Skifahren am Gletscher - was ist anders?

Skifahren am Gletscher

Skifahren am Gletscher ist längst nicht mehr so exotisch wie in den 1960er Jahren als die ersten Ski-Lifte im ewigen Eis errichtet wurden. Doch es ist immer noch ein hochalpines Erlebnis. Für unbeschwerten Hochgenuss, sollte man ein paar Dinge wissen und beachten.

  • Skifahren am Gletscher, was ist anders?
  • Schnee & Wetter
  • Timing
  • Equipment

Skifahren am Gletscher, was ist anders?

Wenn man die Berge liebt, akzeptiert man auch, dass sie die Bedingungen stellen.

Die Höhenlage

Primär macht den meisten Menschen die Höhe und die damit verbundenen Veränderungen der Umwelt-Bedingungen zu schaffen. Je größer die Höhe, desto weniger Luft steht dem Körper zur Verfügung – und da die Zusammensetzung der Luft sich nicht ändert (es sind immer 21% Sauerstoff), steht also entsprechend weniger Sauerstoff zur Verfügung.

Fährt man mit der Seilbahn auf über 3000 m Seehöhe, entsteht ein spürbares Sauerstoffdefizit. Schnellere Atmung und erhöhter Puls sind die Folge.

Der Energie- und Flüssigkeitsbedarf  ist in größeren Höhen gesteigert.

Veränderungen im Stoffwechsel zeigen sich in verstärktem Harndrang und Höhen-Flatulenz.

Kälte und UV Strahlen können am Gletscher zu unangenhemen Folgen führen, wenn man sich nicht vorsieht.

Die extreme Umgebung

Auch die komfortabelste Gletscherbahn bringt Besucher nicht in ein Winter-Wunder Disneyland. Wer zum Skifahren auf den Gletscher fährt, sollte nie vergessen, dass er sich in einer Umgebung befindet, die als Habitat für höhere Lebewesen völlig ungeeignet ist.

Die Bewirtschaftung von Gletschern birgt enorme Herausforderungen. Nicht zuletzt durch ihre ständige Bewegung. Die Fliessgeschwindigkeit von Alpengletschern kann bis zu 150m im Jahr betragen. Das ist einer der Gründe warum den Gletscherskifahrer nicht hinter jeder Kurve eine warme Skihütte erwartet.

Dringende Bedürfnisse wie Aufwärmen, Essen & Trinken und nicht zu vergessen, der Gang auf die Toilette sollten etwas längerfristig geplant werden als in tieferen Skiregionen.

Keine Toiletten am Gletscher

Das kann brenzlig werden, wenn man es eilig hat!

Besonders beachten muss man auch, dass man sich auf ewigem Eis bewegt und abseits der Pisten nicht nur Lawinengefahr besteht, sondern unter der verlockenden Schneedecke Gletscherspalten lauern.

Am Gletscher muss man das ganze Jahr über mit Lawinengefahr rechnen!

Gletscherspalten sind besonders nach den ersten Schneefällen im Herbst tückisch. Die dünne Schneedecke verdeckt sie, kann aber das Gewicht eines Skifahrers nicht tragen.

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Schnee & Wetter

Sonnenschein und Gletscherwind unsere Kameraden sind …

Schnee

Frischer Schnee ist trotz der einfallsreichen Kultivierung von Gletscherpisten durch nichts ersetzbar. Oberhalb der Baumgrenze fällt er in den Alpen oft schon im September. Verlassen kann man sich auf Frau Holle um diese Jahreszeit aber noch nirgendwo. Was vor einigen Jahren noch grotesk erschien, ist normal geworden: Betreiber von Gletscher-Skigebieten müssen den Schnee mit Maschinen erzeugen, ihn im Winter in Depots konservieren und im Sommer mit Planen gegen Sonneneinstrahlung schützen.

Auch die Schneequalität ist nicht berechenbar. Es gibt Sommer-Wetterlagen mit Neuschnee und genauso Hitze, die blankes Eis frei legt. Die Palette im Herbst reicht von eisigen Hängen über frühlingshaften Firn bis zu traumhaftem Powder. Die besten und konstantesten Schneebedingungen findet man am Gletscher im Frühling. Von März bis Ende Mai, manchmal bis in den Juni hinein ist auf hochalpinen Hängen Firnzeit. Berücksichtigen sollte man allerdings, die Schneeumwandlung. An Frühlings-Morgenden kann es oft pickelhart sein.

Zuverlässig Information über die Schnee-Höhen in Österreich erhält man auf der Website der ZAMG (Zentralanstalt für Meterologie & Geodynamik).

Sonne

Der Herbst in den Alpen beginnt meistens mit dem Altweiber-Sommer. Das bedeutet milde Temperaturen, trockene klare Luft mit atemberaubender Fernsicht und idealen Lichtverhältnissen zum Skifahren von früh bis spät. Ab November scheint statistisch gesehen aber nur mehr ein Viertel des Tages Sonne.

Das bedeutet ab 15 Uhr wird das Licht „flach“. Die Sichtverhältnisse in der kontrastarmen Gletscherlandschaft sind dann alles andere als ideal. Das sollte man besonders gegen Ende des Skitags beachten. Müdigkeit und schlechte Sichtverhältnisse sind eine schwierige Kombination.

Ab der Wintersonnenwende werden die Tage länger. So richtig hell wird es um „Lichtmess“; ab Anfang Februar strahlt die Sonne mit den Skifahrern um die Wette.

Temperaturen

Im September liegt die monatliche Durchschnittstemperatur kaum noch über Null Grad Celsius. Im Oktober wird ein Mittelwert von knappen minus drei Grad verzeichnet und im November ist es mit durchschnittlich Minus acht Grad schon winterlich kalt.

Im Winter kann es am Gletscher bitter kalt sein. Das berüchtigte Sibirien-Hoch bringt zwar Sonnenschein aber auch Temperaturen um die -20° Celsius.

Der Frühling und die Kraft der Sonnenstrahlen, bringen neben dem September ideale Temperaturen zum Skifahren am Gletscher.

Die gefühlte Temperatur schwankt im Hochgebirge besonders; durch Sonneinstrahlung angenehm nach oben, bei Wind und Wolken kann es schnell saukalt werden. Besonders auf den Wind sollte man achten. In großer Höhe und exponierten Lagen kann es ordentlich pfeifen.

Zuverlässige Wetter-Prognosen holt man sich am besten bei den Alpinwetter-Profis.

Timing

Zur falschen Zeit am falschen Ort … nichts kann einen Skitag gründlicher vermiesen. Gutes Timing ist besonders in hochalpinen Gefielden wichtig. Das wissen nicht nur Bergfexe sondern auch Skifahrer, die viel am Gletscher unterwegs sind.

Im Herbst ist viel Andrang in Gletscherskigebieten

Im Herbst sind Gletscherskigebiete besonders beliebt.

Andrang im Herbst beachten!

Gletscher-Skigebiete sind besonders im Herbst populär wie nie zuvor. Der Andrang ist an Wochenenden und zu Feiertagen oft massiv. Dazu kommen noch zahlreiche Ski-Teams, die während der Woche ideale Trainings-Bedingungen suchen.

Azyklisch bewegen ist auch auf Gletschern die beste Strategie um dem Mainstream auszuweichen. Wochenenden und Feiertage meiden wenn es geht. Skiopenings wird der Genuss-Skifahrer ganz auslassen.

  • Während der Arbeits-Woche kann man getrost ein wenig später aufstehen. Die Skiteams und Trainingsgruppen bilden bei Betriebsbeginn den ersten Pulk am Drehkreuz der Talstation, danach geht es eher gemächlich zu.
  • An Wochenenden sollte man zu den Ersten zählen: An der Talstation am Morgen, im Restaurant zur Mittagspause, auf der Piste wenn die anderen im Restaurant Schlange stehen.
  • In der Regel sind bei grossem Andrang Schlepplifte empfehlenswert. Sie sind für den Durchschnittsfahrer weniger attraktiv und können weniger Wintersportler befördern. So wird die Wartezeit in der Liftschlange durch relativ freie Pisten belohnt.
Tageszeit
  • Morgenstund hat nicht immer Gold im Mund
    Sofern man nicht auf sehr harte bis eisige Pisten steht, kann man sich im Frühling und Herbst getrost etwas Zeit lassen am Morgen. Wenn man um ca. 10 Uhr auf der Piste steht hat man bessere Aussichten, dass der vom Vortag gefrorene Firn bereits wieder am aufgehen ist.
  • Je wärmer es wird, desto früher heisst es aufstehen. Im Sommer ist das Zeitfenster zwischen eisig und Matsch oft nur sehr kurz.
  • Ab Ende Oktober bis Mitte Jänner sollte man das Ende des Skitags mit ca. 15:00 planen. Danach wird das Licht „flach“ und die Sichtverhältnisse alles andere als optimal.
Jahreszeit
  • Perfekt für den Gletscherskilauf ist der Frühling. Je nach Temperaturen und Witterung von März bis Mai manchmal bis Juni.
  • Falls genügend Schnee liegt, kann es von September bis Oktober wunderbare Bedingungen geben. Immer schön um diese Jahreszeit ist der Fernblick bei konstanter Wetterlage.
  • November & Dezember bringen zwar meistens schon winterliche Pistenverhältnisse mit sich, aber auch massenweise schneehungrige Wintersportler und oft Nebel, Kälte & Schneesturm.
  • An milden Wintertagen ist Gletscherskilauf ein ganz besonderes Erlebnis. Richtig ungemütlich kann es um diese Jahreszeit bei schlechtem Wetter und tiefen Temperaturen sein.

Equipment

Die Zeiten als man zum Skifahren am Gletscher Spezialgepäck im Rucksack mitschleppen musste sind vorbei.

  • Moderner Sonnenschutz – für Haut und Augen – ist absolut gletschertauglich und auch zeitgemässe Bekleidung ist extremen Situationen gut gewachsen.
  • Vermeiden sollte man zu engen Skihaserl- oder kleinkarierten Lederhosen-Look. Beides ist im Hochgebirge nicht zweckmässig.
  • Achten sollte man unbedingt auf windfeste Oberbekleidung und zweckmässige Kopfbedeckung – am besten natürlich einen Helm!
  • Gut getunte Kanten sind besonders wichtig. Eisige Stellen kommen am Gletscher häufiger vor als auf tiefer gelegenen Pisten.
  • Wer Off-Piste fährt hat selbstverständlich die komplette Lawinen-Ausrüstung dabei.
  • Gletscher-Touren und Abfahrten die eine technische Gletscherausrüstung = Seil + Seiltechnisches Zubehör- erfordern, sollte man nur mit einem erfahrenen Bergführer machen!
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