Denken statt schaufeln!

Freeriden ist für viele mehr als nur ein Sport. Die Freiheit auf unberührten Hängen, abseits gesicherter Pisten hat sich als „Lifestyle“ etabliert.  Für Ski-Industrie und Winterdestinationen ist der Lebsnsstil ein effektiver Werbeträger. Gefahren und Risiken werden in der Botschaft oft ausgeblendet. Unfälle in Powder und Firn enden aber meist folgenschwer, nicht selten tödlich.

Risikofaktor Mensch
Durchschnittlich gibt es in Österreich jährlich rund 1.000 Unfälle die sich abseits des gesicherten Skiraums ereignen. 23 Menschen sterben im Durchschnitt pro Jahr durch Lawinen. Orientierungsverlust oder Bewegungsunfähigkeit nach fatalen Stürzen kommen zwar seltener vor, enden aber auch oft tödlich – Abstürzen, Ersticken, Erfrieren … Viele  Unfälle wären vermeidbar. Mangelndes Wissen, mangelnde Wahrnehmung, mangelnde Ausrüstung und mangelnde Selbsteinschätzung sind, wie in vielen Bereichen des Lebens, auch beim Freeriden Unfallursache Nummer Eins.

 

KFV-Studie zeigt: Mangelndes Wissen führt zu fatalen Fehleinschätzungen
Wie die eben abgeschlossene Untersuchung des KFV zeigt, bestehen, wenn es um das Thema Sicherheit im alpinen Gelände geht, bei den Freeridern oft gravierende Wissenslücken: Mehr als die Hälfte der Befragten – 53 Prozent – wissen nicht, was die unterschiedlichen Lawinen-Warnstufen bedeuten und wie man sich dabei verhalten sollte. Besonders fatal: 44,9 Prozent der Interviewten sind der Fehlmeinung, dass eine Handy-Ortung im Falle eines Notfalles ohne Mobil-Netzanbindung via Satellit möglich ist und nur etwas mehr als die Hälfte – 59 Prozent – der Schneesportler kennt den Euro-Notruf. Alternativen zum Mobiltelefon, um Hilfe anzufordern, sind noch weniger Befragten bekannt. Das Alpine Notsignal kennen gar nur 25 Prozent.

Schlecht ausgerüstet
41,1 Prozent der Befragten gab an, nie oder nur gelegentlich ein Lawinenverschüttetensuchgerät – LVS-Gerät – mitzuführen. 53 Prozent hat keine Erfahrung in der Bedienung des LVS Gerätes zu haben bzw. nur eine einmalige Einschulung damit gemacht zu haben. Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Personen im Ernstfall keine Kameraden-Hilfe leisten können.  Besonders besorgniserregend ist, dass viele Freerider noch nie einen Kurs zu Sicherheit im Gelände absolviert haben. Die beste Lawinennotfallausrüstung – LVS-Gerät, Schaufel und Sonde – nützt nichts, wenn man die Handhabung nicht gut geübt hat.

Web und Smartphone als Infoquelle nicht sonderlich genutzt
Das Internet wird erstaunlicherweise laut Befragung von 46 Prozent selten oder gar nie zur Information über das Gelände und von rund einem Drittel selten oder nie zur sondierung der Lawinen-Situation genutzt. Dabei gibt es im Web vielschichtige Infos für Freerider. Lawinenlageberichte, Routen-Tipps, Bilder und Skizzen. Alles auch für das Smartphone aufbereitet, auf das man überdies noch GPS-Tracks laden kann. Verblüffend – rund die Hälfte der Befragten gab an das Handy als Freeride Infoquelle nicht zu nutzen.

Information und Risikomanagement statt Verbot und Strafe
Das richtige Verhalten, um erst gar keine Lawine auszulösen, hat Priorität. Der Schlüssel liegt im Risikomanagement. Um Gefahren richtig einschätzen zu können, braucht es Fachkenntnis. Darüber hinaus erleichtern umfassende Informationen die Risikoeinschätzung.  Begrüssenswert sind moderne Initiativen einzelner Skigebiete, die an Freeride-Checkpoints aktuelle Informationen für Gelände-Fahrer anbieten. Zum Beispiel in Heiligenblut. Hier kann man sich auf einer zentral gelegenen und gut sichtbaren Info-Tafel über das Gelände ebenso wie über die aktuelle Wetter-, Schnee- und Lawinen-Situation ein Bild machen. Auch LVS-Geräte können gecheckt werden. Und mittels QR-Code kann auch ein Skigebiets-App auf das Smartphone geladen werden.

Denken statt schaufeln!
Um die Unfall-Zahlen beim Freeriden zu senken, sind nachhaltige Massnahmen notwendig. Besonders effektiv könnte sich ein Risikowahrnehmungs-Training und Wissensvermittlung für Kinder und Jugendliche erweisen. Hier ist neben grosser lernbereitschaft auch am meisten Bedarf. Die jungen Freerider – Gruppe der 15 – 19 jährigen –  zeigten sich bei der Befragung im Vergleich mit den älteren Schneehasen am schlechtesten informiert. Einen grossen Beitrag können auch Skigebiets-Betreiber leisten, indem sie sich zum Thema Freeriding offen positionieren und die Wintersportler umfassend Informieren und vor Gefahren warnen.

Die Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit begann mit der Befragung im Dezember 2012. Die Befragung fand in ausgewählten Skigebieten in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten, Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich statt. Es wurden pro Bundesland mindestens 50 Freerider befragt, insgesamt 365.