OESV: Junge Athleten als Kanonenfutter

Ski Kanonenfutter

Es herbstelt. Der erste Schnee hat sich nicht nur über das Hochgebirge gelegt. Auch über das Gras, das seit dem Sommer über die Causa Fenninger gewachsen ist. Das ist gut so. Einstweilen.

In zweifelhaften Fällen …

entscheide man sich für das Richtige. Anna Fenninger hat eine Entscheidung getroffen, die sie für richtig hält. Das ist zu respektieren.

Noch einer hat eine Entscheidung getroffen. Er ist im Gegensatz zu seiner prominenten Team-Kollegin aber fast nur Rennsport-Insidern bekannt. Der Vorarlberger Clemens Dorner hat seine Skikarriere beendet. Die Gründe hat er auf Facebook erläutert.

Clemens Dorner beendet die Skirennkariere und rechnet mit dem OESV ab

Clemens Dorner auf Facebook

Knochenbrüche heilen, Vertrauensbrüche kaum

Clemens Dorner hat einige schwere Verletzungen gut weggesteckt. Auf Facebook schreibt er, dass für ihn in den schwierigen Recovery-Phasen Vertrauen und Orientierung eine enorm wichtige Rolle spielten:

Vertrauen zu sich selber, Vertrauen vom engen Umfeld und Vertrauen vom zuständigen Verband, dem ÖSV.

Letzteres ist über die letzte Saison und die Sommermonate verloren gegangen. Ich möchte dem Thema an dieser Stelle keine zu große Bedeutung beimessen und schon gar nicht soll es als Ausrede herhalten. Dafür lebt man als Sportler zu sehr nach dem Leistungsprinzip. Zudem habe ich dem ÖSV viel an Möglichkeiten und sportlicher Unterstützung zu verdanken. Aber es ist die Undurchsichtigkeit, das Fehlen von Argumenten und das „immer eine Hintertür offen lassen“ bei Entscheidungen, was einem als Athlet das Gefühl gibt, nur Ware zu sein, nur hin und her gereicht zu werden sowie den Interessen und Befindlichkeiten von einzelnen Personen ausgesetzt zu sein.

Eine sehr bekannte Skirennsportlerin hat es insofern auf den Punkt gebracht und sich in diesem Zusammenhang die Frage gestellt, ob Wahrheit und Ehrlichkeit heute nichts mehr wert wären.

Karriere-Wechsel

Clemens Dorner hat Alternativen. Sein Abschluß am Skigymnasium Stams ermöglicht ihm Zugang zum Studium. Obwohl eine Laufbahn als Akademiker ein gutes Gegenmodell zur Ski-Karriere ist, hat sie für ihn, wie für die meisten Ski-Athleten einen Haken. Der Start ins Berufsleben erfolgt für sie wesentlich später als für andere Studenten.

Bleibt auch die Bildung auf der Strecke?

Ski-Leistungssport ist mit einem Hochschul-Studium sehr schlecht vereinbar. In den letzten fünfzig Jahren war Kilian Albrecht Österreichs einziger Skiakademiker mit Abschluß. Seitens des ÖSV erhielt er keinen Support für seinen Bildungsweg. Im Gegenteil – er wurde oft als „Gstudierter“ abqualifiziert.

Strikte Linie statt Kurvendiskussion

Die ÖSV Einstellung zu Bildungsangelegenheiten hat Peter Schröcksnadel auf den Punkt gebracht. Seine Antwort auf die Anregung einer ehemaligen Rennläuferin, man möge doch Kooperationen mit Unis erwägen um jungen Sportlern bessere Bildungschancen einzuräumen: Wir brauchen keine Akademiker sondern Weltmeister!

Arroganz & Hintertür als Hauptportal für Nachwuchs-Sorgen

Noch glänzen sie gerne, Funktionäre und rot-weiss-rote Hurra-Patrioten, als Weltbeste im Alpinen Skirennsport. Selbstverständlich ohne zu hinterfragen, wie groß und weit die Ski-Welt wirklich ist. Doch wenn Nachwuchstalente weiterhin schlecht behandelt, ja gar als Ski Kanonenfutter verheizt werden, wird diese Welt immer weniger attraktiv. Für Athleten, für Zuschauer und letztendlich für Sponsoren.

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