Skisport quo vadis

Skisport quo vadis?

Enthusiastisch setzen Österreichs Ski-Moderatoren den Winterbeginn mit dem Saison-Auftakt des Ski-Worldcups gleich. Damit er neben den sportlichen Athleten Leistungen und leider auch Verletzungspech, nicht aus dem Blickfeld gerät, kurvt auch Präsident Schröcksnadel zu Saisonbeginn von einer Pressekonferenz zur nächsten. Natürlich um den Skisport zu retten.

Peter der Retter

Nachdem sich Schröcksnadel gerne als Retter des Frauen-Rennsports im Speziellen und des Skirennsports im Allgemeinen sieht, jüngst Anna Fenninger erfolgreich aus den Klauen des bösen deutschen Managers gerettet hat, geht’s jetzt um die Errettung des Abfahrtslaufs.

Olympia Abfahrt vor dem aus?

Kürzungspläne des IOC bedrohen die traditionellen Disziplinen und Sportarten bei olympischen Winterspielen. Der Alpine und Nordische Rennsport sind davon betroffen. Aus Kostengründen stehen bei den Alpin-Spezialisten vor allem die Abfahrt und der Super-G unter Beobachtung.

Skispiele am Idiotenhügel

Die Winterspiele 2018 im koreanischen Pyeongchang werden von diesen möglichen Änderungen noch nicht betroffen sein, 2022 in Peking könnte das allerdings schon anders aussehen. Die alpinen Pisten werden 40 Kilometer entfernt von Peking in der Region Yanqing gebau. Eine Abfahrtsstrecke ist auf dem mit 2180 Meter höchsten Berg geplant.

Der vorgeschriebene Höhenunterschied von 800 Metern wird unter Kulanz erreicht. Schnee ist hier Mangelware, er wird ausschließlich aus Maschinen stammen. Kritiker sprechen von Ski-Bewerben auf Idiotenhügeln. Doch das IOC hatte keine Alternative.

Kohle statt Schnee

Nach etlichen Rückziehern – unter anderem auch von Oslo – blieb nur noch die Wahl zwischen zwei schwierigen Kandidaten: Almaty in Kasachstan, das neben Tradition und einer herrlichen Winterkulisse gravierende Finanzierungsprobleme hat. Und Peking, das keinen Winter-Spirit bietet, dafür einen großen Markt, Millionen potentieller Skifahrer und wirtschaftliche Sicherheit.

Seit sich 1924 284 Zuschauer zur Eröffnungsfeier der ersten Winterspiele in Chamonix einfanden, hat sich einiges getan. Von der Erstaustragung der Alpin-Ski-Bewerbe 1936, bis zu den Putin Festspielen in Sotchi – mit zwölf neuen Wettbewerben als bisher größte Erweiterung des Programms. China kündigt bereits an, die Spiele in Russland übetreffen zu wollen.

Gladiatoren statt mündige Athleten

Für das IOC sind die Winterspiele mittlererweile ein schwieriges Zubrot. Kostspielige Anlagen bei weniger Medieninteresse als für Wettbewerbe im Sommer. Dass fairer Sport Sinn und Zweck von Olympia sei, beteuern zwar alle. Gemeint ist es nur selten so.

Immense Einnahmen aus der Rechte-Vermarktung, das millionenschwere Engagement der Sponsoren und der Missbrauch durch politische Systeme stellen die Athleten weit in den Hintergrund. Und für den Profit könnte das IOC nicht nur den Abfahrtslauf opfern, sondern auf Winterspiele zukünftig generell verzichten.

Der olympische Winterzirkus zieht nicht mehr

Tina Weirather bringts auf den Punkt: „Wir sollten nicht darüber diskutieren, ob wir auf die Abfahrt verzichten, sondern warum wir Winterspiele in ein Gebiet geben, in dem es keine Strecke gibt.“ „Weil die Menschen in Wintersportnationen wie Norwegen zwar immer noch den Wintersport liebten, aber keine Lust mehr auf den olympischen Zirkus hätten“, meint Aksel Lund Svindal.

Olympische Spiele ohne Skirennsport sind also denkbar. Skirennsport ohne Abfahrtslauf wohl kaum. Eine der schnellsten unmotorisierten Sportarten hat dem Skifahren immer schon ein besonderes Flair verliehen. Der Abfahrtslauf ist neben dem Slalom – und zu Anfang fast ausschließlich mit ihm als Kombinations-Wertung – die älteste Wettkampf-Form des Alpinen Skisports.

Kaputt reglementiert

Gian-Franco Kaspers Aufschrei und Schröcksnadels Reformansätze zur Rettung der Speed-Bewerbe zeigen eines klar auf: der Skisport wurde von Präsidenten und Funktionären bereits fast zu Tode reglementiert. Die Riesenslalom-Bewerbe in Sölden und Verletzungen davor, zeigen deutlich, dass die Material-Regeln im Riesentorlauf – wie erwartet – nach hinten losgingen.

Dass der Slalom so attraktiv wie noch ist, liegt nicht zuletzt daran, dass hier die Carving-Technologie für einen Ausdruck an Dynamik sorgt, der auch das Laienpublikum fasziniert. Die flüssige Dynamik ist im Riesenslalom einem Kraftakt gewichen, den nur mehr die Besten halbwegs ansehnlich vollbringen.

Ignorierte Vorschläge, entmündigte Athleten

Seit Jahren liegt der Vorschlag von Athleten zur Veränderungen der Luftdurchlässigkeit an Abfahrtsanzügen bei der FIS. Dadurch ließe sich eine Geschwindigkeitsreduktion erzielen, mit der auch wieder auf abwechslungsreichen Strecken sicheres abfahren möglich wäre.

Hannes Reichelt, ÖSV Routinier und FIS Athletensprecher, kritisierte gemeinsam mit seinem internationalen Kollegen-Kreis den Rennkalender beim FIS Frühlingsmeeting heftig. Erfolglos wie schon bisher, denn die Athletenvertreter haben noch immer kein Stimmrecht bei Fragen, die sie zutiefst betreffen.

Nicht noch ein bisserl mehr vom alten Kram, meine Herren!

Es ist nicht das mangelnde Medien-Interesse, das eine Krise im Skirennsport heraufbeschwört. Dem mangelnden Interesse kann auch nicht durch permanente Anpassung des Reglements und Renn-Kalenders an Sendezeiten entgegengewirkt werden.

Es ist Zeit, dass die Athleten mitbestimmen und Fehlentwicklungen des Skirennsports durch alternde Funktionäre endlich ein Ende nehmen!