Ski Lehrplan neu - Snowsport Austria

Skilehrplan neu – Schönskilauf & rutschen?

„Carven ist out – das ist der neue Ski-Stil.“ „Gerutscht, nicht geschnitten.“ So titeln Artikel in „Die Welt“ rund um den Valentienstag 2016 und sorgen damit für Kopfschütteln unter Experten und Freizeit-Skifahrern gleichermassen. Skilehrplan neu – was wirklich drin steht und wie es gemeint ist, erklärte uns Skischulleiter Rudi Lapper, der maßgeblich für den Inhalt verantwortlich zeichnet.

Ente gut alles gut!

Ein Missverständnis sei das Ganze, basierend auf einer Presseaussendung des Tourismus-Verband Pitztal, der gleichzeitig auch zur Pressereise ins Skigebiet einlud, so Rudi Lapper, der als Ausbildungsleiter von Snowsports Austria für die Gestaltung des Lehrplans richtungsweisend ist.

Carving ist out, in Zukunft fährt man möglichst natürlich durch den Schnee, ohne extreme Drehungen. Dieser neue Skistil ist in zwei Jahren an Österreichs Skischulen verpflichtend. Im Tiroler Pitztal wird die neue Ästhetik des Skifahrens jetzt schon gelehrt.
Gerutscht, nicht geschnitten – Artikel in „Die Welt“ vom / Ausgabe 7 / Seite 38

Offensichtlich zielt die Pitztaler PR darauf ab, sich besonders fortschrittlich zu geben.

Natürlich Skifahren oder Carving? Wo ist der Unterschied?

„Hier wurden Aussagen aus dem Kontext gerissen!“, so Lapper. Der neue Lehrplan soll es dem Skischüler einfacher machen und dazu gehört, dass man das Hauptaugenmerk des Anfängerunterrichts auf klare Basics richtet. Das sind, wie alle erfahrenen Schneepädagogen wissen, die ersten Gleit-Erfahrungen, Bremsen und Richtungsänderung. Vermeiden will man in Zukunft, in der sogenannten Grundstufe, den Fokus auf den geschnittenen Schwung.

Skilehrplan neu: Gerutscht, nicht geschnitten!

Diese Aussage stösst so manchem sauer auf. Will die offizielle Skischule etwa den gleichen Weg wie die FIS gehen und auf die Vorzüge der Taillierung pfeifen? Hier hat die Welt-Autorin wohl zu tief in den Buchstabensuppen-Kübel gegriffen. Selbstverständlich bleibt die auf der Kante gezogene Kurve das Ziel der Pistenperfektion. Nur soll die Kantenproblematik eben nicht, wie in der letzten Lehrplan-Auflage vorgeschlagen, an den Haaren herbeigezogen werden. Der Anfänger soll zunächst alle autokinetischen Grundfunktionen eines modernen Skis erfahren, bevor es ans Erkunden der Feinheiten geht.

Schön und gut, aber was ist mit dem Schönskilauf?

Der Terminus „Schönskilauf“ kommt seit Stefan Kruckenhausers Ära immer im Lehrplan vor. Rudi Lapper und sein Editoren-Team haben ihn nicht gestrichen, wenngleich Lapper einräumt: „Zwar haben wir aus Umfragen den Eindruck gewonnen, dass es einem Teil der Gäste darum geht optisch „schöner“ zu performen. Doch der Punkt Schönskilauf ist einer unter vielen anderen, denen mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Denn schliesslich ist Ästhetik mehr denn je zu einer persönlichen Angelegenheit geworden.“

Didaktik – Last not least

Selbstverständlich habe ich mich zum Abschluss des Gesprächs mit Rudi auch noch kurz über mein Liebelingsthema Didaktik unterhalten. Seine Position hat mir etwas klar gemacht: Es ist schwierig, in einem Standard-Werk für 15.000 Schneepädagogen unterschiedlichster Vorbildung und Erfahrung, einen konsistenten Didaktik-Leitfaden unterzubringen.

Doch der Chef der Skilehrerausbildung sieht im Thema Didaktik beträchtliches Zukunfts-Potential. Und das freut mich sehr!

 

 

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