Skiverband Wirtschafts-Studie kritisch hinterfragt

Hinterfragt: Skiverband Wirtschafts-Studie

Schröcksnadel kontert weiter gegen den Rechnungshof-Bericht über die Ski-WM 2013. Nach einem Rundumschlag via Pressekonferenz zieht er nun die Skiverband Wirtschafts-Studie aus dem Talon, die dem ÖSV hohen Anteil an der Tourismus-Wertschöpfung bescheinigt.

Endbericht ÖSV- Wirtschaftsstudie

Der Rechnungshof hat die Ski-WM 2013 in Schladming geprüft und dabei unter anderem zahlreiche Mängel in der Organisation, fehlende Transparenz, fehlende Kontrolle und unzweckmässige Investitionen festgestellt. Dem alleinherrschenden Ski-Chef passt das ganz und gar nicht. Kritik und Gegenrede duldet Schröcksnadel nicht und deshalb schlägt er zurück – mit einer vom ÖSV bezahlten Studie.

Das 75 Seiten starke Papier soll beweisen, dass jeder Euro Subvention an den ÖSV mehrfach zurückfließt. Dort liest man unter anderem, dass beschneite Hänge für die Faszination des Skisports massgeblich sind & die Schneesicherheit in Österreichs Skigebieten für die nächsten Jahrzehnte und darüber hinaus gegeben sei.

Besonders hinterfragenswert in der Skiverband Wirtschafts-Studie

Der von den Aktivitäten des ÖSV ausgehende Werbeeffekt für den Wintertourismus soll auf ausländische Gäste mehr wirken als auf Österreicher.

Jeder, der mit internationalem Wintersport-Publikum zu tun hat, wird darüber den Kopf schütteln. Ski-Rennsport interessiert den größten Teil ausländischer Wintergäste nicht im Geringsten.

In Expertengesprächen wurde der auf die Aktivitäten des ÖSV zurückzuführende Werbeeffekt für die Wintersport-Destination Österreich in einer Bandbreite von 1% bis 7% des Nächtigungsvolumens eingeschätzt.

Nicht näher definierte „Experten“ als Quelle für die Grundlage einer Berechnung sind unseriös!

Schröcksnadels Conclusio bei der Studienpräsentation: Die vom ÖSV ausgelöste Wertschöpfung sei doppelt so hoch wie die WM-Kosten von Schladming.

Der allein vom ÖSV ausgelöste Wertschöpfungseffekt soll demnach bei 880 Mio. Euro liegen. Wir haben nachgerechnet!

„Expertengespräche“ und Statistiken aus 2013, die nicht etwa den Wintersport-Tourismus sondern den gesamten Wintertourismus als Zahlenbasis für die Berechnung heranziehen, veranlassen zum genaueren hinschauen.

Schon auf Seite 1 falsche Zahlen!

Die wintersportbedingten Nächtigungen 2013/14 beliefen sich auf insgesamt 65.559.000; die direkte und indirekte Wertschöpfung durch den Wintertourismus betrug 22.989 Millionen Euro.
(Quelle Endbericht ÖSV- Wirtschaftsstudie – Seite 1)

In der Saison 2014/15 erfolgten weniger als ein Drittel der von Schröcksnadel kolportierten Nächtigungen durch Wintersport 2013/14 – es waren „nur“ 29,7 Mio Übernachtungen. Die Zahl in der Studie bezieht sich auf alle Nächtigungen im Winter, auch von Städte-Reisenden.

Die zahlenmässig mit Abstand führende Tourismus-Destination in Österreich ist auch im Winter Wien. Annähernd 6 Millionen Nächtigungen von insgesamt 66 Mio. wurden im Winter 2014/15 in der Bundeshauptstadt verzeichnet. Extra zum Skifahren nach Wien gereist ist wohl kaum einer.
(Quelle Tourismusstatistik Österreich Werbung)

Rund 12,1 % aller Ankünfte und 23,2 % aller Übernachtungen in Österreich, sind auf den aktiven oder passiven Wintersporttourismus zurückzuführen. Betrachtet man nur die Wintersaison, so erhöhen sich diese Anteile österreichweit sogar auf 23 % bei den Ankünften und 45 % bei den Übernachtungen.
(Quelle Ökonomische Bedeutung des Wintersports in Österreich SpEA SportsEconAustria Institut für Sportökonomie, Wien & IHS Institut für Höhere Studien, Wien)

Die Wertschöpfung durch Wintersport sieht in einer anderen – durchaus Wintersport freundlichen – Studie dementsprechend anders aus:

Im Netzwerk Wintersport werden jährlich 7,11 Mrd. € an Wertschöpfung erwirtschaftet. Inklusive der indirekten und induzierten Effekte beträgt der jährliche Wertschöpfungsbeitrag sogar etwas mehr als 11 Mrd. €.
(Quelle Ökonomische Bedeutung des Wintersports in Österreich SpEA SportsEconAustria Institut für Sportökonomie, Wien & IHS Institut für Höhere Studien, Wien)

Wenn überhaupt 110 statt 880 Millionen

Zückt man nun den Taschenrechner und verändert die Expertenmeinungs-Variable auf einen 1%igen ÖSV Wertschöpfungsanteil kommt man gerade noch auf 110 statt 880 Millionen.

Wo bleibt die Kritik?

Es verwundert, dass bislang kein Aufschrei aus der Touristiker-Community erfolgte und Tourismus-Experten keine Zweifel an den methodischen Grundlagen und den Zahlen der Studie äussern.

Jeder Unternehmer, von der Frühstückspension-Wirtin bis zum Gletscherskigebiets-Inhaber, der vom Wintersport lebt, weiss wieviel Engagement es braucht um neue Kunden anzuwerben und alte Stammgäste zu halten. Auf den Rennsport allein wird sich wohl keiner als Gäste- und Umsatzbringer verlassen.

Steuerzahler, besonders solche im Wintersport-Business, wüssten vielleicht gerne im Detail wie die öffentlichen Mittel für den Skirennsport eingesetzt werden. Und dem einen oder anderen mag es vielleicht seltsam erscheinen, dass der Präsident des Subventionsempfängers ÖSV gleichzeitig in Subventionsvergabegremien sitzt.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar