Von(n) sich reden machen …

Im allgemeinen Tenor liegt Entrüstung. Jetzt ist es fix: Lindsey Vonn darf im Abfahrtslauf von Lake Louise nicht im Männer-Bewerb antreten. Dass dieses Anliegen entweder eine Allüre oder ein PR-Gag ist, war Insidern schon von vornherein klar. Zumindest der Gag dürfte gelungen sein. Die Medien erzählen uns jetzt die rührige Geschichte vom Goldlöckchen und der bösen FIS.

FIS Regeln
Die Wettkampfordnung der FIS ist nicht immer Athletenfreundlich. Ihrer wichtigsten Aufgabe, gleiche Vorraussetzungen für alle Athleten zu gewährleisten, ist sie aber weitgehend gewachsen. Aus gutem Grund verbietet die FIS zusätzliche Hangbefahrungen und Trainingsläufe auf Wettkampfstrecken für einzelnen Läufer oder Nationen. Hätte Vonn sowohl bei den Herren als auch bei den Damen an den Start gehen dürfen, wäre der Vorteil gegenüber ihren World-Cup Konkurrentinnen schlicht unfair.

Fairness Regeln
Bei den Herren als Vorläuferin zu starten, laut Reglement möglich, hätte Vonns Chancen, das Rote Trikot zu verteidigen ebenso gemindert, wie ein anerkannter Start im Feld der Männer. Insgesamt fünf Worldcup Bewerbe, davon drei Speed-Rennen und die einzigen Damen Events auf heimischem US Boden, hätte Vonn für ihren Auftritt in Lake Louise streichen müssen. Es mag sein, dass weder sie noch ihre Berater, bei Antragstellung vom Frauen-Verbot für Männer-Rennen wussten. Dass niemand daran dachte, dass die FIS einen Trainingsvorteil gegenüber den anderen Athletinnen nicht zulässt, erscheint aber höchst fragwürdig.

Nummern Regeln
Wenn gleiche Regeln für alle und damit auch für die Männer gelten sollen, wäre Lindsey Vonn der hinterste Startplatz nicht erspart geblieben. Sie weist keine fürs Männer-Ranking tauglichen FIS Punkte auf. Ein Start unter den ersten dreißig, wäre ein unfairer Vergleich mit ihren jungen männlichen Kollegen. Gerade einen Startplatz im World-Cup erkämpft, sich auf einer zerfahrenen Pisten bewähren müssen und dann womöglich noch mit dem Vorwurf konfrontiert, sich von einer Frau abhängen zu lassen … keine netten Aussichten für Rookies. Denn beim Skifahren gilt meistens: Wer zuerst kommt malt zuerst.

Öffentlicher Augenblick
Sollte es der vierfachen Gesamt-Worldcup Gewinnerin tatsächlich um eine absolute Standortbestimmung ihres Könnens gehen, gäbe es dazu weit einfachere Wege. Zum Beispiel die Teilnahme an Trainingszeitläufen der Männer. Der PR-Gag ist Vonn und ihren Beratern jedenfalls gelungen. Die Öffentlichkeit hat ihren Augenblick nicht nur etwas mehr auf Frau Vonn und ihren Kopfsponsor, sondern vielleicht sogar auf den Ski-Rennsport, gerichtet.

Vonn und Hirscher - Foto by tirolfoto - Erich Spiess

Schön wäre es, wenn Top-Athletinnen für eine gemeinsame Sache aufträten. Noch schöner, wenn sie dabei von den Kollegen unterstützt, der FIS ein praktikables Anliegen vorlegen und sie so über die Möglichkeit gender-offener Bewerbe zum Nachdenken und nicht nur Verbieten anregen. Das wäre für den Frauen-Sport eine Möglichkeit aus dem Schatten der gesteigerten Aufmerksamkeit für Männer Skirennen zu treten. Ob auch die Herren der Ski-Schöpfung von attraktiven Skifahrerinnen in ihrer Umgebung etwas hätten? Wer weiß …