Empört euch!

Ich wurde gefragt, warum ich mich so „brennend“ für Anna Fenningers Position in der Kontroverse mit dem Skiverband interessiere und engagiere. Kurz gesagt: Es geht mir um die Generation unserer Kinder und die Zukunft in der sie ihr Leben gestalten.

Der österreichische Skirennsport ist nur einer von vielen Schauplätzen (wenngleich ein sehr öffentlicher und mir bestens bekannter) auf dem sich zur Zeit gesellschaftspolitische Konflikte nach ähnlichem Muster abspielen: Ein Machthaber und seine Vasallen, kämpfen um den Erhalt ihrer tradierten Werte. Mit allen Mitteln.

[Ski]Sport im Umbruch

Relativierung des Vergleichs mit der Vergangenheit

An dieser Stelle möchte ich kurz an die Verbandsführung von „Seinerzeit“ erinnern. Weil es sonst niemand tut und weil damit Präsident Peter Schröcksnadel als Retter des heimischen Skisports, der das System vor dem Ruin bewahrte, hinterfragt werden soll.

Ein kurzer Ausflug in „meine“ Zeit als aktive Ski-Rennläuferin in den 1970ern:




Die führenden Funktionäre haben sich damals nicht nur für den Erfolg im Sport eingesetzt. Sie haben viel dazu beigetragen, dass ein Schulsystem geschaffen wurde, in dem junge Athleten für das Leben nach dem Rennsport ausgezeichnete Bildungsmöglichkeiten erhielten.

Ohne diesen Hintergrund, der weltweit Vorbildwirkung zeigte, hätte Schröcksnadels ÖSV Ära in Bezug auf Nachwuchs wohl etwas anders ausgesehen. Ein Großteil seiner Anhänger übersieht auch gerne, dass der Grundstein zur professionellen Vermarktung des Austria Skiteams bereits mit der Gründung des Ski Pools 1971 gelegt wurde. Allerdings gab es an der Bruchkante vom Amateur- zum Berufs-Sport zahlreiche Hürden, die nicht über Nacht zu überwinden waren.

Die Aufbesserung der Verbandskasse wäre zudem ohne die Aufhebung des olympischen „Amateur-Paragraphen“ 1980 und die Freigabe der Werbeflächen auf Rennsportbekleidung durch die FIS 1986 nie in diesem Ausmass möglich gewesen. Kein Mensch kann heute sagen, ob frühere Präsidenten unter diesen Voraussetzungen nicht auch wirtschaftlich sehr erfolgreich für den Verband wirken hätten können.

Ich will Peter Schröcksnadels Verdienste um den Österreichischen Skisport keineswegs klein reden. Trotzdem stellt sich die Frage ob sein Wirken grossartig war oder er einfach nur ein geschickter Geschäftsmann, der die neuen Marketing-Möglichkeiten im Sport gut für den Verband aber auch für sich selbst einzusetzen wusste.

Was mich im Allgemeinen stört, sind Menschen die an einer Gesellschaftsform festhalten. In der die Alten das Sagen über die Zukunft der jungen Generation haben wollen. Leute, die einen Grossteil ihrer Lebenszeit hinter sich haben, die Entwicklung und Fortschritt bremsen. Im Speziellen finde ich noch schlimmer als die egozentrische Despotie des ÖSV Präsidenten die Mitläufer. Weil sie den selbstbezogenen Aktionen erst Macht ermöglichen.

Die Mitläufer

Das sind die Lehnsmänner im Verband, die an ihren Sesseln kleben. Das sind Politiker, die etwas vom Rampenlicht abbekommen wollen. Das sind Hurrah-Patrioten – vom Sportkonsumenten bis zum gehorsamen Berichterstatter. Das sind gewissermassen auch Eltern von jungen Athleten, die aus Angst vor Repressalien für ihre Kinder, stillschweigend Ungerechtigkeiten billigen. Last not least meine ehemaligen Rennsport-Kollegen, die lieber in Seitenblicke-Kameras grinsen, als Sportler-Solidarität beweisen.

Empört euch. Es ist höchste Zeit etwas zu verändern!

 Traut euch. Stellt euch hinter die junge Generation. Denn Anna Fenninger ist kein Skihaserl, das um ein wenig mehr Profit raunzt. Sie ist eine mutige junge Frau, die auch abseits der Abfahrtspiste Schneid zeigt. Ihr Standing dient der Zukunft – nicht nur des Skisports!

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