Lawinenwarnskala neu benennen!

Lawinenwarnskala neu benennen!

Experten regen schon länger eine Umbenennung der Warnstufen der fünfteiligen Lawinenwarnskala an. Die Stufe „3“ ist der Knackpunkt, sie gilt als „tückisch“. Der Lawinenwarndienst Tirol will jetzt die Lawinenwarnskala neu benennen. Stufe drei soll in Zukunft die Bezeichnung „groß“ und nicht wie bisher „erheblich“ tragen.

Nachdenken könnte man auch darüber ob man statt der Zahlen eine konsequente Farbbennenung verwendet und obendrein „gering“ als Gegensatz zu „groß“ nicht besser durch „klein“ ersetzt. Sprachliche Durchgängigkeit findet die Autorin immer gut 😉

Die meisten Lawinenunfälle passieren bei Lawinenwarnstufe „3“

Bei den Stufen 1 und 2 kann man sich mit Risikobewusstsein und der dazu nötigen Erfahrung grundsätzlich ohne großes Gefahrenpotential im Gelände bewegen. Bei 4 wagt sich sowieso kein vernünftiger Mensch ohne fundierte Lawinen-Expertise ins Gelände und bei 5 ist die Gefahr so groß, dass oft ganze Skigebiete gesperrt werden.

Die Gefahr steigt nicht linear an, sondern exponentiell

Die Lawinenwarnstufe 3 ist deshalb die gefährlichste, weil sie am meisten unterschätzt wird. Ein Faktor der zur Unterschätzung der Gefahrenstufe „3“ beiträgt, ist die Verwechslung mit dem Schulnotensystem. Der „Lawinen-Dreier“ ist weder befriedigend und auch nicht nur ein bisschen gefährlicher als der Zweier, sondern – wie bei der Messung von Erdbebenstärken – doppelt so gefährlich.

Stufe 3 birgt die doppelte Gefahr der Stufe 2. Zudem gibt es bei „3“ oft verführerischen Powder. Gleichzeitig sind aber die Gefahrenzeichen in der Natur oft nur für Experten erkennbar.

Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndiensts Tirol meint dazu am 2.2.2016 in einer Aussendung:

„Die Benennung der Lawinengefahrenstufe ’3′ mit ‚erheblich‘ ist – wie uns gerade dieser Winter zeigt – zu einem Problem geworden“.

Lawinenwarnskala neu benennen

Nach den Plänen von Rudi Mair und seinem Experten-Kreis soll die Stufe „3“ in „groß“ „4“ in „sehr groß“ und die Stufe „5“ in „extrem“ umbenannt werden. Der Lawinenwarndienst Tirol will den Vorschlag zur internationalen Umsetzung einer neuen Lawinengefahrenskala auf nationaler und internationaler Ebene einbringen.

Alte und vorgeschlagene Bennenung der Gefahrenskala
NumerischBezeichnung bisherVorschlag
1geringgering
2mäßigmäßig
3erheblichgroß
4großsehr groß
5sehr großextrem

Österreichische Experten uneinig

Michael Larcher, Leiter der Abteilung Bergsport beim Alpenverein, Bergführer und Gerichtssachverständiger für Lawinenunfälle etwa, hält von einer Umbenennung der Gefahrenstufen nichts. Dadurch sei kein Fortschritt zu erzielen. Sportler würden einzig die Zahlen im Kopf haben und von einem „Zweier“ oder „Dreier“ sprechen.

Ganz oder lieber gar nicht?

Wenn, dann müsste man, so Larcher, die Skala ändern und auf sechs Gefahrenstufen gehen und die Gefahrenstufe drei in zwei Stufen teilen. Er befindet aber, dass die fünfteilige Skala nach wie vor richtig sei und man daran nicht herumbasteln dürfe.

Risikofaktor Mensch

Zur Vermeidung von Lawinenunfällen empfiehlt Larcher, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen mit Bewusstseinsbildung, Aufklärung, Arbeiten an der Methodik der Lawinenausrüstung und an der Notfallausrüstung. Dass Wissensvermittlung der beste Weg zum bewussten Umgang mit Lawinen-Risiken ist, darüber sind sich alle einig.

Die Aufklärung und Schulung von Menschen, die nicht durch Alpin-Schulen und Vereine erfasst werden, scheint aber schwierig.

Aufklärung in Skigebieten

Begrüssenswert sind moderne Initiativen einzelner Skigebiete, die bereits an Freeride-Checkpoints aktuelle Informationen für Gelände-Fahrer anbieten. Hier gibt es aber noch viel zu tun. Viele Skigebiets-Betreiber umgehen immer noch die komplexe Aufgabenstellung der Gefahren-Aufklärung um einerseits kein negativ Image und andererseits Haftungsfragen erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Es wäre an der Zeit, dass sich alle Gebiete zum Thema Freeriding offen und ehrlich positionieren, Wintersportler umfassend informieren und gezielt vor Gefahren warnen.

Zahlen ganz weglassen?

In fortschrittlichen Schulsystemen diskutiert man schon längst das Benotungs-System nach Zahlen. Warum eigentlich nicht auch für die Lawinen-Info die Gefahren neu benennen und Zahlen durch ein Farbschema ersetzen? Grün, Gelb, Orange, Rot, Schwarz – die Farben der Lawinen-Ampel sind international mit den Stufen von Gefahrenwahrnehmung konnotiert.

danger-scale-1

Lawinengefahren-Skala aus Nordamerika

Nicht schönreden!

Auch wenn die Zahl der Lawinen-Toten in der Statistik , trotz einer großen Zunahme an Freeridern, seit langer Zeit ziemlich gleich bleibt, besteht Handlungsbedarf. Jeder Unfall ist einer zuviel. Die Überlegungen der Tiroler Lawinen-Experten gehen in die richtige Richtung: Zahlen & Fakten von und für die Experten. Aber:
Aufklärung mit einem Gespür für sinnliche Wahrnehmung!

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