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Kinderskirennen - die grossen Vorbilder in Miniatur
Wolkenkratzerhoch prangte Cathy Freeman, die weltmeisterliche australische Sprinterin, während der olympischen Sommerspiele in Sydney an einer Hauswand. Sie ist Aborigine, und sie hatte den nationalen Auftrag, Gold zu gewinnen. Auf dass der Eindruck entstand, das neue Australien kenne keine Unterschiede und ermögliche jedem und jeder den Aufstieg.
Auch in Österreich und besonders im Olympiawinter wird die Hoffnung auf den Aufstieg vom Normalverbraucher zum Skistar in viele Kinderseelen projiziert. Bei Kinderrennen agieren Miniaturen von großen Stars in Miniaturen von großen Wettkämpfen. Profioutfit gehört dabei unbedingt genauso dazu wie das Vor- und Nachbereitungsgehabe der großen Vorbilder. Als Coaches agieren meist Väter und in letzter Zeit auch oft Mütter. Zum Teil vertraute und in die Jahre gekommene Bekannte aus der Jugendrennsportszene der 70er Jahre, kaum ein Gesicht das in den Medien als Starportrait gehandelt wurde. Hauchdünn waren in der Jugendzeit die Unterschiede zur Hand voll Kollegen die den Sprung in die Weltspitze schafften. Pech gehabt – verletzt, verloren, verkannt... Die Kinder sollen es besser machen. Schließlich haben Mama oder Papa am eigenen Leib erfahren wie schlimm es ist in sportlichen Sackgassen zu landen. Ganz einfach scheint die Lösung, man fängt mit seinem Nachwuchs dort an wo man selbst aufgehört hat. Und weil die eigenen Fähigkeiten nicht für den ganz großen Durchbruch ausreichten, würzt man die Erfolgsmedizin mit ein paar kräftigen Prisen Stardust. Die Ski vom Herminator müssen her. Pro Saison mindestens drei Paar plus Sturzhelm, Rennanzug, Skischuhe, Stöcke alles up to date. Ein teurer Spaß, der auch durch das Aufnähen und –picken von Sponsorenlogos auf Trikots und Kopfbedeckung nicht weniger kostet, wenn man weiss, dass sich sogar Juniorenweltmeister meistens noch ohne Mäzene durchschlagen müssen. Illusion siegt über Wahrscheinlichkeit: von den dreihundert besten Kindern eines Bundeslands zwischen sechs und zehn schaffen, wenn überhaupt, nur ein bis zwei den Weg bis in das Nationalteam. Erst von dort kann unter einem sehr harten Ausleseverfahren der Schritt in die Weltelite erfolgen. Die Struktur des österreichischen Skiverbandes verbraucht im Kampf um permanente Stockerlpräsenz einiges an Kanonenfutter. Der Gedanke an Ruhm verleitet viele Eltern es zu liefern. Vielleicht bekommt man durch erfolgreiche Nachkommen ja doch noch selbst in ein paar Jahren hautnah den Schein von Glanz und Glorie der Grossen Welt. Wenn nicht tröstet man sich im Moralkollektiv, denn schließlich glaubt man frei nach dem Motto: "Sport statt Drogen" seinem Kind "edle Werte" mit auf den Weg zu geben. Und weil das eben nichts als Schein ist, sind diese Kinderwinterspiele brisant. Natürlich, Kinder wollen sich bewegen: Ballspielen, Radfahren, Schwimmen, Fangen, Rennen, Klettern und in der österreichischen Alpinumgebung Skifahren, erfüllen ihr natürliches Bedürfnis. Sobald aber an die Stelle des spielerischen Herumtollens der organisierte Sport tritt, sollte das Kind mit fundiertem Wissen und selbstloser Liebe begleitet werden. Denn unerreichbare Vorbilder und elterlicher - selten auch eigener - falscher Ehrgeiz schaffen einen zu hohen Leistungsdruck. Dieser Druck führt selten zum Erfolg, häufig aber zu körperlichen und seelischen Schäden, und mit Sicherheit geht das Fundament für ein erfülltes Sportlerleben verloren: die Freude an Bewegung und Spiel. —Nicola |
![]() Gemischte Gefühle für Kinderrennläufer am Start? ![]() "Steiles" Outfit ![]() Die Industrie sponsort, oder sponsort mein Papa die Industrie? ![]() Traurig? ![]() Alle Bilder von Nicola Werdenigg, 2002
Polyvalente Bewegungserfahrung sollte in der Entwicklung vorrangig sein. Franz Klammer, Annemarie Pröll und Hermann Maier sind nicht den Weg der "Kinderselektierung" gegangen!
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Hallo liebe Nicola! | 21.02.2002 15:07 | |||
Hansjörg | >> antworten | |||
Danke für deine netten und mich doch auch nachdenklich stimmenden Zeilen zum diesjährigen 33. Tiroler Kinderskitag, Es freut mich natürlich besonders, Lob für eine inzwischen schon Tradition gewordene Veranstaltung zu erhalten. Und über persönlich kritische Eindrücke glaube ich kann, und darf keiner böse sein, denn das Ergebnis solcher Veranstaltungen ist ein Ergebnis der auf uns zugekommenen Zeit. Eine Zeit welche Menschen ( beginnend mit Kindern ) und Rennen zu dem macht was es heute ist. Es gibt natürlich solche Blickwinkel wie von dir erw&au... >>Kompletten Beitrag anzeigen | ||||