Blinde Flecken im Schnee vor Gericht

Vom 18. Oktober bis 6. Dezember 2013 beherbergt das Landesgericht für Strafsachen Wien eine Ausstellung mit Kunstwerken aus den beiden Serien „Leveled Landscapes“ und „Freiwillige Teilnahme“ von Tal Adler. Im Rahmen dieser Veranstaltung ist am 29. Oktober Österreichs Skigeschichte Thema.

Gerichtstermine der besonderen Art

Im Zeitraum der Ausstellung wird jede Woche eine Fotografie eine Geschichte und Diskussion einleiten. Jede Woche werden Experten aus unterschiedlichen Bereichen erzählen und Diskussionen führen. Soziale, historische, politische und legale Fragen werden berührt und dabei werden auch Ästhetik und Ethik von Kunst im Kontext von Erinnerung, Geschichte und den Konzepten von Recht und Gesetz betrachtet. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Karin Schneider und Friedrich Frosthuber, Präsident des Landesgerichts für Strafsachen Wien.

Blinde Flecken im Schnee

Auch die Skigeschichte fehlt nicht. Tal Adler nahm dazu die Spur des Parallelschwungs auf.

Schischule Seefeld, Tirol, 2013 © Tal Adler, aus der Serie Freiwillige Teilnahme

Schischule Seefeld, Tirol, 2013
Anton Seelos (1911-2006) von der Schischule Seefeld, war in den frühen 1930er Jahren der Erfinder des Parallelschwungs und viermal Weltmeister in Slalom und Kombination (1933-1935).
© Tal Adler, aus der Serie Freiwillige Teilnahme

Ausapern lassen!

In der ruhmreichen Skigeschichte Österreichs werden Vorfälle, über die man lieber nicht spricht, immer noch erfolgreich unter den weißen Teppich gekehrt. So ist nur wenigen Ski-Fans bekannt, dass der Arier-Paragraph schon 1920 ein wichtiges ÖSV Thema war und bereits 1923 in die Verbands-Statuten aufgenommen wurde.

Auch die Arlberger, die ihre Region selbst zur Wiege des Alpinen-Skisports ernannt haben, sprechen nicht gerne darüber, dass sie mit Vätern der neuen Wintersport-Bewegung während der NS-Zeit grausam umgingen. Der weiße Rausch hat wohl bis in die 1990er Jahre angehalten und die Sicht auf die Gräuel, die dem jüdischen Skipionier Gomperz angetan wurden, gründlich vernebelt.

Sogar einer der größten und namhaftesten Skipioniere, Hannes Schneider, war gezwungen vor den Nazis vom Arlberg  in die USA zu flüchten. Dagegen nimmt sich die Beharrlichkeit mit der „Schi“ in Österreich immer noch gerne geschrieben wird, eher harmlos aus. Die wenigsten wissen, dass diese Schreibweise in der Rechtschreibreform des Nationalsozialismus ausdrücklich von Adolf Hitler persönlich verlangt wurde.

Die Einladung  – am 29.10. 2013 um 9:00 – über Ski-Ereignisse und Schnee-Zusammenhänge zu sprechen, deren Zeit zum Ausapern längst gekommen ist, freut mich sehr!

Termine

  • 18. Oktober 2013
    16 Uhr 30, Großer Sitzungssaal: Ausstellungseröffnung
    18:30, Großer Schwurgerichtssaal: Buchpräsentation – Die Tante Jolesch und ihre Zeit, Podiumsdiskussion
  • 24. Oktober 2013, 16 Uhr , Großer Sitzungssaal: Case Reopened: Der Heldenplatz, der Österreichische Staatsfeiertag und die Eurofighter
  • 29. Oktober 2013, 9 Uhr, Großer Sitzungssaal: Case Reopened: Österreichische Ski-Geschichte: Blinde Flecken im Schnee
  • 4. November 2013, 12.30 Uhr 30, Großer Sitzungssaal: Case Reopened: Der Anisemitismus des Wiener Fin de siècle gemessen an der Leidenschaft des Pfarrers Dr. Josef Deckert
  • 12. November 2013, 16 Uhr, Großer Sitzungssaal: Case Reopened: Entlastung
  • 14. November 2013, 20.00 Uhr, Großer Sitzungssaal: Case Reopened: Arisierung, Restitution und der Fall „Wiener Riesenrad“
  • 21. November 2013, 18 Uhr, Großer Sitzungssaal: Case Reopened: Zehn Jahre nach dem Tod im Stadtpark: Wer erinnert sich an Saibane Wague?
  • 27. November 2013, 17 Uhr, Großer Sitzungssaal: Case Reopened: Donauland und die österreichisch alpine Kampagne für Antisemitismus
  • 6. Dezember 2013, 15 Uhr, Führung; 16.30 Uhr Finissage und Abschlußdiskussion: Geschichten am Gericht, eine Übung in PerspektiveTreffpunkt für alle Veranstaltungen und Führungen:
    Landesgerichtsstraße 11, vor dem Haupteingang zum Gericht.
    Die BesucherInnen werden vom Präsidenten des Landesgerichts, Friedrich Forsthuber, abgeholt und in die Ausstellung gebracht.
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