Rechtsaussen - Nationalismus im Sport

Rechtsaussen

Während Romantiker der verklärten Vorstellung vom völkerverbindenden Sport nachhängen, zeigt sich auf Sportstätten und Nebenschauplätzen ein anderes Bild. Die gegenwärtige Struktur des internationalen Spitzensports scheint eher nationalistische und ethnozentrische Tendenzen zu begünstigen als zu ihrem Abbau beizutragen.

Nacer Barazite ist ein niederländischer Fussballprofi. International bewährt hat er sich als Mittelstürmer. Mit der Position Rechtsaussen hat er weniger als Flügelspieler Bekanntschaft gemacht als jüngst in einer Kontroverse die er entfacht hat. Als Muslim, der sich nach den Regeln des orthodoxen Islam richtet, verweigerte der Profikicker den Handshake mit einer Fox Sports Reporterin. Die vermeintlich abwertende Geste einer Frau gegenüber, sorgt nun für heftige Kritik und deftige Äusserungen.

Kritik an Barazite auf Facebook

Sport, Ausgrenzung und Nationalismus

Die populären Haltungen gegenüber Muslimen und dem Islam erschaffen ein Klima, in dem sich die hässliche Geschichte Europas wiederholen könnte. Eine Geschichte, die stark mit dem Sport verwoben ist. „Turnvater“ Jahn schuf bereits vor 200 Jahren eine nationalistische Sportumgebung. Rund 100 Jahre später führte der Deutsche Alpenverein den Arier-Paragraphen ein. 1923 wurde er in die Verbands-Statuten des Österreichischen Skiverbands aufgenommen.

So was darf in Europa kicken?

Während des NS Regimes durften Menschen wegen ihrer Religions- und Ethnien-Zugehörigkeit nicht an an olympischen Spielen teilnehmen. Mehr noch, die Nationalsozialisten sprachen ihnen sogar ab Menschen zu sein. Semantisch bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist die Wortwahl des Facebook-Posters, der einen Sportler zum Ding degradiert.

Neues Feindbild

Anstelle der Juden werden jetzt Muslime von Parteien und Politikern wie Heinz-Christian Strache und dem Niederländer Geert Wilders als Gefahr für das „christliche, supra-nationalstaatliche Projekt Europa“ konstruiert, meint Matti Bunzl in einem Interview mit „Der Presse“.

Bunzl, Anthropologe und Kulturwissenschaftler verortet hinter der reaktionären Position eine Strategie der „Far Right“. Mit dem Ziel die ganze muslimische Community auf radikalen Islamismus zu reduzieren. Der Rechten geht es nicht darum, die Lebenswelt der Menschen, die sich vom Islam gefährdet fühlen, zu verändern, sondern Kapital daraus zu schlagen.

Verstehen statt dämonisieren

Ein Blick auf die Integrationsdebatte macht klar, dass zur Integration, Assimilierung oder Akkulturierung ein Prozess, der auf gegenseitigem Verständnis beruht, notwendig ist. Zum aktuellen Beispiel: Für orthodoxe Muslime, übrigens auch für strenggläubige Juden, ist es unhöflich mit einem Menschen anderen Geschlechts einen Handshake einzugehen. Soviel Verständnis sollte eine smarte Reporterin aufbringen, zumal sie der Fussballverein extra darauf hingewiesen hat.

Keine Verschwörungstheorie

Oder sollte man versuchsweise hinterfragen ob dieser Handshake-Versuch denn wirklich so blauäugig war wie Frau Hendriks Sehorgan? Ihr oberster Boss, Richard Murdoch, ist es zumindest ebenso wenig wie ein Freund des Islams. Aber das lassen wir an dieser Stelle wohl lieber sein. Besonders im Sport, wo unterschiedliche Kulturen so unmittelbar aufeinander treffen, sollten wir versuchen soziale Probleme affirmativ zu lösen.

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