Hans Zehetmayer 1927 - 2016

Hans Zehetmayer hat abgeschwungen

Mag. Hans Zehetmayer ist am 28. April, im neunzigsten Lebensjahr, verstorben. Der Skilauf und die Musik waren bis zu seinem Tod wesentliche Lebensinhalte. Natürlich Kurvenfahren mit Ski war das Themenfeld, für das er sich seit Jahrzehnten eingesetzt hat. Hans‘ Gedanken, Erkenntnisse und seine Unterrichts-Philosophie sind ein Wegweiser in die Zukunft der Skipädagogik.

Ein Leben für das Skifahren

Die Leidenschaft für den Skisport entdeckte Hans im Kino. Der Film „Sonne über dem Arlberg“ hat ihn als Kind dermassen in den Bann gezogen, der Wunsch selbst Ski zu besitzen wurde so groß, dass sogar das Christkind ein Einsehen hatte. Am Schulskikurs in den Nockbergen entwickelte sich erstmals die Neugierde für das „Wie?“. Damit war der Weg als Sportpädagoge vorgezeichnet und die Spur für den großen Forschergeist gelegt.

Gehen, die Basis fürs Skifahren

Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Methoden, während der Sport- und Skilehrerausbildung in den Nachkriegsjahren, bestätigten Hans in seinem Denkansatz: unbedarften Skischülern wird mit viel zu komplexen Technik-Anweisungen, das Lernen unnötig schwer gemacht. Der Lehrweg, den er als Jugendlicher erkannt hatte, war simpel und ohne überflüssiges Stil-Gehabe. Hans engagierte sich mit viel Elan, die einfache – weil natürliche – Bewegung  in die damals verschulte Methodik einzuführen.

Hans Zehetmayer erkannte die Bedeutung  der Gehbewegung für das Skifahren und den damit verbundenen Belastungswechsel in seiner zeitlich-räumlichen Abfolge.

Kurvenfahren mit Ski

Das „Werkzeug Ski“, wie Hans es gerne nannte, ermöglicht bei sinnvollem, bewusstem wie unbewusstem Einsatz, erhebliche Erleichterung beim Kurven fahren. Er zeigte , dass die Druckverteilung „vorne-hinten, innen-außen“ die Ski selbsttätig Kurven erzeugen lässt.  Dieses wechselweise Beugen und Strecken der Beine  ist besonders beim Kurven Fahren von Kindern und bei Rennläufern zu beobachten.

Der freie Blick auf das Wesentliche

Very Old School skiing - kunstpiste.com

Hans Zehetmayer analysierte alle Lehrmeinungen und Methoden bis ins Detail.

Mit einem scharfen Überblick stellte sich Hans das mutige Forschungsziel, die kursierenden historischen und aktuellen Skitechniken einzeln zu analysieren. Besonders und bis zuletzt hatte es ihm die Fahrweise von Mathias Zdarsky (1856-1940) angetan. Hans hat in seiner letzten Publikation – Kurvenfahren mit Ski, März 2016 –  noch einmal präzise dargestellt, dass die  akribischen Forschungen und Erkenntnisse des großen Ski-Lehrmeisters bis heute Gültigkeit haben.

Überzeugende Ski-Physik

Hans war bekannt dafür, seine Erkenntnisse kompromisslos vorzutragen –  auch im Kreis der staatlichen Skilehrplan-Autoren. Prompt wurde ihm die venia legendi nach Jahren in der Skilehrerausbildung, entzogen. Trotzdem war der permanente fachliche Diskurs mit Stefan Kruckenhauser und Fritz Baumrock stets von gegenseitiger Anerkennung geprägt.

Hans Zehetmayer - Kurvenforscher & Querdenker

Hans Zehetmayer – Kurvenforscher & Querdenker mit Skimodell, November 2015

Und Hans fand auch einen Weg, seine plausiblen Erkenntnisse auf eindrucksvolle Weise zu vermitteln. Die „Wiener Skimodelle“, von Raimund Sobotka und Helmut Gottschlich erdacht und von ihm weiter entwickelt, konnten seine Thesen klar veranschaulichen. Selbst die schärfsten Kritiker konnten den Naturgesetzen der Ski-Physik keine Gegenargumente liefern.

Skilehrer aus Leidenschaft

Zecherl, wie Skifreunde Hans Zehetmayer nannten, wirkte nach seinem Ausscheiden aus der staatlichen Berufsskilehrerausbildung unermüdlich als Abteilungsvorstand der Skilehrwarte bzw. Skiinstruktoren an der BAfL (heute Bundessportakademie Wien) weiter. Er war auf zahlreichen internationalen Kongressen als Vortragender und in Workshops tätig. Walter Kuchler, SPORTS Deutschland, erkannte schon früh Hans‘ „revolutionären“ Gedanken. Noch im vergangenen Winter 2016 war er als „Skilehrer“ und Referend für SPORTS im Schnee-Einsatz.

Anerkannt und ausgezeichnet

Hans Zehetmayer war jahrelang (Ehren-) Präsident des Wiener Skischulverbandes, neben zahlreichen hohen Auszeichnungen hat ihm das auch im Kreis der Skipädagogen wohltuende Anerkennung gebracht. Sein umfangreiches Werk mit Veröffentlichungen in Büchern, Fachzeitschriften & Skripten legen seine visionären Gedanken dar.

Die Väter des „Natürlichen Skilaufs“

Mathias Zdarsky ist mit der Entwicklung der Alpinen Ski-Technik Wegbereiter, Hans Zehetmayer aber der Vater des „Natürlichen Skilaufs“. Um die einfache Art des Kurvenfahrens zu propagieren, muss nichts neu erfunden werden. Hans‘ Geistiges-Vermächtnis und die Ski-Modelle werden über seinen Tod hinaus als Quelle der Inspiration erhalten bleiben. Auch Zweiflern und Kritikern bleibt es anheim gestellt, sich damit auseinander zu setzen.

Harmonie, Rhythmus und Lebensgeist

Hans Zehetmayer hat abgeschwungen

Hans Zehetmayer, *18. März 1927 – † 28. April 2016

Musizieren war die zweite große Leidenschaft in Hans‘ Leben. Im Kreise seiner Freunde hat er auch am Keyboard und bis kurz vor seinem Tod viel Sinn für feine Nuancen gezeigt. Sein Repertoire war unerschöpflich.

Seine gesellige, kommunikative, fröhliche Art auf Menschen zuzugehen, wird allen, die ihn kannten, unvergesslich bleiben.

Sein Vermächtnis prägte Generationen von Schneesportlern.

Du fehlst uns schon jetzt,
lieber Hans!

 

Arno Klien, Nicola Werdenigg im Namen von unzähligen Ski-Freunden, verbunden mit tiefem Mitgefühl für Gerhilde Zehetmayer und alle Verwandten.

Für alle, die liebe Gedanken an Hans mitteilen möchten, steht die Kommentarfunktion am Seitenende zur Verfügung. Bitte ganz nach unten scrollen!

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Hans-Zehetmayer-Interski-Kongress-2007-lowres
Hans Zehetmayer Internationales Ski-Kolloquium, Hintertux 2007

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