Macht und Gier in Oesterski - Pic by Adrián Lipcsei via Fotoliareich

Macht und Gier im Ski Österreich

Der Rechnungshof hat dem Nationalrat am 19.11.2015 seinen Bericht über die öffentlichen Investitionen für die Alpine Ski-WM 2013 in Schladming vorgelegt. Darin kritisieren die Prüfer – wie schon im Rohbericht – fehlende Kontrolle und mangelnde Transparenz und zweifeln generell die Zweckmäßigkeit einzelner Investitionen an. In Summe flossen laut RH 415,78 Millionen Euro nach Schladming, 250 Millionen direkt aus der öffentlichen Hand, der Großteil, 150 Millionen, kam vom Land.

Öster[ski]reich is a too small country …

Die Prüfer sehen weniger Schladming oder das Land Steiermark als Nutzniesser des Events sondern den ÖSV als grossen Gewinner. Der Bericht zeigt, dass auch Projekte gefördert wurden, für die der ÖSV ohnehin Geld vom Internationalen Skivervand (FIS) bekommen hat.

Rechnungshof-Bericht zum Download

Politiker suchen das Rampenlicht und pfeifen auf Kritik

Schon 2013 wurde Kritik über die steirische Landespolitik laut. Der scharfe Sparkurs der Landesregierung, mit tiefen Einschnitten ins Sozialbudget stand im krassen Gegensatz mit den gepfefferten außerbudgetären Subventionen für die WM. Die Reaktion: Interne Kritiker wurden entlassen.

Der Umgang mit Reklamationen zeigt wie verblendend die internationale Ski-Bühne wirken kann (und sei sie auch noch so unbedeutend für den Rest der Welt).

„Ich kann diese depperte Kritik nicht mehr verstehen, ich bin stolz auf die Veranstaltung.“
Franz Voves – Ex-Landeshauptmann Steiermark – Reaktion auf den ersten und kritischen Rohbericht

ÖSV: Rechtlich gesehen ein Jodel-Club

Der Rechnungshof stellt in seinem jüngsten Bericht zur Ski WM in Schladming unter anderem undurchsichtige Vorgänge fest. Nicht zuletzt weil bis dato noch keine Gesamtabrechnung vom Skiverband vorliegt.  Der Österreichische Skiverband ist in seinen Strukturen ein interessanter Fall. Rechtlich organisiert wie jeder Gesangsverein zwischen Deutsch Jahrndorf und Bangs, agiert er wie ein Wirtschaftsunternehmen. Doch Rechnungshof geprüft werden kann der ÖSV als Verein nicht.

Rechnungshofbericht Alpine Ski-WM
Nicht umfasst von der Gebarungsüberprüfung waren insbesondere der Österreichische Skiverband (ÖSV), die Stadtgemeinde Schladming und die Reiteralm Bergbahnen Gesellschaft m.b.H. (Reiteralm Bergbahnen), weil der RH aus Gründen der Eigentumsverhältnisse und der Einwohnerzahl für diese Rechtsträger nicht prüfungszuständig war.

Der Präsidenten-Zipfel

Zwanzig Millionen Euro soll der Skiverband eingesackelt haben, verraten gut informierte Quellen. Über den Präsidenten-Zipfel etwa, wie die Obersteirer das mit 2,12 Mio geförderte monumentale Skygate im Zielraum betiteln. Abgerechnet haben den ‘Zipfel’ die Planai-Bahnen, finanziert hat ihn letztlich die öffentliche Hand, hauptsächlich das Land Steiermark. Die VOEST zahlte dafür Pacht, laut Konzern-Angaben eine sechsstellige Summe. Der Pachtzins ging an Schröcknadels ÖSV.

Bewährte Alpin-Disziplin: Über den Tisch ziehen

Präsident Schröcksnadel hat wieder einmal ein bemerkenswertes Konstrukt etabliert. Baumaßnahmen wurden üppig und sogar doppelt von der öffentlichen Hand und der FIS gefördert. Durch jeden Verzicht des Sportministeriums auf Gesamtkostenaufstellungen wurde diese jetzt massiv vom Rechnungshof kritisierte Praxis ermöglicht. Schröcksnadel hat es wieder einmal geschafft: Die Kosten von Großveranstaltungen trägt die öffentliche Hand, die Gewinne werden privatisiert und der ÖSV kassiert.

Hinschaun und fragen: Gemmas an!

Mit dem nun vorliegenden Rechnungshof-Bericht kann es wohl nicht getan sein. Auf der einen Seite werden Forderungen laut, die Finanzgebahrung des „Reformduos“ Voves & Schützenhöfer im Zusammenhang mit der üppigen Finanzierung des „regionalen Größenwahns“ (Jochen Pildner-Steinburg, Präsident Industriellen-Vereinigung Steiermark) streng zu prüfen.  Auf der anderen Seite bleibt es in gewohnter Manier um den ÖSV still. Dabei gäbe es so viele offene Fragen an Schröcksnadel und sein Umfeld.

Da wäre einmal die Eröffnungszeremonie

Abgesehen davon, dass die provinzielle Folkloreshow eher zum Wegschauen veranlasste, wäre das auf rund 1,5 Millionen Kosten geschätzte (die Eröffnungszeremonie ist nicht Gegenstand des Rechnungshof-Berichts) Spektakel aus anderer Perspektive durchaus einen Hingucker wert. Verantwortlich für die Show war das Organisationskommitee, 53 Personen, vorwiegend ÖSV Mitarbeiter unter Leitung von Präsident Schröcksnadel persönlich. Begrüßt bei der Eröffnung hat letzteren die Moderatorin mit folgendem Satz:

„Meinen Damen und Herren … nun darf ich jenen Mann begrüßen, der diese WM nach Schladming in uneigennütziger Absicht gebracht hat … Peter Schröcksnadel“…

ÖSV & Nepotismus – ein Beispiel von Freunderl-Wirtschaft

Aufgefallen ist im Zusammenhang mit der selbstlobhudelnden Eröffnungsfeier die „betreuende Agentur“. Sie ist im Ranking der erfolgreichsten österreichischen Eventagenturen gar nicht aufgelistet und führt als einzige Referenz auf ihrer Website die Organisation von Cricket-Turnieren an. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich die Inhaberin der Einzelfirma, Public-Relations-Beraterin Petra Stifel-Schmitt, ausgezeichnet mit Peter Schröcksnadel versteht.

Schelm wer da denkt, dass sich Frau Stifel-Schmitt als Schröcksnadels gute Freundin und Geschäftsführerin der Impact Merchandising GmbH, die für  den Vertrieb der ÖSV Merchandising Artikel zuständig ist, nicht sonderlich um neue Kunden bemühen muss. Dafür  spricht jedenfalls die Website der „Event Agentur“. Die Infos dort sind eher dürftig und auf eine so prominente Referenz wie die Ski WM wird kaum Wert gelegt.

Das Privatleben der beiden bereits für die Eröffnungszeremonie der nordischen WM 1999 gemeinsam Ausgezeichnten, interessiert hier nicht. Spannend wäre allerdings die Frage ob zur Organisation des Schladminger Eröffnungsevents noch andere Agenturen Konzepte präsentieren durften.

Darfs sonst noch was sein?

Wieviel erhielt Veranstalter ÖSV vom Internationalen Skiverband FIS für die Ausrichtung der Wettbewerbe? Es dürfte sich um 44 Millionen Schweizer Franken handeln. Im FIS-Vertrag, den der ÖSV der Stadt Schladming vorlegte, war der den ÖSV betreffende Teil unleserlich gemacht worden.

Geld hats gern finster

Der ÖSV habe die Ski-WM in Schladming auf eigenes Risiko veranstaltet und ein eigenes Budget für die Organisation auf die Beine gestellt, heisst es von Verbandsseite. Die fertige Bilanz der Weltmeisterschaften liege zwar vor, aber über Gewinn oder Verlust werde man keine Auskunft geben: “Das geht niemanden etwas an, wir haben ja auch das Risiko immer selber getragen.”

Es mag rechtens sein, fühlt sich aber falsch an

Der Geltungsdrang von Präsident Peter Schröcksnadel, der durch den Rechnungshofbericht noch deutlicher wird, ruft ein mulmiges Gefühl hervor. Ski-Österreich hängt in einer Endlosschleife von wedelnden Winterklischees. Die einen sonnen sich darin. Zahlen dürfen die anderen. Zeit für einen Gesinnungswandel? Fair Play vielleicht, statt Go for Gold um jeden Preis.

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