USA – neue Wege in Skistrukturen

FIS – neue Wege in Skistrukturen

Ein Vorschlag an den internationalen Skiverband könnte für Diskussionsstoff sorgen. Dexter Paine, erfolgreicher Unternehmer, Vertreter des U.S. Ski- & Snowboardverbands und Vizepräsident im FIS Vorstand, schlägt mehrere Punkte zur Modernisierung der Organisation vor. Das „Proposal“, das übrigens vom IOC angeregt wurde, könnte neue Wege in Skistrukturen eröffnen.

1. Zeitliche Begrenzung

Zum momentanen Zeitpunkt werden FIS Vorstands-Mitglieder alle zwei Jahre gewählt, der Präsident alle vier Jahre. Es gibt kein Limit für die Anzahl der Amtsperioden, weder für Mitglieder noch für Präsidenten.

Der Vorschlag, mit dem der U.S.-Verband für mehr Unabhängigkeit, Vordringlichkeit und einen konstanten Strom an neuen Stimmen sorgen will:

Maximal drei Amtsperioden für Präsidenten und FIS Vorstandsmitglieder

2. Gender Gleichstellung

Aktuell gibt es kein weibliches Mitglied im FIS Vorstand. Das soll sich ändern. Gefordert wird, dass in den nächsten Jahren konkrete Schritte gesetzt werden:

Gender Balance im FIS Vorstand, bei den nationalen Repräsentanten und in den FIS Kommitees

3. Keine geschäftsführenden Präsidenten

Der FIS Präsident wird aus Geldern der FIS – Hodler-Stiftung bezahlt. Das soll sich in Zukunft ändern. Vorgesschlagen wird die Rolle des Präsidenten neutraler zu gestalten, wie es zuvor seit Bestehen der FIS gehandhabt wurde.

Die bezahlten geschäftsführenden Tätigkeiten sollen in Zukunft nicht mehr von FIS Präsidenten ausgeführt werden. Der Vorstand soll in Zukunft mit einem fix angestellten CEO zusammenarbeiten.

4. Transparenz bei finanziellen Entschädigungen

Status quo: Die Finanzgebahrung in Bezug auf Aufwandsentschädigungen für den Führungsstab wird nicht transparent offen gelegt.

Im Hinblick auf eine gangbare Praxis zur Vermeidung von Korruption sollen sämtliche Abrechnungen jährlich offen gelegt werden.

5. Stärkung des FIS Vorstands

Der FIS Vorstand tritt zweimal jährlich zusammen um eine Agenda zu bearbeiten, die sehr stark vom Präsidenten und dem Generalsekretär bestimmt wird. Eine ausgewogene Vorgehensweise wird in Zukunft gewünscht.

Regelmässige Vorstandsmeetings mit mehr Mitsprache in strategischen und geschäftlichen Belangen. Mehr Rechenschaftspflicht des Generalsekräters gegenüber dem Vorstand.

6. Jährlicher Kongress

Der FIS Kongress, das höchste Gremium des internationalen Verbands, tagt aktuell alle zwei Jahre. Vorgeschlagen wird:

Jährliche Versammlung des FIS Kongress um die Organisation beweglicher zu gestalten und die nationalen Verbände in Entscheidungsprozesse besser einzubinden.

7. Unabhängiger Antidoping-Ausschuss

Die Urteilsfindung für Dopingvergehen obliegt dem verbandsinternen Antidoping-Ausschuss. Diese Praxis zeigt sich als problematisch – die Vergangenheit hat einige Interessenskonflikte offengelegt.

Ein vom Vorstand unabhängiger Antidoping-Ausschuss soll ins Leben gerufen werden.

8. Umbenennung

Um dem gesamten Sport, für den die FIS steht, Anerkennung zu zeigen wird eine Umbennenung vorgeschlagen:

Internationaler Ski- und Snowboard-Verband

Ähnliche Strukturen in nationalen Verbänden und FIS

Die FIS legt in vielen Bereichen des Wettkampfsports die Regeln für die nationalen Verbände fest. Auch in der Struktur lehnen sich traditionelle Verbände wie der ÖSV an den Aufbau der Organisation des Weltverbands an.

Machtfülle und Überalterung

Und noch eines haben die FIS und ÖSV gemeinsam: Die Präsidenten sind mit einer großen Machtfülle ausgestattet und bleiben gefühlte Ewigkeiten in ihren Führungspositionen. FIS Präsident Gianfranco Kasper ist seit 1998 im Amt, ÖSV Präsident Schröcksnadel gar seit 1990.

Machtmissbrauch

Ohne Macht kann man in einer großen Sport-Organisation (noch) nichts umsetzen. Doch Macht birgt auch die Gefahr des Machtmissbrauchs. Wer zu lange an der Macht, in seiner Siegerspirale ist, läuft Gefahr Schneeblind zu werden.

Scheuklappen

Die Weltsicht wird vereinfacht, Probleme werden auf Nebenschauplätze verdrängt, schlechte Nachrichten und Bedrohungen persönlich genommen. Oft genug wird dieser Realitätsverlust zur Bedrohung für Organisationen – in Politik & Wirtschaft ebenso wie im Sport.

Man darf gespannt sein!

Möglicherweise könnten sich noch andere Verbände für den vorgeschlagenen Strukturwandel im internationalen Skiverband begeistern. Und ist der Schritt dort erst einmal vollzogen, dürfte es für tradierte nationale Verbände nicht mehr so einfach sein die Augen vor den Erfordenissen für einen modernen Weg des Schneesports zu verschliessen.

PS:

Der ÖSV rühmt sich als erfolgreichste Alpin-Nation mit 7 x Edelmetall. Die um einiges erfolgreichere Verbandsstatistik mit weiteren 4 Medaillen im Snowboard und in nordischen Bewerben trat zugunsten von alpinen Schlagzeilen ins Hintertreffen. Auch und besonders Punkt 8. des U.S. Verbands, die Umbenennung zum Österreichischen Ski- & Snowboard-Verband, wäre schon ein symphatischer Anfang.

Quelle – U.S. Ski & Snowboard – BOD Minutes Nov. 2017 PDF