Alpin Ski Carving

Skieigenschaften wirken

Über Ski-Eigenschaften wird viel gesprochen. Rebound und Flex, Torsionssteifigkeit und Dämpfung fehlen zwar in fast keiner Ski-Beschreibung, doch wie sich die einzelnen Parameter beim Fahren auswirken ist wohl für viele recht unklar. Entscheidend für das Fahrverhalten von Skis, ist die Druckverteilung und damit das Zusammenspiel von Geometrie und Elastizität.

Skieigenschaften und ihre Wirkung

Ski-Länge
Je länger die Skis, desto stabiler sind sie und desto schneller kann man mit ihnen fahren. Allerdings sollte man bei der Längenwahl bedenken, dass  jeder Zentimeter mehr, auch verminderte Drehfreudigkeit im landläufigen Sinn bedeutet.

Tipp: Je mehr man in der Lage ist gesteuerte Kurven zu fahren, desto länger können die Skis sein. Nur jemand der wenig rutscht, kann lange Skis voll auskosten.

Radius & Taillierung
Der Konstruktionsradius hat großen Einfluss auf das Fahrverhalten eines Skis. Je nach Größe des Radius eignet sich ein Ski eher für kurze oder lange Schwünge. Der eingebaute Radius wird durch Druck und größeren Aufkantwinkel, meistens kommt beides zugleich zur Geltung, verkürzt. Das bedeutet also, dass der „gefahrene“ Radius kürzer ausfällt. Deshalb ist es wichtig, dass der Radius präzise mit den anderen Skieigenschaften abgestimmt ist.

Tipp: Die optimale Abstimmung haben die jeweiligen Modelle meistens nur in der sogenannten Referenzlänge.

Flex

Der Konstruktions-Radius spielt in den „Vital-Statistics“ aller Skihersteller zwar eine bedeutende Rolle,  doch mittlererweile wissen nicht nur Experten, dass der gefahrene Radius auch stark mit dem Flex des Skis zusammen hängt. Je mehr sich der Ski durchbiegt, desto enger wird die auf den Kanten gefahrene Kurve. Nicht so bekannt aber ebenso wichtig ist die Tatsache, dass der Verlauf der Bieglinie darüber entscheidet ob die Skikanten im gesamten Kurvenverlauf mit dem Schnee in Kontakt sind. Skis mit ausgewogenem Flex „ziehen“ um die Kurve. 

Der Flex wirkt auf den Radius der gefahrenen Kurve und auf den Kantenkontakt mit dem Schnee. Vereinfacht kann man sagen, dass Skis mit „weichem“ Flex eine harmonische Fahrweise unterstützen und auch leichter auf der Kante zu führen sind.
Tipp: Besser im Schnee probieren als Biegen und Drücken!
Torsionswiderstand gering
Skis mit geringer Verwindungssteifigkeit bieten an Schaufeln und Heck schlechten Grip und „schmieren“ leicht weg. Was bei  langsam gerutschten Schwüngen in weichem Schnee recht komfortabel erscheinen mag, ist bei höheren Geschwindigkeiten und härteren Schneeverhältnissen nicht angenehm. Die fehlende Stabiltät erfordert viel Kraftaufwand.
Die Torsionssteifigkeit steht in direktem Zusammenhang mit dem Druck auf die Kanten. Zu torsionsweiche Skis sind besonders auf hartem Schnee problematisch. Newbies – „Zielgruppe“ für günstige, sehr weiche Skis – sind oft nicht gut beraten!

Tosrsionswiderstand hoch
Ist ein Ski asehr torsionssteif reagiert er schon auf winzigste Bewegungsimpulse mit blitzschnellem und festem Kantengriff. Im allgemeinen Ski-Jargon bezeichnet man solche Skis deshalb als bissig oder gar giftig. Neben exzellenter Technik erfordern sie ständige Aufmerksamkeit vom Fahrer.

Torsionsharte Skis reagieren mit aggressivem Kantengriff. Sie erfordern eine permanent offensive Fahrweise, ständige Kontrolle und viel Kraftaufwand.Skifahrer, die ihr Können mit einer  vermeintlichen „Rennmaschine“ unterstreichen möchten, überfordern sich häufig!

Rebound & Dämpfung
Die Abstimmung von Rebound und der Dämpfung unerwünschter Vibrationen ist einerseits für die Unterstützung der Hoch/Tiefbewegungen beim Be- und Entlasten (Umkantvorgang beim Richtungswechsel) entscheidend, andererseits hat sie Einfluss darauf ob ein Ski flattert oder ruhig durch den Schnee gleitet. Starker Rebound bewirkt, dass der Ski das Umkanten durch starkes Federn unterstützt. Bei langsamer Fahrweise und weniger griffigem Schnee kann das Spass machen kann, bei hohem Tempo und Grip, lässt sich starker Rebound schwerer kontrollieren.

Der „spritzige“ Ski war das Credo der Wedler. Für die gecarvte Fahrweise ist er nicht so bedeutend. Denn zuviel Rebound vermittelt das Gefühl schlechter Bodenhaftung. Auch zuviel Dämpfung ist nicht gut – der Ski wird dadurch „lahm“. Empfehlung: für Kurzschwinger mehr, für Carver weniger Rebound!

Vorspannung/Camber
Sie ist ein mitbestimmender Faktor der Eigenschaften der Druckverteilung an der Längsachse. Die Wölbung des Skis muss zum Flex und zur Gesamtgeometrie passen, dann kann der Druck über die gesamte Skilänge in gewünschter Weise wirken. Unstimmigkeiten wirken negativ auf den Grip – an Schaufel und Heck zu wenig oder zuviel Kantengriff – und auf die Laufruhe und die Gleiteigenschaften.

Gewicht
Zu guter Letzt noch ein Paar Gedanken zum Gewicht der Skis. Hochwertige Skis, mit einem stabilen Kern, sind in der Regel etwas schwerer als günstigere Skis, die unter Verwendung von viel PU Schaum hergestellt werden. Auf das Fahrverhalten wirkt sich der kleine Unterschied, wenn überhaupt, eher stabilisierend aus; solange man die Skis während der Fahrt dort lässt wo sie hingehören – nämlich ruhig im Schnee liegen.

Hochwertige Skis sind meist etwas schwerer als günstigere. Viel mehr ins „Gewicht“ fallen aber monströse Platten und Bindungen.

Nun aber genug der Theorie, wer sich einen neuen Ski zulegen möchte, muss keinesfalls ein Doktorat in Skientwicklung vorweisen können. Viel wichtiger als theoretisches Wissen um Skeigenschaften, ist es sie zu spüren. Der wichtigste Rat zum Skikauf lautet deshalb schon seit jeher: First try, then buy!

/von

Let’s rock

Rocker, Banana, Zero Camber. Neue Drinks für die Schneebar? Mitnichten! Es geht um den Ski-Shape.