Kalt ist nicht cool - Vorbeugen ist besser

Zu kalt beim Skifahren?

Beim Gedanken ans Skifahren wird es vielen richtig warm ums Herz. Dann aber, hoch droben am Berg kann die Kälte jede Freude vermiesen. Zu kalt beim Skifahren wird es aber nicht nur Warmduschern. Wenn die Temperatur in den zweistelligen Minusbereich sinkt, ist meistens Schluss mit lustig.

Zu blöd, weil gerade staubtrockner Schnee und klares Kälte-Wetter besonders schöne Bedingungen bieten. Deshalb ist es ist wichtig ein wenig über Frost und Kälte zu wissen und Vorkehrungen zu treffen.

Wetter & Temperaturen am Berg

Im Gebirge herrschen oft sehr große Temperatur-Unterschiede während des Tagesverlaufs. Die große Differenz zwischen Mittags- und Nachttemperatur ist dafür verantwortlich; auch die Temperaturspanne zwischen Sonnen- und Schattenseiten. Oft gibt es auch kurzfristige, wetterbedingte Temperaturwechsel.

Blizzard artiger Schneesturm ist in den Alpen keine Seltenheit.

Unbedingt beachten sollte man, dass es am Berg in der Regel kälter ist als im Tal – pro 1000 Höhenmeter um ca. 6 Grad. Der vertikale Temperatur-Gradient wird nur bei Inversions-Wetterlagen umgekehrt.

Extreme Kälte in den Alpen entseht meistens durch hochreichende Kaltluft aus dem Polargebiet. Wenn im Tal Temperaturen um oder unter -20 Grad herrschen, wirds in größeren Höhenlagen richtig ungemütlich. Zur Kälte kommen dann in exponierten Lagen oft Schneestürme, die durchaus Blizzard-Dimensionen erreichen können.

Von Skifahren am Gletscher ist dann abzuraten. Kinder sollten generell bei übermässiger Kälte nicht auf die Piste.

Wind-Chill – Wenn der Fahrtwind gefährlich wird

Beim Skifahren und Snowboarden sind die Gesichtspartien besonders gefährdet. Eine rasante Abfahrt kann bei tiefen Temperaturen für die Gesichtshaut zum Verhängnis werden.

Minus 20 Grad und 60 km/h ergeben gefühlte minus 36 Grad und minus 25 Grad und 70 km/h Wind lassen die gefühlte Quecksilbersäule auf minus 44 Grad sinken. Nur wenige Minuten reichen der ungeschützten Haut bei diesen Temperaturen um sich Kälte-Ekzeme oder gar irreparable Erfrierungen zuzuziehen.

Windchill Tabelle fuer Skifahrer

Windchill Kalkulator (englisch)

Besonders in Zusammenhang mit Wind ist Feuchtigkeit – egal ob durch Schwitzen oder von aussen – ein grosser Kältefaktor. Die Verdunstung auf der Haut, kühlt den Körper sehr rasch ab.

Alkohol – Frostschutz nur für die Wisch-Waschanlage

Entgegen der gängigen Meinung – „Ein Schnapsl zum Aufwärmen“ – fördern Jaga-Tee und Co die Entstehung von Erfrierungen und Unterkühlung. Alkohol führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße. Durch diese Gefäßerweiterung gelangt mehr Blut in Bereiche der Hautoberfläche. Der Körper gibt dann schneller Wärme ab. Das bedeutet, dass man schneller friert – im Extremfall sogar stark unterkühlt.

Ein Schluck Alkohol zum Aufwärmen ist nur ratsam, wenn er zum Abschluß des Skitags in der warmen Hütte getrunken wird.

Subjektives Kälteempfinden

Unabhängig von meteorologischen Einflüssen ist die Kälteempfindung von der individuellen Konstitution abhängig. So frieren Frauen eher als Männer, da sie weniger von der besonders gut durchbluteten Muskelmasse besitzen.

Kleine Körper leiden eher unter Kälte, da sie im Verhältnis zu großen mehr Wärme abgeben. Besonders gefährdet für Kälteschäden sind Kinder unter acht Jahren. Ältere Menschen sollten wegen nachlassender Abwehrreaktionen bei Kälte besonders auf sich achten.

Menschen mit geringer Schilddrüsenaktivität, niedrigem Blutdruck und Diabetiker frieren schneller als Menschen mit normalen Werten weil die Körper nicht so gut durchblutet werden. Auch Rauchen, bestimmte Medikamente, Unterernährung oder Erschöpfung können sich negativ auf die Kälteresistenz auswirken.

Zu kalt beim Skifahren – Vorbeugung nicht nur für Weichlinge!

Das Problembewußtsein für Kälte am Berg ist wichtig. Kälteschäden stellen sich meistens langsam und schleichend ein. Das tückische an Erfrierungen ist, dass man sie oft nicht früh genug bemerkt, weil die gefühllosen Körperteile nicht weh tun. Auch Warnsignale für Unterkühlung werden übersehen oder nicht ernst genommen.

Sobald man weisse Flecken auf der Haut oder Benommenheit beim Wintersport-Partner bemerkt, heisst es ab in die warme Hütte!

Ein regelmäßiger Partnercheck ist besonders wichtig!

Kaelteschutz ist wichtig beim Skifahren

Warme Kleidung in mehreren Lagen ist selbstverständlich. Sie sollte auch gegen Wind perfekt schützen. Kleidung und Skischuhe dürfen nicht zu eng sein, damit sie nicht die Blutzufuhr abdrücken.

Zwiebel-Look ist die beste Lösung bei Kälte!

Zehen möglichst immer in Bewegung halten – dafür sollte in jedem Skischuh etwas Platz vorhanden sein. Extra Socken bewirken übrigens genau das Gegenteil. Eine Skischuh-Heizung oder Neopren Galoschen halten extra warm.

Zu dicke oder ein zweites Paar Socken engen ein und vermindern die Durchblutung!

Fäustlinge sind der bewährte Frostkiller für die Hände. Obendrein kann man Handwärmer einpacken. Ohne Skistöcke werden die Finger weniger kalt.

Warme Hände zum Skifahren begreifen!

Besonders wichtig ist eine warme Kopfbedeckung. Zwar ist der Mythos widerlegt, wonach über den Kopf die meiste Wärme verloren geht. Allerdings sitzen in der Kopfhaut viele Nervenenden – wir merken daher besonders schnell, wenn es dort kalt wird. Ungeschützte Ohren sind besonders anfällig für Erfrierungen.

Kopf & Ohren mögens warm!

Beim Skifahren und Snowboarden ist ungeschützte Haut, besonders das Gesicht, durch Kälte, Fahrtwind, UV-Strahlung und Schwitzen besonders dem Risiko von Kälteekzemen, oberflächlichen Erfrierungen und Gefäßschäden ausgesetzt.

Als Kälteschutz taugen Sonnencremes ohne Wasser. Im Extremfall und für empfindliche Haut sind Gesichtsmasken ratsam. Gut schliessende Skibrillen sind bei Kälte ebenso wichtig wie bei Sonne.

Haut und Augen schützen!

Da eine Hauptgefahr von Erfrierungen in der Dehydrierung besteht, sollte man auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Kälte erhöht den Energiebedarf enorm. Leichte Mahlzeiten – Suppen, Eintopf etc. – sind wichtig. Auch ein wenig Schärfe wirkt wärmend. Kühlende Nahrungsmittel wie etwa Joghurt, Buttermilch und Salat sind bei kaltem Wetter nicht zweckmässig.

Essen und viel trinken nicht vergessen!

Besonders bei Pausen, oder wenn man irgendwo steht, sollte man das Geischt vom Wind wegdrehen und Hände und Füße möglichst der Sonne zuwenden. Tourengeher sollten auch beachten, dass es in einer Spur im tiefen Schnee schattig ist. Die Ausrichtung der Füße bewirkt einen Unterschied.

Sonne und Windschatten suchen!

Erste Hilfe: Die richtigen Maßnahmen bei Erfrierung und Unterkühlung

Wichtig: Als Laie kann man oft nicht erkennen, wie schlimm eine Erfrierung ist und ob der Betroffene auch unterkühlt ist. Deshalb professionelle Hilfe suchen.

Euro Notruf 112

Erfrierungen

Beim Erfrierungsvorgang handelt es sich um einen lokal begrenzten Kälteschaden ohne Abkühlung des Körperkerns. Es kommt dabei nicht nur zu Eiskristallbildung, Zellschädigung oder gar Absterben, sondern auch immer zu einer schweren Durchblutungsstörung der angrenzenden Bezirke. Besonders gefährdet sind Zehen, Finger, Nase, Ohren infolge großer Oberfläche und schlechter Blutversorgung.

Der Betroffene ist normal ansprechbar, zittert und hat vermutlich erfrorene Körperstellen, dann heisst es rasch den nächstgelegenen warmen Platz aufsuchen – zum Beispiel in der Liftstation, Ski-Hütte oder im beheizten Auto. Behutsam Schmuck und nasse Kleidung ausziehen und die erfrorenen Körperteile vorsichtig erwärmen.

Vorsicht:

  • Erfrorene Körperteile nicht mit Schnee einreiben.
  • Keine Blasen öffnen, dies kann zu Infektionen führen.
  • Der Betroffene sollte nicht rauchen, da dies die Blutgefäße verengt.
  • Betroffene Stellen vorsichtshalber nicht massieren, da dies bei schwereren Erfrierungen schaden kann.
  • Die Haut nicht mit trockener oder zu starker Hitze erwärmen – also zum Beispiel durch einen Fön, ein Heizkissen, Kaminfeuer oder an der Heizung. Da die erfrorene Haut ohne Gefühl ist, kann es zu Verbrennungen kommen.
  • Befindet sich der Verletzte im Freien und muss dort bis zur Rettung bleiben, dann besser nicht versuchen, die erfrorenen Gliedmaßen zu erwärmen. Denn friert das Gewebe erneut ein, kann es schwer beschädigt werden.
  • Eine wärmende Decke und trockene Kleider empfehlen sich aber in jedem Fall.
  • Aktive Bewegung und vorsichtige Massage sind nur sinnvoll, wenn keine allgemeine Unterkühlung vorliegt!
  • Erfrierungen dürfen nur behandelt werden, wenn keine allgemeine Unterkühlung vorliegt und ein Unterkühlter bereits erfolgreich wiedererwärmt worden ist!

Erfrierungen im Gesicht – meist rundliche weiße Flecken an Nase, Wangen oder Ohren – werden durch Auflegen von warmen Händen erwärmt. Das Gleiche gilt für gefühllose Zehen. Ein Auftauen in der Achselhöhle oder zwischen den Oberschenkeln kommt vor allem für taube Finger und Hände infrage. Chemische Wärmebeutel sollten nur bei beginnender Erfrierung eingesetzt werden.

Die weitere Behandlung zum Auftauen der erfrorenen Körperstellen ist nur in Unterkünften mit günstigen äußeren Bedingungen – Ski-Hütte, Gasthaus, Hotel – sinnvoll. Dann ist auch die Einnahme von kleinen Mengen Alkohol empfehlenswert, da er durch seine starke gefäßerweiternde Wirkung die Durchblutung im Gewebe fördert.

Am günstigsten, vor allem bei frischen Erfrierungen, ist das Auftauen der erfrorenen Körperteile in einem Bad mit körperwarmem Wasser unter aktiver Bewegung. Vorsicht nicht zu heiß! Bei Erfrierungen ist auch die Hitzeempfindung gestört.

Auftauen kann sehr schmerzhaft sein, deshalb am besten mit Schmerzmitteln und, falls möglich, unter ärztlicher Kontrolle durchführen.

In Österreich oder Bayern haben die Auftau-Schmerzen einen eigenen Namen: Wenn jemand fragt ob man einen festen Hurnågl, Onigl, Honigl, oder Hoanigl hat, meint er ob man die Schmerzen noch aushält … 🙁

Begonnen wird mit lauwarmem Wasser. Unter aktiver Bewegung der Finger oder Zehen wird laufend etwas wärmeres Wasser nachgegossen. Das Bad kann beendet werden, wenn eine rosige Hautfarbe auftritt, das Gewebe ganz aufgetaut ist und auch wieder Bewegungen möglich sind, spätestens jedoch nach 30 Minuten, damit es zu keiner Hautaufweichung kommt.

Bei oberflächlichen Erfrierungen kehrt das Gefühl nach dem Auftauen schnell zurück, bei tiefen Erfrierungen nicht.
Kehrt das Gefühl nicht zurück und sind Blasen entstanden unbedingt Arzt aufsuchen!

Unterkühlung

Die optimale Betriebstemperatur für den Menschen beträgt im Körperinneren 37 Grad Celsius. Sobald sich an dieser Kerntemperatur nur leicht etwas verändert, reagiert der Körper automatisch. Ab einem halben Grad Untertemperatur beginnt man zu frieren, man bekommt Gänsehaut.

Das ist ein Relikt aus den Zeiten, als der Mensch noch ein Fell hatte und damit ein Luftpolster gegen den Frost erzeugen konnte. Die Blutgefäße unter der Haut und nahe der Körperoberfläche ziehen sich zusammen. Arme, Füße, Nase werden kalt. Der Körper versucht die Wärme in den lebenswichtigen Organen zu halten, fürs Überleben „Unwichtiges“ wie Arme und Beine werden vernachlässigt.

Echte Unterkühlung – Hypothermie – wird in vier Stadien eingeteilt und beginnt bei zirka 35 Grad Körpertemperatur. Zittern ist das deutliche Zeichen für das erste Stadium von Unterkühlung: Um Energie zu mobilisieren, beginnen sich die Muskeln automatisch zu bewegen um Wärme von innen zu erzeugen.

Sinkt die Körpertemperatur unter 32 Grad, hört das Zittern auf. Die Muskeln versteifen, die Kälte betäubt die Nervenbahnen der Unterkühlte nimmt eventuelle Schmerzen nicht mehr wahr.

Bei einer Körpertemperatur unter 29 Grad verliert der Mensch das Bewusstsein. Bei welcher Körpertemperatur genau der Tod einsetzt, ist jedoch individuell verschieden, es gibt dokumentierte Fälle, bei denen Menschen mit einer Körpertemperatur von 26 Grad noch gerettet werden konnten.

Leichte Unterkühlung ohne besondere Ursachen kommt beim Skifahren etwa durch nasse Kleidung oder exponierte lange Liftfahrten zustande. Sie ist so unangenehm, dass jeder halbwegs vernünftige Wintersportler einen „Einkehrschwung“ einlegen wird.

Schwere Unterkühlung von Schneesportlern geht oft Hand in Hand mit Verletzungen, die den Betroffenen bewegungsunfähig im Schnee festhalten, Lawinen-Verschüttungen oder Stürze in Gletscherspalten.

  • Ist jemand verletzt und kann nicht sofort ins Warme gebracht werden, dann muss er vor Wind und kaltem Untergrund geschützt werden. – Rettungsfolie, Decke, Jacken von Kameraden …
  • Notruf 112 anrufen!
  • Wer leicht unterkühlt ist, also unter anderem zittert, aber normal ansprechbar ist, sollte sofort vor der Kälte geschützt werden.
  • Den Unterkühlten an einen warmen Ort bringen.
  • Nasse Kleidung ausziehen.
  • Den Betroffenen in Decken einpacken, eine Mütze über den Kopf ziehen.
  • Warme gezuckerte Getränke – ohne Alkohol! – helfen, den Körper wieder aufzuwärmen.
  • Ist der Betroffene schläfrig oder verwirrt, dann zudecken, ihn möglichst wenig und warten auf den Rettungsdienst warten.
  • Vorsicht: Ist der Unterkühlte kaum noch bei Bewusstsein und zittert nicht mehr, dann darf man nicht versuchen ihn aufzuwärmen. – Weder massieren noch auf andere Weise Wärme zuführen. Ist der Körper bereits zu sehr unterkühlt, kann es dadurch zum sogenannten Bergungstod kommen. Kaltes Blut aus den Gliedmaßen kann sich mit warmem Blut aus dem Körperstamm vermischen und zum Kreislaufschock führen. Allerdings gilt auch hier: eine warme Decke hilft ebenso wie das Wechseln nasser Kleidung.
  •  Hat der Betroffene das Bewusstsein verloren und atmet nicht mehr, muss eine Herzdruckmassage vorgenommen werden.
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