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WM – Auf Biegen & Brechen

Der kollektiv verordnete Abschwung im Ennstaler Ziel-Stadion der Eitelkeiten hat seinen Preis. Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, besonders auch aus der sportlichen Perspektive. Auf Biegen und Brechen ist das letzte Pflichttor aller Bewerbe für beide Geschlechter ein Bogen aus Stahl. Das Sky-Gate durch das die Sportlerinnen und Sportler in den Zielbereich eintauchen sollen, ehe sie über die Ziellinie fahren dürfen. Ein Himmelstor zum Größenwahn, meinen einige Kritiker. Unverzichtbar für das Österreichs Image als Skination Nr.1 (zu) viele andere.

Bleiben wir aber zur WM Betrachtungs-Abwechslung bei der sportlichen Seite des Skifahrens. – Ich habe mir eben den ersten Durchgang des Frauen Riesenslaloms angeschaut. Und es hat mich gegraust. Gute Werbung für das Skifahren schaut anders aus. Heute wurden die Nachteile des FIS kaputt-reglementierten Skimaterials deutlich sichtbar.

Frauen müssen mit Radien und Längen fahren, die in der für die Regeländerung zugrunde liegenden Studie als am gefährlichsten ausgewiesen wurden.
Siehe FIS Material-Studie unzureichend

Auf dem schwierigen und schon ramponierten Hang blieben Zug, Schwung und die der Frauen-Technik natürlich innewohnende Eleganz ziemlich auf der Strecke. Auf einer Strecke für die es im Ski-Grossraum Schladming zahlreiche bessere Alternativen gibt.  Am Planai Nachbarberg Hauser-Kaibling etwa. Hier hätte man den Super-G  für die Frauen nicht mit Gewalt durchdrücken müssen und für den Abfahrtslauf eine wunderbare Frauen-Piste zur Verfügung gehabt. Oder ein paar Kilometer weiter Ennstal aufwärts. Auf der Reiteralm, das von vielen Ski-Teams wegen der guten Riesenslalom-Trainingsbedingungen gerne und oft besucht wird.

Aber bei dieser „erfolgreichsten WM aller Zeiten“ spielt der Sport ganz offensichtlich nur eine Nebenrolle. Ausser im Gejammer um verpasste österreichische Medaillen-Chancen vielleicht. Es mag sein, dass starke Kräfte im Land zugange sind, die immer noch meinen, dass Touristen Österreich eher als Skidestination goutieren, wenn der Produktions-Level an heimischen WeltmeisterInnen Industrie-Ausmaße aufweist. Wer aber über den rot-weiß-roten Ski-Tellerand schaut, könnte zum Schluß gelangen, dass die an den Haaren ins Schladminger Ziel-Stadion gezogene Ski-Ästhetik, die ohnehin stark stagnierende Publikums-Lust nicht wirklich fördert!