Schnee-Leopard, das Vorbild fuer Koordination & Skifahren

Skifahren & Koordination

Skifahren & Koordination ist ein komplexes Feld, das wesentlich weniger erforscht ist als andere Aspekte der Kondition. Bei gängingen Methoden zur Steigerung der Koordinationsfähigkeit für Skifahrer, geht es oft nur um Übungen für den Gleichgewichtssinn.

Gute Koordinationsfähigkeit bedeutet aber viel mehr als gut Balance halten zu können. Die gesamte Bewegungssteuerung ist von Koordination abhängig.

Koordination ist die Fähigkeit, Bewegungen, die ein schnelles und zielgerichtetes Handeln erfordern, harmonisch und präzise durchzuführen.

Wesentlich fürs Skifahren

die Differenzierung zweier koordinativer Teilaspekte:

Gewandtheit

Die aufgabengerechte Rumpfbeweglichkeit bzw. die durch Rumpfbewegungen geführte Ganzkörperbeweglichkeit bezeichnet man als „Gewandtheit“ im Sinne von Winden und Wenden des Rumpfes in der aufgabengerechten Fortbewegung und Gleichgewichterhaltung in der Umwelt, im Schwerefeld der Erde.

Geschicklichkeit

Unter Geschicklichkeit verstehen wir die aufgabengerechte Beweglichkeit der Extremitäten, wie der Arme, Beine, Hände, Finger und Füße, sowie in weiterer Folge überhaupt die aufgabengerechte Beweglichkeit peripherer Körperteile, zum Beispiel Kopf, Schulter und Hüfte in der Wechselwirkung mit der Umwelt.

Reihenfolge: Gewandheit vor Geschicklichkeit

In  Zusammenhang mit Neu- oder Umlernen, etwa bei der Lösung von festgefahrenen Bewegungsmustern, ist die Reihenfolge entscheidend. Rumpfbewegungen sind in vieler Hinsicht die fundamentalen Bewegungen, die auch im motorischen Lernen zuerst ausgebildet werden müssen.

Das gilt für Kinder – ihnen braucht man aber meistens nur „freien Lauf lassen“ – und noch mehr für den Erwachsenen, da er in vielen Fällen durch Lebensumstände und Erziehung viel mehr in Richtung „Werkzeuggebrauch“ als „Körperspiel“ geprägt ist.

„Wird an einen Anfänger sofort die Geschicklichkeitsproblematik herangetragen, etwa dadurch, dass seine Aufmerksamkeit sofort auf Beinstellung, Armbewegungen, Handhaltungen usw. fixiert wird, und wird er später doch ein guter Sportler, so ist er dies nicht wegen, sondern trotz dieses Geschicklichkeitslehrweges geworden.

Die meisten Schüler bleiben auf diesem Weg jedoch, trotz jahrelangem Üben, in der unteren Mittelmäßigkeit stecken. Dies kann man im Skilauf massenweise beobachten, denn dort herrschen ebenfalls Lehrwege vor, in denen davon ausgegangen wird, dass es sich auch beim Skilauf vorwiegend um ein Geschicklichkeitsproblem: um das geschickte Lenken des Fahrzeuges „Ski“ handelt.“
Prof. Horst Tiwald

Skifahren & Koordination in der Skipädagogik

Niemand wird in Frage stellen, dass sich harmonische Bewegung durch spielerisches Entdecken am leichtesten ergibt. „An der Koordination arbeiten“ zu wollen, ist ein schwieriger, wenn nicht gar kontraproduktiver Weg. Viel effektiver ist es, dem Ski fahrenden Individuum situativ und spielerisch Erfahrungsgelegenheiten anzubieten.

Die neuen „Unterrichtsbehelfe“

Das Selbstbild des Skifahrers ist wesentlich für eine gute Bewegungskoordination.
Die einfache Grundstruktur der Fahrtechnik mit modernem Ski-Equipment eröffnet viele Möglichkeiten für die Entwicklung von individuellem Stil.

Das leichte Handling von taillierten Skis und ihre ausgeprägte Autokinetik ermöglichen leichteres Lernen und auch natürlichere Bewegungen.
Haltungsvorgaben und methodische Übertreibung sind endgültig obsolet geworden.

Perfektion von Bewegungstechniken tritt in den Hintergrund.
Moderne Skipädagogik orientiert sich an der individuellen Gestaltungskraft für Gleitprozesse, Kurvenverläufe und Raumerlebnis.

Individuelle Bedürfnisse und Besonderheiten sind wesentlich.
Frontalunterricht und „in der Schlange hinter dem Skilehrer herfahren“ sind keine probaten Lehrformen.
Neue Bewegungen entdecken – simpel, spielerisch und gewandt.
Zum Beispiel: vom Liegen ins Sitzen über die Hocke in den Stand und ins Fahren … Aufmerksamkeit von Beteiligten und Publikum ist garantiert 😉

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Begriffsklärung Koordination und Koordinationsfähigkeit

Der Begriff Koordination (von lateinisch ordinare = in Reih und Glied stellen, regeln, ordnen, in eine bestimmte Folge bringen; daraus mittellateinisch coordinare = zuordnen, beiordnen) beinhaltet in seiner allgemeinen Bedeutung das Aufeinanderabstimmen, die gegenseitige Zuordnung verschiedener menschlicher, sozialer, wirtschaftlicher oder technischer Vorgänge.

Koordination ist das harmonische Zusammenwirken von Sinnesorganen, peripherem und zentralem Nervensystem (ZNS) sowie der Skelettmuskulatur; sie soll bewirken, dass die Impulse innerhalb eines Bewegungsablaufs zeitlich, stärke- und umfangmäßig aufeinander abgestimmt die entsprechenden Muskeln erreichen.

Die (Neuro-)Physiologie bezieht die Zusammenordnung in erster Linie auf die Muskelarbeit und auf die ihr zugrundeliegenden Teilprozesse im motorischen Nervensystem. Koordination kennzeichnet hier das fein abgestimmte Zusammenspiel zwischen den synergistisch arbeitenden Muskeln auf der einen Seite des Gelenks und den antagonistisch arbeitenden Muskeln auf der anderen Seite.

Die Biomechanik erfasst mit dem Koordinationsbegriff die räumliche, zeitliche und kräftemäßige Ordnung menschlicher Bewegungsvollzüge. Entsprechend wird vor allem die Abstimmung von äußeren Bewegungsparametern, Ablaufrelationen oder Impulsmustern betrachtet.

Der praktisch tätige Sportpädagoge schließlich orientiert sich am äußeren Erscheinungsbild. Er bezieht den Koordinationsbegriff auf die harmonische und rhythmische Verbindung aller Teil- bzw. Einzelbewegungen zu einer reibungslos und sinngemäß ablaufenden Gesamtbewegung.

Als koordinative Fähigkeiten bezeichnet man im Bereich der Motorik eine Reihe von Dispositionen, die als Voraussetzung gelten für das Gestalten einer koordinierten Bewegung. Ihr mögliches, aber nicht zwingend aus ihnen entstehendes sichtbares Produkt ist die Bewegungskoordination. Koordinative Fähigkeiten sind lediglich Potenziale, noch keine Leistungen oder Fertigkeiten (vgl. koordinative Fähigkeiten.

Diese bedürfen noch der Aktivierung und Zusammenführung in einem konkreten Bewegungsablauf, um überhaupt wahrgenommen und beurteilt werden zu können. Die Qualität einer Bewegungskoordination ist sowohl von der Güte der einzelnen koordinativen Fähigkeiten als auch von deren gelingendem Zusammenspiel abhängig. Koordinative Fähigkeiten sind wiederum von den konditionellen Leistungsbereitschaften (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer) zu unterscheiden.

Quellen:  Roth, sportwissenschaftliches Lexikon 1972; Martin, Carl & Lehnertz,1993; Hirtz, 1997;

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