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Wed, 20 Feb 2002
Olympia Kolumne 18.02.02 - Das Malheur von Stephan Eberharter
Grosser Geist
bewahre mich davor über einen Menschen zu urteilen, bevor ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin.
Heh Roh Nee Moh, Apachen-Häuptling


Die Diskussion um Stephan Eberharter’s Verhalten kommt nicht unerwartet. Bei fast allen Wettkämpfen die ohne den Sieg und die damit verbundenen Emotionen des Topfavoriten ausgehen, wird allerhand Senf über den Charakter des Menschen abgegeben. Die Anzahl der Forenbeiträge erreicht beinahe die, politischer Diskussionen. Es wird gerne Partei ergriffen, wenn ein Sportler die Schuld nicht ausschließlich bei sich selbst, sondern bei Trainern oder Material sucht. An dieser Stelle tut vielleicht etwas Ursachenforschung gut, um die Gemüter zu beruhigen und die aufgewühlten Parteien der Stammtische und Foren wieder zu vereinen.

Der Super G, die jüngste alpine Disziplin, hat eine wesentliche Besonderheit: Da die Linienführung für mehr Speed als im Riesenslalom gewählt wird, ist sie von Geländeformen abhängig und viel weniger rhythmisch. Das stellt bei der Besichtigung enorme Anforderungen an die Athleten, da sie im Gegensatz zum Abfahrtslauf keine Trainingsläufe auf der Rennstrecke absolvieren können. Nimmt man jetzt noch die wechselnden Schneeverhältnisse auf den verschiedenen Streckenabschnitten des Kurses von Snow Basin unter die Lupe, wird einem klar, dass der Olympia Super G eine ziemlich heikle Sache war. An manchen Stellen, erschien es dem Zuschauer, fehlte jede Griffigkeit obwohl nichts auf Eis hindeuten konnte. Das wurde schon in der Kombiabfahrt der Herren deutlich, wo manche von einem "Ausrutscher" überrascht wurden. Die Morphose des Kunst-Naturschneegemischs vorangetrieben durch die Bearbeitung für drei Bewerbe scheint im Land der Ute Indianer besondern Geistern unterworfen zu sein.

Stephans Missgeschick passierte auf einer "Glatze", die er bei der gerutschten Besichtigung anders einschätzte als sie sich im Highspeed des Rennens offenbarte. Wenn er sagt, er hätte auf einen Hinweis auf dieses Problem via Funkspruch der Trainer gewartet, kann man ihn nur zu gut verstehen. Verstehen muss man aber auch die Trainer. Robi Trenkwalder, der diesen Teil beobachtete, ist ein alter Fuchs im Skizirkus. Er hätte sich bestimmt nichts mehr gewünscht als eine Goldmedaille für sein Team. Für ihn galt es abzuwägen, was mehr nützt als schadet: eine Warnung mit dem Risiko zu "verbremsen" oder das Vertrauen in den Urinstinkt und das Glück des Topfavoriten. Da die Linienführung von Siegläufern immer etwas unterschiedlich ausfällt, war es durch die Beobachtung der ersten Läufer für ihn vielleicht auch gar nicht ersichtlich, dass für Stephan Eberharter an dieser Stelle die große Hürde liegen könnte.

Wie dem auch sei, es ist normal, dass bei Topathleten nicht nur freudvolle Emotionen auftauchen können, wenn die gesamte Energie, die man zum Siegen aufbaut in einer Niederlage endet. Einer Niederlage, die sich in diesem Fall nicht auf die Silbermedaille bezieht, sondern auf einen kapitalen Fahr- und Kommunikationsfehler. Großer Geist hilf, dass sich auch die Passivolympioniken in die Mokassins vom Steff versetzen können!
Nicola


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