beutel für seine Sachen und die werden schön hoch oben aufgehängt. Und wenn es an der Bergstation ein Depot gibt, dann werden wir dieses buchen. Talabfahrten sind eh uninteressant, weil man ja die Kinder wieder runterbringen muss und man mit den ganz Kleinen zwangsläufig in der Bahn hockt.

1 Antwort
  1. Kerstin Pfenninger
    Kerstin Pfenninger says:

    Unser Kleiner wird im Februar drei und wir liebäugeln auch mit einem Skiurlaub. Deine Tipps in Sachen Depot mieten waren echt sehr hilfreich und ich denke wir werden die beherzigen. Wir werden mal die Großeltern fragen ob sie mitfahren wollen, dann wären wir etwas entlastet und sie freuen sich bestimmt dabei zu sein.

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